„Midde noi“

Ein Markttag der vielen Ideen

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Viele alte Ober-Röder sahen sich die Ausstellung an, die der jetzige Dinjerhof-Besitzer Wilhelm Schöneberger gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsverein Rödermark gestaltet hatte.

Ober-Roden - Mit einem Pieks in einen der zahllosen knallroten Luftballons eröffnete Bürgermeister Roland Kern am Samstag Nachmittag den Ober-Röder Markttag.

„Midde noi“ wollten Gewerbevereinsvorsitzender Manfred Rädlein und sein fünfköpfiges ehrenamtliches Team die Bürger mit zahlreichen Attraktionen wieder locken. Parallel dazu feierte der Dinjerhof sein 220-jähriges Bestehen. „Midde noi“, was so viel an Geselligkeit und Trubel verspricht, war auch in den letzten Jahren gut angekommen. Wer am Samstag beim Aufwachen den Regen prasseln hörte, gab allerdings wohl keinen Pfifferling auf Eat & Meet-Meile, auf genießerisches Flanieren und auf Kinderkarussell. Doch die in der Nachmittagssonne und vor allem gestern gut besuchten weiß gedeckten Tische zwischen Rathaus, Nazariuskirche und Stadtbrunnen besagten das Gegenteil.

Die Vielfalt der Veranstaltungen am letzten Wochenende vor den Sommerferien drückte generell allerdings überall etwas auf den Besucherschnitt. Am stärksten fiel das im besonders beworbenen „Kinderland XXL“. Nach den am selben Tag lockenden Schulfesten und Projektvorstellungen herrschte dort kein Gedränge, zumal es auf dem Terrain vor dem Bücherturm auch an Erfrischungen fehlte. Auch die hübschen Neuwagen direkt an den schmalsten Stellen des alten Ortes, an denen man einfach vorbei laufen musste, blieben am Samstag zunächst recht unbeachtet. Dafür entschädigte dann aber der Sonntag. Am stärksten füllte es sich dort, wo es sich bei einem Schoppen Wein oder einem leckeren Fladen gemütlich sitzen und schwätzen ließ. Liebevoll beteiligte sich das Kinderhaus unter dem Regenbogen am Marktgeschehen, und natürlich fehlten die Fitness-Anbieter nicht, die den Marktbesucher zu gesünderem Leben umstimmen wollten.

Blasorchestern und Coverband

Die musikalischen Angebote auf der kleinen Bühne von Rödermarks Chören und Blasorchestern bis zur Coverband „Stay Tuned“ brachten immer eine kleine Anhängerschaft mit, und auch die typischen Angebote wie etwa Zuckerwatte fanden ihre Genießer. Über die Bahnschranken hinweg öffnete sich Ober-Rodens Gewerbeschau bis in entlegeneren Ecken. Dennoch war der weniger gut besuchte Samstag letztlich ein guter Auftakt für den verkaufsoffenen Sonntag, der allerdings nur den Ortsteil Ober-Roden betraf (nachdem gesetzlich nur der jeweils feiernde Ortsteil mit sonntäglicher Ladenöffnung werben darf und nicht die angrenzenden). „Im nächsten Jahr wird alles noch größer beim stadtweiten RöderMarkT“, versprach Manfred Rädlein bei der Eröffnung seinem Gast auf der Bühne, Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel und den Bürgern, was Rödermarks neue Stadtverordnetenvorsteherin beifällig kommentierte: „Ganz gemäß dem Leitbild der Stadt: der Mensch im Mittelpunkt auf der Grundlage der Wirtschaft“, meinte Brigitte Beldermann. Bürgermeister Roland Kern als neuer Stadtkämmerer überlegte hingegen schmunzelnd, ob nicht eine Vergnügungssteuer auf dieses sichtliche Vergnügen „midde noi“ die leere Stadtkasse etwas aufbessern könnte und wurde mit Kleingeld vom Orga-Team vertröstet.

Parallel zum Markttag feierte der Dinjerhof seine 220- jährige Geschichte. Dies war war dem Besitzer Wilhelm Schöneberger Anlass, unter anderem - auch wenn sie nur einen kleinen Teil im alten Stall umfasst - eine Fotoausstellung mit historischen Aufnahmen zu organisieren. „Da waren mein Vater und mein Bruder hier mitten im Hof“, erinnerte sich Betty Schöneberger, während nebendran alteingesessene Ober-Röderinnen über die Familiengeschichte des vor 220 Jahren errichteten Tüncher-Hofes philosophierten. Vor allem die Menschen auf den Bildern regten zum Erinnern an: „Das war die Oma von der Veronika Maurer, die war hier Hebamme und hat die meisten Ober-Röder auf die Welt geholt.“

„Midde noi“ in Ober-Roden

„Midde noi“ in Ober-Roden

Alte Fotos vom Hof, aber auch von seiner Nachbarschaft, vom Ortskern und von historischen Umzügen durch den Ort führten zu vielen Gesprächen. Die Verbindung des alten Rundlings mit Fotos der heutigen Ansichten derselben Ecken und Straßen - gestaltet vom Heimat- und Geschichtsverein Rödermark - ließ die Betrachter staunen. Neben der Erinnerung stand die Kultur ganz im Mittelpunkt des Hofgeburtstags: ob die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ des Ensembles „Theater Total“ mit Regisseurin Tanja Garlt oder der Jazz-Frühschoppen am Sonntag. Alternatives Zentrum AZ und Jazzclub Rödermark haben hier ebenso beigetragen wie die Musikvereine. Abgerundet musste so ein Hof-Aufenthalt natürlich mit einem Besuch des Hofcafés werden. Dort gab’s dann das duftende I-Tüpfelchen auf so viel historische Erinnerung.

(chz)

„Midde noi“: Bilder von 2012

Markttage „Midde noi“

Rödermarker feiern „Midde noi"

Mit einem viertätigen Fest eröffneten die Rödermarker unter dem Motto "Midde noi" ihren neu gestalteten Marktplatz und Ortskern.

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Quelle: op-online.de

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