„Er machte aus Noten Musik“

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„Er machte aus Noten Musik“ - MV 06 Urberach verabschiedete Riccardo Sahiti, den Dirigenten seines Nachwuchses.

Urberach ‐ Ungewollt, aber deutlich stand das Weihnachtskonzert des Musikvereins 06 Urberach und seinen  drei Orchestern im Zeichen ihrer Dirigenten. In der Halle Urberach sorgte die Jüngste unter den Dreien, Melanie Pranieß, für die Konstanz: Mit ihren rund 20 Schützlingen zeigte sie eindrucksvoll den Leistungsstand der Gruppe. Von Christine Ziesecke

Seit Januar 2007 leitet sie das Juniororchester, die erste Orchesterstufe des MV 06, und baut die Jugendlichen systematisch auf; mit Titeln wie „Ghost Riders in the Sky“ oder „Trumpet Voluntary“ konnten sie zeigen, wie viel Spaß ihnen Musizieren im Orchester macht.

Umbruch im Nachwusbereich im kommenden Jahr

Das allerdings bringt auch die Bewegung in die Dirigentengeschichte der „06er“: Da es im kommenden Jahr durch mehrere Wechsel ins nächsthöhere Orchester zu einem großen Umbruch im Nachwuchsbereich kommen wird, trennt sich der Verein von Riccardo M. Sahiti, dem weithin bekannten ausdrucksstarken Dirigenten des Jugendorchesters, und sucht einen Nachfolger, der eher bodenständige Erfahrung in der Arbeit mit dem musikalischen Nachwuchs hat, statt die Musik als Kunst zu vermitteln wie Sahiti.

Nach einem letzten spektakulären Auftritt an der Spitze „seines“ Jugendorchesters mit Musik aus Carmina Burana, dem Stanekschen „Amen“, „Auf einem persischen Markt“ und mit der Ouvertüre zu „New York, New York“ waren Musiker, Zuhörer und der seit über zehn Jahren in Frankfurt lebende Belgrader Dirigent gleichermaßen bewegt.

Seit dem Sommer 2004 leitet Sahiti, Vorsitzender und musikalischer Leiter des Philharmonischen Vereins in Frankfurt, das Urberacher Orchester und wurde schon bei seinem ersten Konzert durch seine liebenswerte Lebhaftigkeit und musikalische Ausdrucksstärke rasch zum Liebling der Gäste.

Musik leben lassen, Spaß und Freude daran haben

Er dirigierte nicht nur, was in den Noten stand, sondern er machte Musik daraus“ - mit diesem wohl größten Lob, das man seinem Dirigenten zollen kann, bedankte sich Michael Gurnik im Namen des Jugendorchesters, und erinnerte an musikalische Sternstunden wie etwa die Aufführung von Ravels „Bolero“: „Viele von uns Musikern leben und schwärmen heute noch von diesem Stück.“ Auf den Punkt brachte Gurnik aber auch das liebenswerte kreative Chaos des Dirigenten: „Wir wissen nie unbedingt, was in einem Konzert passiert: Manches Stück haben wir selber noch nie so gespielt, wie Sie es heute gehört haben!

Musik leben lassen, Spaß und Freude daran haben - das Orchester hat es sichtlich genossen und davon profitiert, was sich in echter Wehmut nach dem letzten „One Moment in Time“ und in eindrucksvollen Abschiedsgeschenken an Sahiti zeigte. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus.

Weihnachtskonzert wurde zum eindrucksvollen Klangerlebnis

Das Weihnachtskonzert wurde jedoch noch unter seiner Leitung zum eindrucksvollen Klangerlebnis; zwei Sätze Dvorák-Symphonie „Aus der Neuen Welt“, die drei bekanntesten Melodien aus dem Musical „König der Löwen“, und zuletzt ein ganz stilles und einfühlsam gespieltes Potpourri der bekanntesten Weihnachtslieder beendete ein ungewöhnliches Konzert, das es in dieser Besetzung leider nicht mehr geben wird.

Quelle: op-online.de

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