Luftballons in der Einflugschneise

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Rainer Hoffmann von der Rödermärker Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge stellte die Initiative kurz vor.

Rödermark (bp) - Die Stadt möchte als Mitglied der Fluglärmkommission Frankfurt mit einem Antrag durchsetzen, dass die Flugrouten Richtung Flugplatz Egelsbach künftig nicht mehr über Rödermark führen. Damit wäre der Zustand von 2008 wieder hergestellt.

Sofern dies nicht gelingt, soll die Kommission Wege aufzeigen, wie der Fluglärm über der Stadt gemindert werden könnte. Überdies hat der Magistrat Kontakt zu Fachanwälten aufgenommen, um Strategien zum Widerstand zu entwickeln. Das sind Ergebnisse einer Bürgerversammlung zum Ausbau des Flugplatzes.

Etwa 350 Bürger füllten die Halle Urberach. Sie folgten der Einladung von Stadtverordnetenvorsteher Jörg Rotter. Wesentlichen Anteil an der Veranstaltung hatte die „Rödermärker Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge“ (RBgT), die mit der Stadt kooperiert.

Auf Unverständnis stieß, dass Mitarbeiter der Genehmigungsbehörden abgesagt hatten. Weder das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) noch die Deutsche Flugsicherung waren vertreten. Lediglich der technische Leiter der Hessischen Flugplatz GmbH Egelsbach, Simon Bock-Janning, zeigte Flagge.

Kein Antrag auf Ausbau des Flugplatzes

Bürgermeister Kern Roland berichtete, das RP habe abgesagt, weil noch kein Antrag auf Ausbau des Flugplatzes vorliege. Die Debatte darum und Antworten auf Fragen der Veranstaltungsteilnehmer seien derzeit deshalb „rein spekulativ“. Die Flugsicherung (DFS) wiederum besuche solche Treffen generell nicht. Die DFS habe aber ein Treffen an ihrem Stammsitz in Langen angeboten. Grundsätzlich bestehe seitens der DFS die Bereitschaft, „die Flugrouten zu optimieren“.

Solche Antworten waren manchen Zuhörern zu wachsweich. Simon Bock-Janning musste letztlich als einziger Offizieller den Kopf hinhalten und bekam den Unmut mancher Zuhörer zu spüren. Bürgermeister Kern und Stadtverordnetenvorsteher Rotter versuchten zu beschwichtigen. Sie ernteten dafür Kommentare wie: „Wir brauchen keine Belehrungen von ihnen“. Ein anderer Teilnehmer unterstellte Kern sogar, er stehe mehr auf der Seite der Flugplatzbetreiber. „Dann kann ich ihnen nicht helfen“, antwortete der Bürgermeister, der schon zu Zeiten des Widerstands gegen die Startbahn 18 West aktiv gewesen war.

Überflüge: Zahl stieg von 91 auf 1022

Alexander Görlich (RBgT) stellte dar, was so viele im Saal bewegte: die steigende Zahl an Überflügen von Jets bis 20 Tonnen Abfluggewicht. Diese Zahl stieg von 91 im Jahr 2000 auf 1022 im vergangenen Jahr. Die Maschinen überqueren Rödermark im Korridor zwischen 180 und 500 Meter über dem Boden. „250 Meter über unseren Köpfen, das hält keiner aus“, spitzte ein Diskussionsteilnehmer zu. Görlich sprach die große Sorge aus, dass mit dem Ausbau des Flugplatzes auch ein von Leitstrahlen gestütztes Instrumentenlandesystem (ILS) eingeführt werden könnte.

Denn dieses ermögliche dann auch nächtliche Flüge und Schlechtwetterlandungen. Weitere Sorgen: Ausweitung der Betriebszeiten und Einsatz größerer Flieger. Für die RBgT forderte Görlich Flugrouten abseits von Rödermark und: „Kein Ausbau des Flugplatzes“. Ob das ILS komme, musste Simon Bock-Janning offen lassen. Das werde noch geprüft. Auch die Frage, wo der Flugplatz in zehn Jahren wirtschaftlich stehe, konnte er nicht beantworten. Das müsse man NetJets fragen. Höhnisches Gelächter löste Bock-Jannings Rechenexempel aus, dass Rödermark täglich im Schnitt 1,8 Jets überfliegen. Auf den Punkt brachte Manfred Rädlein (Freie Wähler) die Ängste vieler. „Wenn ich mein Haus für meine Altersversorgung verkaufen möchte, ist es ein Drittel weniger wert. Sie stehlen mir Geld aus meiner Tasche und füllen sich die eigene.“ Das zweite große Ärgernis sei der Lärm. Rädlein kündigte aufgeregt einen „Kampf bis zur letzten Minute“ an. Ein anderer Teilnehmer rief zu „unkonventionellen Maßnahmen“ auf. Er meinte damit Luftballon-Aktionen in der Einflugschneise.

Quelle: op-online.de

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