Online-Handel

Weltweite Plattenbörse

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Schallplatten sind längst nicht alles, was Marcus Gabler verkauft. Auch IKEA-Produkte gehören zum Sortiment.

Ober-Roden - Marcus Gabler ist nicht nur vielen Rödermärkern als Begründer und Sänger der deutschen Popband „Okay“ bekannt. Von Christine Ziesecke

Denn mit seiner Firma „Total Recall“ stieg er zu einem der weltweit größten Second-Hand-Musikhändler mit zeitweise bis zu 750 000 Artikeln von Schallplatte über CD bis zu Spielen auf. Im Zeitalter von YouTube und MP3 beschränkt sich das zunehmend auf Liebhaber – deshalb brauchte es eine neue Idee: den Online-Handel überwiegend mit IKEA-Produkten.  Künstler oder Lebenskünstler? Tausendsassa, Spinner oder Glückspilz? „Ich kam eigentlich immer per Zufall zu den nächsten Geschäftsideen“, korrigiert der 45-Jährige selbst. Als seine Bandkarriere in den frühen 90er Jahren auslief, fragte ihn ein Bekannter, ob er nicht DJ auf seiner Hochzeit sein könne – ein Job, der damals noch nicht so populär wie heute war. 500 Mark gab’s dafür. Er nahm an und suchte nach Musik dafür.

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Alle Gäste brachten damals noch ihre CD-Sammlungen mit, doch mit der sich ausweitenden Karriere als DJ suchte Marcus Gabler händeringend nach Musikmaterial. Er ging auf Flohmärkte, tauschte, zerlegte ganze Alben und Sammlungen und verkaufte das, was er nicht brauchte, einzeln weiter. Spätestens 1993 merkte er, dass er damit nicht nur Geld verdienen, sondern auch vielen Menschen eine Freude machen konnte. Glücksfall: Der ideenreiche Unternehmer besaß im Ober-Röder Industriepark ein Büro, das er zum Lager umrüstete, konnte kurz danach auch noch 320 Quadratmeter Halle darunter dazukaufen und hatte nun Platz, sich mit seinem Online-Handel auszuweiten.

Online-Handel mit IKEA-Produkten

Ankauf-Angebot-Verkauf – in der Blütezeit von „Total Recall“ im Jahr 2006 hatte er 17 Leute beschäftigt, die Online-Bestellungen sichteten, im Hochteillager teilweise mit Gabelstaplern die Bestellungen zusammensuchten und vor allem Päckchen packten: ungeheure Mengen von Päckchen packten. Der Handel weitete sich - online macht’s möglich - weltweit aus. Die Firma kaufte an, holte ab, verkaufte neue und gebrauchte Ware. Alles Formale lief übers Internet. Bis allmählich nur noch Sammler zu Schallplatte oder CD griffen und alle anderen Musikhörer ihre Bedürfnisse anderweitig bedienten, sich Musik direkt aus dem Netz herunter luden und über MP3-Geräte kopiert wurde.

Der Absatz stagnierte bei „Total Recall“, wurde dann rückläufig. Immer mehr Mitarbeiter mussten entlassen werden. „Vor drei bis vier Jahren war es wirklich grenzwertig, bis ich mir sagte: nächstes Jahr müssen neue Produkte her“, erinnerte sich der Firmenchef. Auch wieder per Zufall stieß er auf den Einrichter IKEA, der zwar riesige Umsätze, aber Vieles seiner Produktpalette nicht im Onlinehandel hat. Da hilft nun Marcus Gabler ganz offiziell und mit Wissen der Firma nach. Er kauft Sonderangebote und gerade günstige Tagesangebote preiswert auf, ganz regulär in den Märkten, und vertreibt sie online weiter.

Eigenes Label „Mille-Plateaux“

Wer ein Ersatzteil für seine Badezimmerausstattung sucht wie etwa die Seifenschale, die nicht mehr im neuen Katalog aufgelistet ist, weil sie aus dem Programm genommen wird, findet sie auf seiner Suche online bei Marcus Gabler und kann sie - oft teurer, aber immerhin lieferbar - bei ihm kaufen. „Ich muss einfach versuchen Trends zu finden. Was geht, was wird bald ausverkauft sein?“ - wie etwa der Küchenrollen-Halter, mit dem er einen florierenden Handel betreibt, oder sein Spezialgebiet Leuchtmittel und Lampen. Dabei entdeckte der Geschäftsmann, dass sie in Fernost nicht anzuschließen sind und die meisten Menschen beim Einkauf den Adapter vergessen mitzukaufen. Seither floriert der Handel mit den winzig kleinen schwarzen Adaptern, ein Cent-Artikel, der online wie warme Semmeln geht.

Seit dem aufblühenden neuen Geschäftszweig neben „Total Recall“ hat Marcus Gabler wieder vier neue Mitarbeiter eingestellt. Die versandfertigen Pakete vor seiner Halle stapeln sich. Der Standort Rödermark ist ihm gerade recht. Sein Handel läuft von überall aus, und hier hat er eigene Räumlichkeiten und vier IKEA-Märkte ganz nah – wenn das kein Standort-Plus ist. Ganz nebenbei betreibt der Tausendsassa aber seit 2008 noch ein eigenes Label, einen eigenen Musikverlag: „Mille-Plateaux“ – hier gibt’s experimentelle elektronische Musik, „richtig abgefahren“.

Quelle: op-online.de

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