Am Marktplatz überwiegt Skepsis

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Fahrradhändler Michael Gotta (links) war einer von vielen Ober-Rödern, die aus ihren Sorgen wegen der Bauarbeiten keinen Hehl machten.

Ober-Roden ‐ Ein rauer Wind wehte Bauleiter Jens Maier, seinem Polier Jan Szramik, Thomas Trageser vom Bau- und Klaus-Dieter Preuß vom Ordnungsamt ins Gesicht, als sie die Umbaupläne für Markt- und Kirchplatz, das Stück Frankfurter Straße zwischen den Plätzen sowie Teilen von Schul- und Heitkämperstraße vorstellten. Von Michael Löw

Bei den Anliegern - egal, ob Geschäftsleute, Hausbesitzer oder Mieter - überwog die Skepsis. Stimmen wie „Wir sollten doch froh sein, dass hier endlich mal was passiert!“ blieben die Ausnahme.  Die Bauarbeiten, die unter dem Schlagwort „Ortskernsanierung“ schon seit Jahren diskutiert werden, sollen am Montag beginnen. Erste Halteverbots-Schilder künden schon davon. Die Fahrbahn der Dieburger Straße soll auf fünf Meter Breite verengt und gepflastert werden. Auf beiden Seiten trennt eine farblich abgesetzte Rinne die Straße vom Bürgersteig, Bordsteine gibt‘s nicht mehr. Autos, Busse, Fahrräder und Fußgänger sollen sich künftig gleichrangig begegnen. Die beiden Plätze erhalten ebenfalls ein Pflaster und sollen offener werden.

Politiker und Gewerbeverein versprechen sich davon eine Aufwertung von Ober-Rodens Mitte, die Einzelnhändlern und ihren Kunden genauso zu gute kommt wie Anwohnern und Kerbbesuchern. Am 24. Juni, zum Markttag, sollen die Arbeiten erledigt sein.

Zweifel am Tempo der Bauarbeiten

Ihr arbeitet doch eh immer nur mit zwei, drei Mann“, zweifelte ein Rentner das Tempo von Bauarbeiten im öffentlichen Auftrag von vornherein an. Da konnten Maier und Szramik die langen Erfahrungen ihres Unternehmens in Großstädten noch so oft betonen.

Fahrradhändler Michael Gotta sorgt sich um die Erreichbarkeit seines Geschäfts gegenüber der Kirche: Kommen die Lastwagen seiner Lieferanten notfalls auch über die aufgerissene Haupt- in die Heitkämperstraße, lautete die bange Frage. „Ich kann doch meinen Laden nicht vier Wochen zumachen!“ Maier versprach, dass die Zufahrt zu den Grundstücken während der gesamten Bauzeit möglich sei - wenn auch unter erschwerten Umständen.

Hier geht‘s um Existenzen“, pflichtete Bäckermeister Heinz Köhler bei. Sein alt eingesessener Familienbetrieb, der nach Auskunft seiner Frau täglich rund 300 Kunden bedient, mache ihm da weniger Sorgen. Er befürchtet jedoch, dass so manches erst vor kurzem eröffnetes Geschäft vier Monate Bauarbeiten nicht überlebt.

Auf harsche Kritik stieß das Halteverbot an der Frankfurter Straße. Die Stadt habe aber keine andere Wahl gehabt, argumentierte Bauamtsmann Trageser. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst hätten‘s verlangt.

Debatte um Parkplätze, Kontrollen und Knöllchen

Hans-Peter Schmücker, Marktbereichsleiter der mitten in der Baustelle liegenden Sparkasse Dieburg, regte an, die Parkscheiben-Regelung vorläufig aufzuheben. Sein Vorschlag eröffnete die fast unvermeidliche Debatte um Parkplätze, Kontrollen und „Knöllchen“ im Zentrum. Gewerbevereinsvorsitzender Manfred Rädlein forderte einmal mehr, dass die Ordnungspolizisten öfter mal ein Auge zudrücken statt sofort Strafzettel auszustellen.

Die Geschäftsleute wollen ihre Mitarbeiter bitten, außerhalb des Ortskerns zu parken, damit Kunden Platz für ihre Autos finden. Zwei Vorschläge könnten den Druck verringern. Warum erlaubt die Stadt nicht freies Parken unter der Kulturhalle, schlug eine Frau vor. Und Stephan Brockmann, der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes, brachte eine provisorische Öffnung des freien Grundstücks hinter dem „Zehnthof“ ins Gespräch.

Während der knapp 40-minütigen Informationsveranstaltung wurden aber auch zahlreiche grundsätzliche Bedenken gegen die Ortskernsanierung deutlich. „Es gab eigentlich hier am Marktplatz keinen Befürworter, der ein Pflaster rausreißen und ein anderes einbauen will“, sagte Heinz Köhler. Der Bäcker gehörte zu den schärfsten Kritikern dieses Nachmittags: Mitten in Ober-Roden werde mit Geld aus dem Konjunkturprogramm ein Projekt durchgezogen, das Geschäftsleute zum Aufgeben zwingen könne. Das könne doch nicht im Sinn der Geldgeber in Berlin und Wiesbaden sein, die den rund 800.000 Euro teuren Umbau finanzieren.

Quelle: op-online.de

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