Mehrheit favorisiert Steuerbüro

Ober-Roden - (lö) CDU, SPD und der größere Teil der AL-Fraktion wollen den Bahnhof Ober-Roden an die Steuerberatungsgesellschaft Con Trust verkaufen. Die FDP und eine kleinere Gruppe der Grünen favorisieren ein Fitness-Studio der Firma Killer-Sports des Prinzen Michael von Anhalt.

Die Zukunft des maroden, aber städtebaulich interessanten Bahnhofs ist eines der wichtigsten Themen der heutigen Stadtverordnetensitzung (19.30 Uhr, Halle Urberach).

Das Parlament diskutiert über eine Vorlage, die den Magistrat mit weitergehenden Verhandlungen mit der in Ober-Roden ansässigen Steuerberatungsgesellschaft beauftragt. Con Trust will den Bahnhof, für den die Stadt ursprünglich 250.000 Euro haben wollte, und einige Parkplätze für rund 18.000 Euro erwerben und den Firmensitz vom Industriegebiet in die Ortsmitte verlegen. Geplant ist außerdem eine zweigeteilte Gastronomie: Der Wirt soll Pendler, die einen schnellen Kaffee wollen, ebenso bedienen wie die Kunden eines gehobenen Restaurants.

CDU, AL und SPD halten das Projekt für entscheidungsreif. Die FDP fordert dagegen eine Verschiebung: Ihr Fraktionsvorsitzender Hans Gensert möchte vor vertiefenden Gesprächen wissen, was die Gestaltung des Vorplatzes kostet und ob Killer-Sports tatsächlich 50 Parkplätze benötigt, wie von Anhalt im Bauausschuss erklärte. Laut Stellplatzsatzung, so Gensert, brauche er deutlich weniger. Das mache sein Kaufangebot für die Stadt lukrativer. Bisher würde sie 30 000 Euro drauflegen.

Ist Fitness-Studio ein Anker-Geschäft?

Die drei anderen Fraktionen loben das Con Trust-Konzept als „solider“ und „durchdachter“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer störte sich am Auftritt des „adligen Investors“ im Ausschuss: „Er versprach nahezu reflexartig alles zu machen, was die Stadt von ihm verlange.“ Details sei er allerdings schuldig geblieben. Seine Prognose, dass ein Fitness-Club Publikum und Kaufkraft in Ober-Rodens Mitte locke, entbehre einer belastbaren Grundlage, seine Überlegungen zur Gastronomie seien „eine Ansammlung leerer Behauptungen“.

Scharf kritisiert hat Lauer die „Doppelfunktion“ des FDP-Stadtverordneten Manfred Rädlein. Seiner Ansicht nach ist es „unerträglich“, wenn Rädlein „das politische Mandat und sein Amt als Gewerbevereinsvorsitzender für machtpolitische Zwecke“ nutze.

Nach einem einstimmigen Vorstandsbeschluss des Gewerbevereins hatte Rädlein (wir berichteten) massiv für Killer-Sports und Michael Prinz von Anhalt Partei ergriffen und dies gestern in einer Stellungnahme bekräftigt: Das Fitness-Studio mit selbst betriebenem Restaurant sei ein „Anker-Geschäft“, das Ober-Roden so dringend benötige. Dazu kämen Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Außerdem verspricht sich der Gewerbeverein von Promi-Prinz Michael und seinem Glamour Werbung für ganz Rödermark.

Der Gewerbevereinsvorsitzende weist auch Gerüchte über Prinz Michael zurück, die in Ober-Roden die Runde machen würden: Er habe weder familiär noch gesellschaftlich oder geschäftlich mit seinem Adoptivbruder Prinz Marcus von Anhalt zu tun. Vielmehr engagiere er sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio/Rainer Sturm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare