Anni Dyck und Ruth Läufer

Bibelkunde für Häuptlingskinder

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Anni Dyck und Ruth Läufer verbreiteten Gottes Wort in Indonesien, Hongkong und vielen anderen Ländern. Missionarinnen genießen ihren Ruhestand bei den Christusträgern.

Ober-Roden - Im „Haus Mamre“ verbringen zwei alte Damen ihren Lebensabend, die als Missionarinnen halb Asien bereist haben. Anni Dyck (81) und Ruth Läufer (84) verkündeten Gottes Wort in Indonesien, Hongkong, Vietnam, Pakistan, Kambodscha und Bangladesh. Von Michael Löw

In der jeweiligen Landessprache gestalteten sie Unterrichtsmaterial für die christliche Kinder- und Jugendarbeit. Anni Dyck wuchs in Wernigerode im Harz auf. „Am Ende einer trotz Krieg, Krankheit und mancherlei Mangel behüteten Kindheit stand die Übergabe meines Lebens an Jesus Christus“, erzählt die tiefgläubige Frau. Das war am 18. Januar 1946, fünf Tage vor der Flucht in den Westen. Die Familie landete in Stuttgart, Anni Dyck fing eine Ausbildung als Kindergärtnerin an. In dieser Zeit habe Gott ihre stärksten Begabungen, Schreiben und Pädagogik, zu ihrem Lebensberuf zusammengefügt.

Von 1956 bis 1970 arbeitete sie im Agape-Verlag in Basel, wo sie zehn große Bibel-Lektionen für Kinder herausgab. 1970 ging sie im Auftrag des Missionswerks „Weltweiter Einsatz für Christus“ nach Indonesien. Sie arbeitete in einer Bibelschule in Malang, einer Stadt im Hochland von Ostjava. Dort kreuzte Anni Dycks Weg den von Ruth Läufer, seither sind sie Freundinnen und Kolleginnen.

Die beiden Missionarinnen lernten auf Java die ganze ethnische und kulturelle Vielfalt Indonesiens kennen. Auch Stammesfürsten von der Insel Irian-Jaya, die eher an die Götter und Dämonen der Natur als an Jesus Christus glauben, schickten ihre Kinder nach Malang. „Wir wollten den Einheimischen helfen, das Beste aus ihrem Leben zu machen“, beschreibt Ruth Läufer ihre Art des Missionierens. Die einheimischen Christen waren federführend in der praktischen Arbeit, die Frauen aus Deutschland lieferten den theoretischen Überbau. Die gedruckten Bibel-Lektionen wurden differenzierter und richteten sich gezielt an Kindergarten- und Schulkinder sowie an Jugendliche.

Religiöse Aufbauarbeit im Busch

Mission ist religiöse Aufbauarbeit im tiefsten Busch - glauben viele. Anni Dyck und Ruth Läufer räumen mit diesem Vorurteil auf. Der wachsende Wohlstand in Indonesien und das Leben in einer vergleichsweise großen Stadt habe ihnen doch „ein sehr annehmbares Umfeld“ beschert.

Hongkong, damals noch britische Kronkolonie, war ab Ende der achtziger Jahre die nächste Station von Anni Dyck und Ruth Läufer. Die 15 Jahre dort halfen ihnen, China zu verstehen und unter Chinesen zu leben. So konnten sie das englische Unterrichtsmaterial in die Umgangssprache Putong Hua übersetzen. Christen sind im kommunistischen Riesenreich immer noch eine - vorsichtig formuliert - drangsalierte Minderheit. Die Missionarinnen bedienten sich bei der Verbreitung ihrer Schriften notgedrungen einiger Tricks. Statt christlicher Symbole ziert ein Apfelbaum die Titelseite ihrer Broschüren, die chinesischen Schriftzeichen auf Vorder- und Rückseite sind unverfänglich. Die Worte Gottes im Innern hingegen nicht: Altes und Neues Testament sind Fundamente, auf die sich ein Leben bauen lässt, das in allen Unwettern der Zeit fest steht.

Seit ein paar Jahren erst sind Ruth Läufer und Anni Dyck im „Haus Mamre“ der Christusträger-Schwestern daheim. Die Kontakte nach Ober-Roden wurden vor vielen Jahren schon auf Java geknüpft. Dort leisteten auch die Christusträger Missionsarbeit.

Die Verbindung nach Indonesien ist nie abgerissen. Auf den Computern der alten Damen trudeln nahezu täglich E-Mails früherer Kollegen ein. Was Anni Dyck und Ruth Läufer aus dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde zu lesen bekommen, stimmt sie nicht gerade zuversichtlich: „Früher vertrug sich der Islam friedlich mit dem Christentum und Naturreligionen. Aber das war Moslems aus den arabischen Ländern offenbar nicht radikal genug.“

Quelle: op-online.de

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