Messerschleifer Günter Leidinger wetzt alte Scharten aus

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Die Messerschleiferei ist ein altes Handwerk, Günter Leidinger gehört zu den letzten reisenden Vertretern dieser Zunft.

Urberach ‐ Messerschleifer, besonders Gewerbetreibende auf Reisen, verdienen ihr Geld in einem aussterbendes Handwerk. Der Saarländer Günter Leidinger hält die Traditions aufrecht und macht derzeit mit seiner mobilen Werkstatt in Urberach Station. Von Michael Löw

Ein Messer, das in den strengen Augen von Günter Leidinger wirklich scharf ist, muss den Tomatentest bestehen: Die Spitze nach vorn steht es im 45-Grad-Winkel auf dem Tisch, dann lässt der 71-Jährige aus 30 Zentimetern Höhe eine Tomate auf die Klinge fallen. Liegen zwei sauber zerteilte Hälften auf der Platte, ist Leidinger mit seiner Arbeit zufrieden.

Seit mehr als 20 Jahren macht Leidinger alles scharf, was stumpf, schartig und im schlimmsten Fall rostig ist: Koch-, Besteck-, Tranchier-, Lachs- und Cuttermesser, Scheren, Äxte und Rasenmäherklingen.

Ärzte haben ihm schon chirurgische Scheren gebracht, Waldarbeiter Entrinder von Baumstämmen, Schreiner ihre Stechbeitel. Passen muss Leidinger nur bei Gartenhacken. Deren Stiel passt nämlich nicht in die nur knapp eineinhalb Quadratmeter große Werkstatt. Seine Schleif- und Poliermaschinen stehen in der ehemaligen Küche des Wohnmobils.

Günter Leidingers mobile Schleiferei steht nach seinen bisherigen Reiseplanungen noch bis einschließlich Freitag auf dem Festplatz. Sie ist von 8 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

Leidinger verspricht reelle Preise für solides Handwerk. Bis zu zwölf Minuten braucht er, um einem Kochmesser wieder zu alter Schneidkraft zu verhelfen. Das kostet je nach Länge der Klinge zwischen 2 und 5,80 Euro. Für den Wellenschliff eines Besteckmessers berechnet er einen Euro. „Auch nach einem Jahr erkenne ich meinen Schliff noch“, ist Leidinger von der Qualität seiner Arbeit überzeugt.

Quelle: op-online.de

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