Okay vom Kreis

Michael Stadel ist erster Tagesvater

+
Michael Stadel hat im Garten für Tobi und Maxim ein Auto mit Lenkrad und Fernlicht gebaut. Noch lieber mögen die beiden Stadels kleinen Streichelzoo mit Hasen und Hühnern. Gärten und Tiere sind bei Tageseltern gern gesehen. Nur große Hunde sind ein K.o.-Kriterium.

Rödermark - Exot, allein unter Frauen, Ersatzmutter mit Bart, begehrte Bezugsperson, großer Teddybär: Auf Michael Stadel treffen viele Bezeichnungen und manches Klischee zu. Er sagt von sich „Ich bin eine Einzelanfertigung!“ und bringt die Sache auf den Punkt. Von Michael Löw

Der 51-Jährige ist Rödermarks erster und auf absehbare Zeit einziger Tagesvater. Ab Juli darf er in seinem Haus in der Allensteiner Straße von 8 bis 17 Uhr zwei Kinder betreuen - mit allem, was dazu gehört: spielen, wickeln, füttern, trösten..... Seine Frau Nadja Stadel-König arbeitet dort schon seit 2011 als Tagesmutter für den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Rödermark. Und genau darin sah der Kreis Offenbach, der die Pflege-Erlaubnis vergibt, zunächst ein Problem. „Wenn sich zwei Tagespflegepersonen zusammenschließen, muss gewährleistet sein, dass jeder seine eigenen Betreuungsräume hat“, erläutert DKSB-Mitarbeiterin Nadja Staiger. Also mussten die Tageseltern diverse Trennwände ziehen, bevor der Tagesvater das Okay des Kreises bekam. Kein Problem war hingegen, dass Michael Stadel bis vor wenigen Monaten beruflich mit Kindern nichts am Hut hatte. Er lernte Fernmeldetechniker und prüfte zuletzt bei Bosch in Karlsruhe Autoteile. Doch wenn er zur Tür hereinkam, spielte seine Frau bei ihren Schützlingen nur noch die zweite Geige.

Ausbildung dauerte 45 Stunden

Solche Sympathiebekundungen haben Stadel schließlich bewogen, eine Pflege-Erlaubnis zu beantragen. Die Ausbildung dauerte 45 Stunden und fand meist am Wochenende statt. Auch hier war er der einzige Mann inmitten von 16 Frauen. „Eine interessante Zeit“, schmunzelt er. Die Stadels betreuen demnächst - behördlich getrennt, letztlich aber doch gemeinsam im selben Haus - fünf Kinder unter drei Jahren. Hier sehen sie allen Mini-Kindergärten und Krabbelgruppen zum Trotz den größten Bedarf. „Flexibilität ist unser Vorteil. Wir sind von 8 bis 16 oder 17 Uhr da. Und wenn Eltern uns anrufen, dass sie später von der Arbeit kommen, ist’s auch kein Problem“, verspricht Michael Stadel. Nadja Stadel-König freut sich schon auf die Zusammenarbeit mit dem neuen „Kollegen“, weil der Manches anders angeht: „Er bremst mich aus, wenn ich zu schnell hinrenne, nur weil ein Kind gefallen ist.“ Am Weinen hört Michael Stadel, wie weh ein Sturz getan hat oder wie groß der kindliche Zorn ist, wenn die Sandburg immer wieder einstürzt.

Erfahrung hat er nämlich reichlich, denn er zog eine Tochter aus erster Ehe alleine groß. Der Kinderschutzbund jedenfalls ist froh, endlich einen Tagesvater vermitteln zu können. In der Kleinkindbetreuung sind männliche Bezugspersonen rar, bedauert Nadja Staiger. Doch gerade für Jungs sei es wichtig, sich an männlichen Vorbildern orientieren zu können. Viele Väter kommen abends spät nach Hause und haben nicht mehr viel Zeit für ihre Söhne. Und sind die erst einmal zwischen vier und elf Jahre alt, sagen ihnen im Kindergarten oder in der Grundschule ohnehin fast nur noch Frauen, wo’s lang geht.

Wer wie Michael Stadel frühpädagogische Heimarbeit leisten will, kann sich bei Nadja Staiger unter Tel 06074/68966 nach Einzelheiten erkundigen.

Quelle: op-online.de

Kommentare