Meisterwerke der Wiederverwertung aus Rödermark

Coletta Knapek ist ein Ideen-Quell

Coletta Knapek an ihrem besten Stück: einer 60 Jahre alten Nähmaschine.
+
Coletta Knapek an ihrem besten Stück: einer 60 Jahre alten Nähmaschine.

Schon im Flur des Mehrfamilienhauses an der Görlitzer Straße steht eine Nähmaschine. Im Esszimmer dann die nächste: Deutliche Hinweise darauf, dass hier eine Frau wohnt, die sich für Handarbeiten begeistert. Aber Coletta Knapek stellt ganz wunderbare Decken, gestickte Bilder und Vieles mehr mit den eigenen Händen nicht nur einfach her. Vielmehr hat sie ein großes Talent dafür, aus Reststücken Neues zu schaffen.

Urberach - In Schulen ist es gerade angesagt, aus übrigen Alltagsdingen neue Gebrauchsgegenstände zu produzieren, weil das der Nachhaltigkeit und Umwelt dient. „Upcycling“ heißt das dann in Neudeutsch so schön modern. Coletta Knapek macht das schon seit 60 Jahren.

„Ich kann nix wegwerfen“, erzählt die 82-Jährige schmunzelnd. „Aus nix mache ich die schönsten Sachen.“ So kommt’s, dass aus alten Gardinen wiederverwendbare Säckchen für den Gemüseeinkauf im Supermarkt entstehen. Oder aus nicht mehr gebrauchten Halbschürzen die schneeweiße Berufskleidung für die Mitarbeiterin in einem Pflegeheim. Ein Meisterwerk der Umgestaltung und Wiederverwertung besteht aus Hunderten zur Fastnacht abgeschnittener Krawatten: eine prachtvolle Patchwork-Decke, die in jedem Designer-Shop auf der Frankfurter Zeil Bewunderer fände.

Putzige Clowns als Mutmacher für Kranke.

„Ich kann nix wegwerfen“

Der gebürtigen Urberacherin ist diese Begabung, Kreativität und Begeisterung fürs Handarbeiten in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater Jakob Hoch war im Ort ein angesehner Schneider. Obwohl das Töchterchen beruflich bei T+N zunächst andere Wege ging, blieb das künstlerische Talent nicht unter der Decke. „Gleich nach meiner Heirat habe ich mir die erste Nähmaschine gekauft.“

Bossel-Arbeit war die junge Mutter damals vom Beruf gewöhnt. Sie lötete feine Kabel auf Platinen. Tüfteln und knifflige Aufgaben lösen - das machte ihr aber auch als Hobby beim Schneidern Spaß. Das geschah zunächst aus praktischen Gründen. Schließlich hatten die Kinder Christina und Werner einen hohen Verschleiß an Kleidern und Hosen.

Handarbeitskunst aus Rödermark

Immer mehr kam bei der Frau mit den vielen Talenten später aber der Wunsch nach phantasievollem Gestalten durch. „Wann immer es einen neuen Handarbeitstrend gab, hab’ ich ihn ausprobiert“, erinnert sich die Coletta Knapek an Ikebana, Bauernmalerei, Stickkunst, Patchwork & Co. In der Volkshochschule war die begeisterte Handarbeiterin ein Dauergast. Mit den Jahren reichte aber selbst das nicht mehr. Also leitete die Stoffkünstlerin 36 Jahre lang den Basar der katholischen Frauen Urberach und den dazugehörigen Bastelkreis. „Das war mein Lebensinhalt“, schwärmt sie noch heute. Tausende D-Mark kamen beim Basar mit Gebasteltem als Spende für gute Zwecke zusammen. Der Mainzer Bischof Karl Lehmann würdigte dieses ehrenamtliche Engagement 1998 mit der bronzenen Ehrenplakette des Bistums Mainz und einer Ehrenurkunde. Da sich Coletta Knapeks Faible schnell herumsprach im Örtchen, baten mit der Zeit viele Nachbarn, Freunde und die Familie um Hilfe und gute Einfälle, wenn es ums Kreative oder Reparieren ging. Das ist auch heute noch so. Jeder weiß: Die geschickte Hobbyschneiderin ist ein nimmer versiegender Quell an guten Ideen. Aktuell stellt sie aus Resten lustige Clowns her, die kranke Kinder in Kliniken erfreuen. Gerade in Coronazeiten sind solche kleinen Aufmerksamkeiten wichtig. Und sie zeigen: Coletta Knapek hat nicht nur ein unglaubliches Talent fürs Handwerk, sondern sie hat auch ein gutes Herz. (Von Bernhard Pelka)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare