30 Minuten in die Erinnerung investieren

Neu-Isenburg - 80 Jahre ist es her, dass – auch in Neu-Isenburg – die Bücher brannten. Am 10. Mai 1933 warfen die Nazis überall im Land Schriften von sogenannten undeutschen Autoren wie Marx, Kästner oder Brecht ins Feuer.

Nun sucht die Isenburger Frauenbeauftragte Gabriele Loepthien Mitstreiter für einen besonderen Aktionstag gegen das Vergessen.

„Wir möchten nicht nur einen von vielen Gedenktagen veranstalten, sondern aktives Erinnern erzeugen“, sagt Loepthien. Deshalb sucht die Frau, die sich seit mehr als 20 Jahren als Frauenbeauftragte um die Belange der Isenburgerinnen kümmert, nun Leute, die sich am Aktionstag „Verbrannt – aber nicht vergessen: 30 Minuten für die Erinnerung“ beteiligen möchten. Der soll am Dienstag, 14. Mai, an den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung erinnern. Gesucht werden Isenburger, die in der Zeit von 11 bis 17 Uhr an den unterschiedlichsten Orten in der Stadt eine halbe Stunde aus einem oder mehreren Büchern von Autoren verbrannter Bücher vorlesen möchten. Loepthien hofft, dass viele Vereine, Institutionen, auch Kirchen und Schulen den Aktionstag mitgestalten.

Vortrag über Exilliteratur

Zu dessen Abschluss findet um 19.30 Uhr ein Vortrag über Exilliteratur statt: Dr. Sylvia Asmus, die Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933-1945, wird über ihre Arbeit sprechen und wie schwierig es für sie heute immer noch ist, Spuren zu sichern. Dazu gibt es musikalische Untermalung mit Werken von verfemten Komponisten. Der Ort steht noch nicht fest.

Bereits unmittelbar nach der Machtübernahme im Januar 1933 starteten die Nationalsozialisten eine Kampagne „Wider den undeutschen Geist“, im Verlauf derer Bücher und Exponate jüdischer und politisch unliebsamer Autoren, Künstler und Wissenschaftler verboten und aus den Beständen von Bibliotheken entfernt wurden. Sie wurden gesammelt für den Höhepunkt der Hetzkampagne am 10. Mai 1933: den Bücherverbrennungen.

Aktionstag gegen das Vergessen

Die Vorbereitung des Isenburger Aktionstags gegen das Vergessen haben Akteure der Seminar- und Gedenkstätte Bertha-Pappenheim-Haus, des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek gemeinsam übernommen. Es sei eine sehr gewichtige Veranstaltung, die da geplant wird, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel, „zumal das Thema Bücherverbrennung ja auch in Neu-Isenburg real war“. Auch er hofft, dass sich viele Isenburger beteiligen. Wer das tun möchte, sollte sich bis Freitag, 12. April, an eine der organisierenden Einrichtungen wenden (Pappenheim.haus@stadt-neu-isenburg.de, Tel.: 241-754; Stadt.archiv@stadt-neu-isenburg.de, Tel.: 249911; Stadtbibliothek@stadt-neu-isenburg.de, Tel.: 747-400).

„Es können die unterschiedlichsten Lesungen stattfinden, öffentlich oder privat“, betont Loepthien. Den Veranstaltern komme es auch darauf an, über die Lesungen „Gespräche über die Beschneidung, aber auch die Notwendigkeit der Verteidigung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung in Gang zu setzen“.

hov

Quelle: op-online.de

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