Milchstreik soll Michelle helfen

Ober-Roden - (eh) Als erster Landwirt im Kreis Offenbach beteiligt sich Werner Gaubatz am europaweiten Protest gegen die niedrigen Milchpreise. Seit gestern ist er im Milchstreik und liefert keine Milch mehr an die Molkerei.

Doch wohin mit dem wertvollen Lebensmittel, dessen Wert so wenig geschätzt wird? Gaubatz verbindet seinen Milchstreik mit einer Spendenaktion: Er gibt frische Milch ab sofort gegen eine Spende ab. Der Erlös ist für die Kosten der Typisierungsaktion bestimmt, zu der die Familie der leukämiekranken Michelle Schneider aufgerufen hat.

Wer morgens (8 bis 9.30 Uhr) oder abends (17.30 bis 19 Uhr) mit der Milchkanne auf den Hof nahe der Kläranlage kommt, muss für die Milch nicht den üblichen Preis bezahlen. Stattdessen steht eine Sammelbüchse für Geldspenden bereit.

Wir wollen die Milch nicht einfach wegkippen“, sagt Werner Gaubatz. Wenigstens ein Teil dessen, was die Kühe täglich geben, soll durch die Spendenaktion dem menschlichen Verzehr dienen. Der Rest kommt in den Güllewagen und wird nächste Woche auf einem Feld versprüht - auch wenn‘s in der Seele wehtut.

Am Milchboykott beteiligen sich im Odenwaldkreis bereits mehr als 30 Betriebe, wie Werner Gaubatz berichtet. Die Landwirte seien von blanker Verzweiflung getrieben: „Uns allen steht das Wasser bis zum Hals.“ Die Erzeugerpreise seien alles andere als kostendeckend, und das nicht nur bei der Milch: „Für meinen Roggen habe ich gestern in einer Biogasanlage mehr Geld geboten bekommen als in Frankfurt in der Mühle.“ Doch auch mit 9,50 statt neun Euro pro Doppelzentner sei kein Geld zu verdienen. Angesichts solcher Zustände kann einen schon mal die Zuversicht verlassen. „Uns ist es mittlerweile egal, ob wir an Weihnachten pleite sind oder erst im März“, sagt Werner Gaubatz und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Lieber früher, dann ist es endlich vorbei.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare