Die Minimal-Chance steigern

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Doris Brenner und Tzehaie Semere gaben den Förderschülern Tipps zu Bewerbung und Ausbildung.

Urberach (lö) ‐ Die Vorurteile sind groß, die Chancen gering: Förderschüler sind die Letzten, die bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zum Zuge kommen. Heike Huck, die Rektorin der Helene-Lange-Schule, hat deshalb eine Fachfrau von draußen in ihre Abschlussklasse geholt.

Die Rödermärker Betriebswirtin und Fachbuchautorin Doris Brenner bereitete die Neuntklässler auf Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräche vor. „Die Chancen auf die direkte Vermittlung in eine Lehrstelle ist rapide nach unten gegangen“, stellt Heike Huck frustriert fest. Früher kamen noch 30 bis 40 Prozent ihrer Abgänger in Handwerk, Handel oder Dienstleistung unter, voriges Jahr begann nur noch ein einziger Junge eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Dieses Jahr erhielt keiner einen Lehrvertrag, alle müssen in Berufsschulen, in Fördermaßnahmen wie „SchuB“- und BVK-Klassen oder in einer Hauptschule das zehnte Schuljahr absolvieren.

Liegt‘s an der Wirtschaftskrise oder an der angeblich fehlenden Ausbildungsfähigkeit von Förderschülern? Doris Brenner gab den Jugendlichen ihr Arbeitsbuch „Bewerbungsset für eine erfolgreiche Bewerbung“ an die Hand. Hier können die Schüler nachlesen, welche Unterlagen eine Bewerbung erst vollständig machen, mit der Mappe können sie für Eignungstests üben und sich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten.

Im neuen Schuljahr letzte Entscheidungen

Fast noch wichtiger waren die praktischen Tipps, die Doris Brenner gab. So mancher 16- oder 17-Jährige machte große Augen, als er erfuhr, dass eine Zwei in Mathe nicht unbedingt die Chancen auf eine Lehrstelle erhöht. Chefs legen heute verstärkt Wert auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit - sprich: geringe Fehlzeiten - sowie ein ordentliches Sozialverhalten. Und ganz große Augen machten die Abbgänger, als die Fachfrau ihnen einbläute, möglichst wenig persönliche Daten oder Fotos in soziale Internet-Netzwerke wie „Facebook“ einzustellen.

„Die Erhöhung von Vermittlungschancen in eine Ausbildung für Förderschüler mit Migrationshintergrund erhielt hier die nötige Wertschätzung und Unterstützung“, lobte Rektorin Huck die Referentin. Die wiederum zeigte sich beeindruckt von dem Engagement, das Schulleitung, Lehrer und der städtische Berufswegebegleiter Tzehaie Semere bringen: „Hier wird wirklich sehr individuell auf die Schüler eingegangen, um ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.“

Im neuen Schuljahr fallen dann auch die letzten Entscheidungen, welchen beruflichen Weg die Jugendlichen einschlagen. Ihre durchaus realistischen Vorstellungen reichen von der Altenpflege über Gärtnerei oder Maler und Lackierer.

Quelle: op-online.de

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