„Verkehrsknoten“ in Messenhausen

Rennpiste unter Flutlicht

+
Die Ecke am Kapellchen ist nach Ansicht von Nachbarn eine Rennstrecke - nicht nur abends. Die Langzeitbelichtung macht den Verkehrsfluss deutlich.

Messenhausen - Messenhäuser schimpfen über „Verkehrsknoten“ am Kapellchen. Schnelle Pkw nerven Nachbarn, schwere Lkw an der Haltestelle des Schulbusses machen vielen Eltern Sorgen. Von Michael Löw

Am Ortseingang von Rödermarks kleinstem Stadtteil hat sich großer Ärger aufgestaut. Die Kapellenstraße ist eine Rennstrecke, klagt eine ältere Frau. Jörg Wichmann kritisiert, dass die Schulbus-Haltestelle quasi mitten im Lkw-Verkehr Richtung Urberacher Industriegebiet liegt.

Die abendliche Begehung des Vereins „Bürger für Sicherheit“ diente den Messenhäusern als Ventil ihres Ärgers. Eigentlich wollten die Vorstandsmitglieder Wolfgang Schaefer und Horst Hyland, Erster Stadtrat Jörg Rotter, Vertreter von Ordnungs- und Bauamt und Klaus-Peter Hofmann, der neue Leiter der Polizeistation Dietzenbach, mit den Bürgern nach zugewucherten Lampen, überhängenden Büschen oder verblassten Straßenschildern suchen. Doch die Verkehrsproblematik rückte das alles in den Hintergrund.

„Dass auch schwere Lastwagen ums Kapellchen rumfahren dürfen, kann hier niemand verstehen“, sagte Jörg Wichmann. Morgens, wenn die Kinder in der Kurve auf den Schulbus warteten, kommt es seinen Angaben zufolge immer wieder zu gefährlichen Begegnungen.

Messenhäuser plädieren für Tempo 30

Die Kapellenstraße ist für viele Lkw-Fahrer der einfachste Weg ins Industriegebiet Urberach. Sie sparen sich so die Ampeln auf dem Rödermarkring und an der Hallenbad-Kreuzung. Urberacher, die ihren Grünschnitt auf umgekehrten Weg zur Kompostierungsanlage bringen, verschärfen nach Ansicht der Messenhäuser die Situation ebenso wie die Bewohner des Baugebiets „An den Rennwiesen“.

Was könnte Abhilfe schaffen? Kurzfristig plädieren viele Messenhäuser für Tempo 30 schon lange vor dem Ortsschild. Auf Dauer könne nur eine Querspange direkt hinter der Kompostierungsanlage ins Industriegebiet mehr Sicherheit bringen. Dann nämlich lägen das Kapellchen, die Bushaltestelle und die sieben Reihenhäuser an der Messenhäuser Straße in einem geschützten Gebiet.

Aus diesen Reihenhäusern kam der lauteste Protest des Abends. Mit 140 Sachen bretterten Autos an seinem Fenster vorbei, polterte ein Mann mit großem Vertrauen in die Beschleunigung von BMW, Audi & Co. Die Messungen des Ordnungsamtes, wonach es dort nur gelegentliche Tempo-Ausreißer gebe, können er und seine Nachbarn nicht glauben.

Die lustigsten Schilder der Welt

Die lustigsten Schilder der Welt

Im Ort waren schmale beziehungsweise fehlende Bürgersteige und die Parkmoral die beherrschenden Themen. Wobei sich die Messenhäuser durchaus auch an die eigene Nase griffen: „Die Leute haben in ihren Garagen allen möglichen Schrott und stellen die Autos dann vors Haus“, nannte Oskar Berneburg eine Ursache des Problems. Anderswo - an der Einmündung des Eichenwegs in die Urberacher Straße - ist"s der Grundstückszuschnitt, der keine klare Trennung zwischen öffentlichen und privaten Flächen zulässt.

Wie schwer es Fußgänger zuweilen haben, zeigt die alte Dame, die am oberen Ende des Eichenwegs wohnt und den Rollator braucht: Ihr Schwiegersohn hat sie zum Umweg über den Steinweg vergattert, weil der Bürgersteig nur dort breit genug ist. Während Stadtrat Rotter und seine Kollegen aus der Verwaltung mit Kritik, Anregungen und Fragen bombardiert wurden, hatte Polizist Hofmann einen ziemlich ruhigen Abend. Wohnungsein- und Autoaufbrüche scheinen in Messenhausen kein Thema zu sein.

Quelle: op-online.de

Kommentare