Urberacher Löschhilfe am Persischen Golf

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Lukas Hallmann aus Urberach bildet am Persischen Golf Feuerwehrleute aus - ein Job, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes heiß her geht.

Urberach ‐ Lukas Hallmann (24) ist Rödermarks Feuerwehrmann mit dem wahrscheinlich heißesten Arbeitsplatz. Seit April 2008 löscht er Brände im Golf-Scheichtum Abu Dhabi. Von Michael Löw

Temperaturen von 50 Grad im Schatten und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit sind da keine Seltenheit. Selbst ein gut trainierter Triathlet wie Hallmann muss nach 20 Minuten Einsatz eine Pause einlegen, daheim in Urberach steckte er Zwei-Stunden-Einsätze locker weg. Hallmanns Hauptaufgabe ist jedoch die Ausbildung von Feuerwehrleuten in der Stadt Ruwais nach deutschen Standards. Das tut er im Auftrag des Innenministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate.

Mehr Eindrücke vom Löschen am Golf:

Löschhilfe am Persischen Golf

Angefangen hat‘s aus einer Laune heraus. Hallmann bewarb sich auf Glück, rechnete aber nicht mit einer Zusage. „Als ich die dann bekommen habe, hat mich die Abenteuerlust gepackt“, erzählt der gelernte Rettungsassistent, der schon als Jugendlicher bei der Urberacher Feuerwehr aktiv ist. In Ruwais arbeitet er im Schichtdienst auf der Feuerwache und leitet Einsätze zusammen mit einem arabischen Kollegen. Außerdem hat er den vergangenen zwei Jahren eine Menge Projektarbeit gemacht und zum Beispiel eine Höhenrettungsgruppe ins Leben gerufen. Auch landesweite Konzepte zu Gefahrgutunfällen oder Brandschutzschulungen für Hotels und Firmen tragen seine Handschrift.

Die Flammen schossen aus dem Ventil

In Abu Dhabi ist die Feuerwehr Teil der Polizei. Der Job wird im Gegensatz zur deutschen Berufsfeuerwehr gut bezahlt. Lukas Hallmann: „Neben unserem steuerfreien Gehalt stellt uns die Abu Dhabi Police eine Wohnung, bezahlt Kranken- und Unfallversicherung sowie einen Urlaubsflug pro Jahr.“

An spektakulären Einsätze herrscht kein Mangel. Im Winter wurde Hallmanns Löschzug zu einem Feuer in der Raffinerie gerufen. Dort brannte ein unterirdischer Tank. Die Flammen schossen aus einem abgerissenen Ventil, in unmittelbarer Nähe zu großen Pipelines mit brennbaren Stoffen. Hallmanns vergleichsweise kleine Truppe ist selbst in solch heiklen Situationen auf sich alleine gestellt. „In Deutschland kann ich mit einem Anruf einen ganzen Landkreis in Bewegung setzten und habe innerhalb von zehn Minuten hunderte Feuerwehrleute vor Ort. Hier bin ich auf meine 20 Mann angewiesen und dann kommt erst einmal lange nichts mehr“, schildert er den wichtigsten Unterschied.

Löschen und Ausbilden sind nicht alles

An mehreren Einsatzstellen sah sich Hallmann vor „fast übermenschliche Herausforderungen gestellt“. Da sei es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren, und sich darauf zu konzentrieren, was man mit seinem Löschzug leisten kann.

Arabisch muss der Gastarbeiter in Sachen Brandschutz nicht lernen. Englisch gehört in einem Land, dessen Bevölkerung zu zwei Dritteln aus Gastarbeitern besteht, einfach dazu. Trotzdem wurde die Sprache anfangs zur Barriere. Als er Ende April 2008 in Abu Dhabi ankam, musste er gleich mal 30 Seiten Feuerwehr-Fachvokabeln lernen. Bei der Ausbildung der Einheimischen gilt der Grundsatz: „Do it and you can reproduce it.“ (Tu es und du kannst es wiederholen.) Und beim Einsatz müssen die Handgriffe auch ohne viel Worte stimmen.

Gegrilltes Lamm mit den Händen essen

Ins Schwärmen gerät Hallmann auch beim Essen: „Ich kenne kein Land, was mehr Vielfalt bietet.“ Durch die Menge an Gastarbeitern gibt es an jeder Ecke ein kleines Restaurant mit Spezialitäten aus ihrer Heimat.

Am anderen Ende der Preisskala stehen Top-Restaurants in den unzähligen Luxushotels des reichen Scheichtums. Da gibt es vom bayrischen Biergarten über Edel-Italiener bis hin zu schier unvorstellbaren internationalen Büfetts einfach alles. Lukas Hallmanns ganz persönlicher kulinarischer Favorit ist aber eine Freiluft-Gastronomie, wie man sie nur in dieser Ecke der Welt findet: „Mich fasziniert jedes Mal wieder, wenn man beim Sonnenuntergang mit zehn Emiraties in der Wüste sitzt und zusammen gegrilltes Lamm und Reis mit den Händen von einer riesigen Platte isst!“

Quelle: op-online.de

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