Stadt will Förderung von Bund und Land

Millionen für das Zentrum Ober-Roden?

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Städtebaulich wertvoll oder Schrottimmobilie? Die Meinungen über das „Jägerhaus“ in Ober-Roden gehen weit auseinander.

Ober-Roden - Investitionen von bis zu zehn Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre, will die Stadt in Alt-Ober-Roden anstoßen. Das Parlament beschloss am Dienstagabend einstimmig einen Förderantrag für das Bund-/Landesprojekt „Stadtumbau in Hessen“. Von Michael Löw 

Heftig gestritten wurde über das „Jägerhaus“ neben der Volksbank. Nach dem „Schiffbruch in Urberach“ (SPD-Stadtverordneter Norbert Schultheis) soll’s klappen: Die Stadt unternimmt einen zweiten Anlauf, um ins Landesprogramm „Stadtumbau in Hessen“ aufgenommen zu werden. Für die Aufwertung des Altorts Ober-Rodens können zwischen fünf und zehn Millionen Euro fließen: Zwei Drittel zahlen Bund und Land, den Rest die Stadt. Bürgermeister Roland Kern geht zudem davon aus, dass die Förderung auch privates Geld für die Renovierung von Häusern locker macht. Voraussetzung für den Antrag sind ein klar begrenztes Sanierungsgebiet, ein städtebauliches Entwicklungskonzept und ein Partner. Den hat die Stadt schon lange mit der Ortskerninitiative „IGOR“. Das 100.000 Euro teure Entwicklungskonzept könnte aus den Mitteln des Rödermarkplans finanziert werden. Das Sanierungsgebiet reicht von der Mainzer Straße im Norden bis hinter die Bahnschranken im Süden.

„Wir wollen ein großes Rad drehen“, sagte Bürgermeister Kern. Der Ober-Röder Antrag sei deutlich detaillierter als sein Vorgänger, mit dem die Stadt voriges Jahr scheiterte. „Kommunen können aus Erfahrungen, die nicht so gut gelaufen sind, lernen“, pflichtete FDP-Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner bei. Und SPD-Mann Schultheis lobte die „bisher vorbildhafte Bürgerbeteiligung“. Im zweiten Schritt müssen sich die Bürger mit ihrem Geld beteiligen. Nämlich dann, wenn die Renovierung ihrer Häuser gefördert wird. Mit dem „Stadtumbau“ in Ober-Roden setze das Parlament falsche Prioritäten, beklagte Jürgen Breslein von den Freien Wählern. Neue Wohn- und Gewerbegebiete sind seiner Ansicht nach wichtiger als die Innenort-Sanierung. Trotzdem stimmten die FWR wie die vier übrigen Fraktionen für die Aufnahme ins Förderprogramm.

Der Umbau des „Jägerhauses“ an der Einmündung der Trinkbrunnenstraße ist eine von 17 Maßnahmen, die die Stadt an den Förderantrag gehängt hat. Über seine Zukunft gehen die Meinungen weit auseinander. Die FDP nennt den Ende 2011 für 169.000 Euro gekauften Klinkerbau eine „Schrottimmobilie“, die sie schnellstens loswerden will. Das „Jägerhaus“, so ihr Stadtverordneter Christian-David Bombelka, verursache jährliche Kosten von mehr als 10.000 Euro, für die die Stadt bisher keine Gegenleistung gesehen habe. Ein Argument gab seinerzeit den Ausschlag: Hätte die Stadt nicht zugegriffen, hätte es die Volksbank gekauft, abgerissen und Parkplätze angelegt.

Der Magistrat soll einen Investor suchen, der das „Jägerhaus“ kauft und nach den Vorgaben der Stadt umbaut, fordert die FDP. Sie ist sicher: Bei den derzeitigen Immobilienpreisen macht sie Gewinn. Die Nutzung als Archäologiewerkstatt und Pläne, dort ein Heimatmuseum oder ein Stadtarchiv einzurichten, sind für die Liberalen höchstens zweitrangig, weil zu teuer. Bombelkas Fazit: „Wir befreien die Stadt von einer Last!“ SPD und FWR unterstützten den FDP-Vorstoß wegen der ungeklärten Nutzen- und Kostenfrage. „Der Verkauf wäre ein Kulturfrevel ersten Ranges“, gab Bürgermeister Kern scharf zurück. Billiger als für die erwähnten 10.000 Euro finde die Stadt kein Haus, in dem die archäologischen Funde von Professor Egon Schallmayer gelagert und wissenschaftlich aufgearbeitet werden können.

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Für Kern ist das „Jägerhaus“ ein Teil im großen Ortskern-Puzzle. Dazu gehören - unter dem Stichwort Umgestaltung Kulturhallenplatz - Abriss oder Umbau des alten Feuerwehrhauses und des „Seitzhauses“ an der Einfahrt zur Kulturhalle und Umzug der städtischen Jugendabteilung vom Feuerwehrhaus in ein anderes Gebäude. Das hatte die schwarz-grüne Koalition schon vor Jahren beschlossen, die Umsetzung lässt aber auf sich warten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert nannte den Kauf des „Jägerhauses“ eine „vorausschauende Bodenpolitik, die nicht immer sofort zum Ziel führt“. Betriebswirtschaftliche Überlegung dürfen bei der Stadtentwicklung keine Rolle spielen. Bestes Beispiel sei die Initiative des damaligen Bürgermeisters Walter Faust, der Anfang der neunziger Jahre viele Häuser und Grundstücke im Urberacher Zentrum kaufte. Auch er hätte sich den Vorwurf des „Schrottimmobilien-Erwerbers“ gefallen lassen müssen. Heute seien Häfnerplatz, Kelterscheune und Musikschule ein vorzeigbares Ensemble.

Den Vorwurf, ein Verkauf des „Jägerhauses“ zerstöre mehrere Jahrzehnte Ortskernarchäologie, wollte der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger nicht auf seiner Partei sitzen lassen. Den Erlös könne die Stadt an anderer Stelle des Sanierungsgebietes gut gebrauchen.

Quelle: op-online.de

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