Michelle auf der Fastnachtsbühne

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Da bekommt die „Prinzengarde“ noch eine ganz andere Bedeutung: Prinzessin Patricia I. ließ es sich nicht nehmen, wie in allen anderen Jahren auch, in ihrer Garde mitzutanzen.

Ober-Roden ‐ Mit Wehmut im Blick übergab das letztjährige TG-Prinzenpaar Anja I. und Thomas III. aus dem Hause Köhl am Samstag bei der ersten Fremdensitzung des neuen Jahres in der Halle der TG Ober-Roden seine Insignien an die neuen Regenten Patricia I. (Schierz) und Michael I. (Langhammer) - Beweis dafür, dass Fastnacht in Ober-Roden eine wunderbare Zeit sein muss. Von Christine Ziesecke

Auch Bürgermeister Roland Kern fiel es schwer, den von Sitzungspräsident Sascha Reisert eingeforderten Stadtschlüssel aus den Händen zu geben: „Alsfort wird an mei‘m Stuhl gesächt - jetzt kimmt ihr noch - is des recht?“ Doch er nahm‘s angesichts der beiden wohlbekannten und liebreizenden närrischen Stellvertreter gelassen: „Euch geb‘ die ganze Macht ich ab, weil ich vier Wochen Freizeit hab!“

Die Thronfolger bedankten sich mit launigen Worten und gemäß ihrem Motto „Patricia und Michael, Tanz und Garde - heut‘ wird gefeiert, Aschermittwoch kann warte“ mit einem kleinen Rucki-Zucki-Ständchen. Er spielte, sie tanzte, ehe es auch verbal herzerweichend weiterging: „Langhammer dafür nimmer Zeit, denn moi Prinzin is‘ schierz zum Tanzen bereit!“ Gemeinsam mit dem Kinderprinzenpaar Philipp I. (Zifferer) und Svenja I. (Reichert) hielten sie fortan vom Prinzentisch aus Hof.

Im zweiten Jahr seines Vorsitzes über den närrischen Elferrat führte Sitzungspräsident Sascha Reisert noch lockerer und gekonnter durch das fast sechsstündige Sitzungsprogramm, in dem sich neben gestandenen Profi-Narren wie etwa dem närrischen Hausmeister Peter Beck aus Mainz oder Fast-Profi und Pizzabäcker Ciro Visone viele junge Fastnachter präsentierten.

Die Bänkelsänger Norbert Rink (rechts), Michael Gotta (links) und Udo Kirchrath nahmen brennende Probleme unter die Lupe, so auch die Nacktscanner auf den Flughäfen.

Alicia Eyßen (16) etwa stand mit ihrem pointierten und sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Sorgen eines Teenagers mit seinen Eltern erstmalig in der Bütt - ganz im Gegensatz zu Boris Reisert, der trotz seiner Jugend ein alter Hase auf dem Fastnachtsparkett ist. Mit der Geschichte seines Auszugs von zu Hause bot er wieder einmal den glanzvollen sprachlichen Höhepunkt. Doch man weiß, woher‘s kommt: Bei den zahlreichen Ehrungen, die Sascha Reisert im Lauf des Abends mit der Überreichung der „Flamme“ aussprach, war schließlich auch Boris‘ Vater Michael Reisert dabei, ein Urgestein der Rödermärker Fastnacht und der „Erfinder“ der TG-Kindersitzung.

Altbewährt und lang erwartet: Tomas Gotta, der diesmal nicht als Tanzkallsche auflief, sondern von seinen (tatsächlichen) Erfahrungen auf dem Jakobsweg berichtete: Nirgends ist man vor Orwischern sicher!

Viel Feuer entfachten auch die Majoretten

Insgesamt kamen die Ober-Röder Nachbarn zwar nicht ungeschoren, aber glimpflich davon - gab‘s doch in der weiten Welt und in Ober-Roden selbst genügend vieles, das ein Narrenherz hüpfen lässt. So widmete sich Protokoller Sascha Reisert in geschliffenster Ausdrucksweise all jenen Themen, die anschließend von den Bänkelsängern Norbert Rink, Michael Gotta und Udo Kirchrath ebenso wie von den Sängern von „Kurz und Bündig“, dem Ensemble der Frohsinn-Chöre, musikalisch auf den Punkt gebracht wurden. Neben dem nur am Rande gestreiften Kreisel bot die Rodau-Renaturierung ein willkommenes und prächtig aufzubereitendes Objekt für wohlgemeinte Heiterkeit.

Der ganz besondere Ehrengast, der sogar bei der Minigarde kurz mittanzte: Michelle Schneider (vorne Mitte), deren gesundheitliches Schicksal seit vielen Monaten den Verein und darüber hinaus ganz Rödermark bewegt.

Musikalisch halfen neben der Bobfahrerhymne auch der Musikzug der TG und die Band „Kiwis“ den Gästen im Saal auf die Sprünge. Optisch gab‘s jede Menge Spaß durch die zahlreichen eigenen Garden und Tanzgruppen der TG. Immer wieder ein Vergnügen verspricht die Prinzliche Hofgarde aus derzeit 14 ehemaligen Prinzen. Wer es jünger und weiblicher haben möchte, ist mit den reizenden kleinen Vampiren der Minigarde oder den schwungvollen Tänzerinnen der Midi-Garde bestens bedient. Oder dürften es gar das Tanzmariechen Celine Frank persönlich oder die Prinzengarde sein, bei der tatsächlich die Prinzessin mittanzte? Auch der Jazz-Nachwuchs begeisterte, erst recht die abschließenden Street-Life-Dancers, die bald wieder auf Wettkämpfen unterwegs sind.

Viel Feuer brachten auch die Majoretten mit ihren schwirrenden Stäben auf die Bühne, doch den größten Eindruck hinterließen wohl die Mini-Majoretten: tanzte hier doch zumindest andeutungsweise Michelle Schneider mit, deren Schicksal der Leukämieerkrankung wohl kaum jemand in Rödermark in den letzten Monaten unberührt ließ. Mit einem Mundschutz gegen Keime gesichert, saß sie auf den Stufen zur Bühne wie der lebendige Beweis dafür, dass sich das große Engagement der TG Ober-Roden und zahlloser weiterer Menschen gelohnt hat.

Quelle: op-online.de

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