Kommentar: Schwache sind das Sparopfer

Rödermark - 110.000 Euro mehr für den Umbau des Ober-Röder Marktplatzes - allenfalls leises Grummeln im Parlament. Bis zu 150.000 Euro für die wer-weiß-wievielte Verkehrsexpertise in Ober-Roden - mit großer Mehrheit bewilligt.

Etliche hunderttausend Euro Subventionen beim Verkauf des Bahnhofs Ober-Roden - von CDU, AL und SPD als städtebauliches Muss abgenickt, von der FDP nur deshalb kritisiert, weil die Hilfe dem „falschen“ Investor zu Gute kommt: Rödermark hat‘s ja.

Wer die Stadtverordnetensitzung am Dienstagabend verfolgte, glaubte sich in einer Kommune mit dickem Bankkonto. Von knapp elf Millionen Euro Miesen war da wenig zu spüren. Vorzeigeprojekte wurden durchgewunken; die Stadt spart lieber bei denen, die eh nichts haben: Seit zwei Jahren steht eine Entscheidung über billigeres Mittagessen in den Kindergärten aus. Die Begründungen sind ebenso kaltherzig wie hahnebüchen. 110 Kindern zahlt das Sozialamt die Beiträge. 64 Familien leben von Hartz IV, denen gestehen die Behörden in der Regel nur ein Halbtagsplatz zu.

Also hat sich in ihren Augen die Frage nach einem Essenszuschuss und einer vernünftigen Betreuung nach 12 Uhr erübrigt. 46 Kindern von allein Erziehenden und Geringverdienern zahlt der Kreis einen Zwei-Drittel- oder Ganztagsplatz, doch nicht einmal einer Handvoll zahlt sie das Mittagessen. Und das auch nur, weil die Stadt ihnen sonst das Tellerchen weggezogen hätte. Eine Stadt, die so konsequent ihre Außenstände einfordert, kann sich auch locker hübsch gepflasterte Plätze und aufwändige Gutachten leisten. Die soziale Verantwortung bleibt auf der Strecke. MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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