„Man darf nicht nur Rabatz machen“

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Ingo Heiß (rechts) hat die Gründung der Freien Wähler (FW) in Rödermark angestoßen. Kreisvorsitzender Rudolf Schulz will Starthilfe leisten, damit der letzte weiße Fleck auf der FW-Kreiskarte verschwindet.

Ober-Roden ‐ „Allein die Tatsache, dass wir hier sitzen, macht die Parteien nervös!“ Rudolf Schulz schlägt im Nebenzimmer des „Löwen“ vor knapp 20 Zuhörern selbstbewusste Töne an.  Von Michael Löw

Schulz ist Kreisvorsitzender der Freien Wähler und will den etablierten politischen Kräften „ein bisschen das Fürchten lehren“. Die Freien Wähler wollen noch vor dem Sommer eine Rödermärker Ortsgruppe gründen und peilen bei der Kommunalwahl in gut einem Jahr zwischen fünf und acht Prozent an - genug, um als fünfte Gruppierung ins Parlament einzuziehen.

Das Wort Partei vermeidet Schulz ebenso wie Ingo Heiß, der den Aufbau in Rödermark koordiniert. Die Freien Wähler verstehen sich als Verein, der sich um lokale Themen kümmert. Genau das vermisst Heiß, der seit 1972 in Ober-Roden wohnt, in der Kommunalpolitik: „Man wird hier vertröstet, verschaukelt und abgespeist. Und Bürgermeister Kern erzählt nur heiße Luft“.

Unzufriedenheit mit „denen da oben“ ist‘s, die die meisten an diesem Abend in den „Löwen“ geführt hat. „Rödermark verdreckt und versumpft, die Rabatten bei uns im Breidert sind eine einzige Müllkippe“, schimpft Jürgen Günther und mahnt einmal mehr die seit Jahren versprochene Sanierung der Forststraße an. Gleichzeitig befürchtet er, „dass einige wenige Anwohner für die Erschließung des ganzen Stadtteils bezahlen“. Und eine Frau ergänzt: „Da fahren am Tag 100 Busse durch!“

Bürgerliche Ärgernisse kamen zur Sprache

Viel stärker belästigt Bürger aller Stadtteile der Krach, den Flugzeuge auf ihrem Weg nach Egelsbach machen. Jutta Neumann aus Urberach hat den Eindruck, die Maschinen wollen über ihrem Garten eine Last abwerfen. Manfred Wendt (Ober-Roden) hat schon mehrfach beklagt, dass auch Düsenjets die Mindesthöhe von 300 Metern nicht einhalten. Auf seine Briefe an Bürgermeister Kern und den Flughafenbetreiber Netjet habe er „nur dumme Antworten bekommen“.

Interesse an einer Mitarbeit bei den Freien Wählern äußerten auch Annemarie Eck, Professor Ragnar Klau und Karl-Heinz Wolf von der Bürgerinitiative „Hauptstraße Waldacker“. Wolfs wichtigstes Ziel: verhindern, dass die Anwohner der Ortsdurchfahrt deren Umbau über eine Straßenbeitragssatzung bezahlen.

Fluglärm, Ortsbild, Straßenplanung, Verkehr - so ziemlich alle Aspekte bürgerlichen Ärgerns kamen mit sehr deutlichen Worten zur Sprache.

Das nächste Treffen findet am 24. März in Urberach statt. Ort und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben. Informationen gibt‘s bei Ingo Heiß unter Tel.: 06074 96181.

Ebenso deutlich fiel auch die Mahnung des Kreisvorsitzenden aus: „Man darf nicht nur Rabatz machen, sondern muss auch Verantwortung übernehmen.“ Rudolf Schulz, der, Mitglied des Stadtparlaments in Obertshausen, ist der festen Überzeugung, dass die Freien Wähler mehr als ein Sammelbecken von Unzufriedenen sind. Politik mitgestalten heißt für ihn, sinnvollen Anträgen anderer Parteien zuzustimmen und notfalls auch Bündnisse einzugehen.

Quelle: op-online.de

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