Amtsgericht verhandelt über häusliche Gewalt

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Ober-Roden/Langen - Gewalt gegen seine Lebensgefährtin wirft die Staatsanwaltschaft einem 52-Jährigen aus Ober-Roden vor. Dem Mann wird vorm Amtsgericht Langen der Prozess gemacht.

Häusliche Gewalt gibt es auch im beschaulichen Ober-Roden. Am 28. August 2015 soll hier ein 52-jähriger ehemaliger Gastronom seiner Lebensgefährtin (40) bei einem Streit die Faust aufs Auge geschlagen haben. Die Hausfrau und Mutter des gemeinsamen fünfjährigen Sohnes erlitt ein Unterlid-Hämatom, ihre erhöhte Blutungsneigung war dem mutmaßlichen Schläger bekannt. Die Frau wurde mit dem Rettungswagen ins Sana-Klinikum nach Offenbach gebracht, die Sanitäter verständigten die Polizei. Gäbe es dieses übliche Prozedere bei Gewalteinwirkungen nicht, so wäre der Fall wohl nie auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft Darmstadt und des Amtsgerichtsdirektors Volker Horn gelandet.

Der Versuch des Richters, die Sachlage zum Prozessauftakt schnell aufzuklären, gestaltet sich jedoch nahezu unmöglich. Der Angeklagte schweigt, die Lebensgefährtin behauptet, mit dem Beschuldigten verlobt zu sein, und die erwachsene Tochter des Opfers erscheint einfach nicht vor Gericht. Verteidiger Robert Remspecher legt für die junge Frau ein Entschuldigungsschreiben vor: Sie habe ihren ersten Arbeitstag beim neuen Brötchengeber und könne dort nicht gleich frei nehmen. Doch von der Pflicht, vor der Justiz als Zeugin erscheinen zu müssen, entbindet dieser Umstand selbstverständlich nicht. Das Gericht verhängte ein Ordnungsgeld von 150 Euro oder ersatzweise drei Tage Haft. Bei der Vernehmung der 40-jährigen Lebensgefährtin mithilfe einer Dolmetscherin kommt man ebenfalls nicht auf die Gewalttat zu sprechen. Denn die Hauptzeugin erklärt, mit dem Gastronom seit einem Jahr verlobt zu sein - was dieser auf die Frage nach seinem Familienstand aber verschwiegen hatte. Im Zeugenstand macht dies aber einen großen Unterschied aus, denn im Fall der Verlobung existiert ein Verwandtschaftsgrad und mit ihm das Aussageverweigerungsrecht.

Seit 2009 lebt das Paar in Ober-Roden zusammen - genauso lange lebt der Angeklagte von seiner Ehefrau getrennt, mit der er zwei erwachsene Kinder hat. Dieser Teil der Familie wohnt seitdem in Dietzenbach, wo der Familienvater immer noch unerlaubterweise amtlich gemeldet ist.

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Aber weder Horn noch Staatsanwalt Knut Happel lassen sich von den verworrenen Lebensverhältnissen nicht so leicht abspeisen. Der Richter: „Erzählen sie doch mal, wie sich das mit der Verlobung abgespielt hat. Gab es eine große Feier? Wann wollen Sie heiraten?“ Die Feier scheint nicht statt gefunden zu haben; nein, die Zeugin kann sich nicht mal an das Datum erinnern. Auch das Scheidungsprozedere mit der Ex-Frau scheint alles andere als in trockenen Tüchern. „Warum dauert das denn alles so lange?“ will Happel wissen. „Das weiß ich nicht.“ ist die wenig hilfreiche Antwort. Der Richter stellt die Vernehmung zurück und legt für den 23. Januar einen Folgetermin fest. Dann soll zuerst die Tochter der 40-Jährigen aussagen, danach wird über die Anerkennung der Verlobung entschieden. Und vielleicht ringt sich der Angeklagte ja auch noch durch, etwas zur Klärung beizutragen. (gel)

Quelle: op-online.de

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