Kreis beendet beispielhafte Mittagsbetreuung

Förderverein ist weg vom Herd

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Auf diese Blumen hätten die Helferinnen gerne verzichtet, denn sie würden die Mittagsbetreuung gerne weiter organisieren, was gesetzlich jedoch nicht möglich ist.

Urberach - Nach 17 Jahren und 108.000 Mahlzeiten ist Schluss. Der Förderverein der Kita Lessingstraße muss die Mittagsbetreuung aufgeben, weil sein Personal dem Kreis nicht professionell genug ist. Jetzt ist die Stadt in der Pflicht - mit allen finanziellen Konsequenzen.

Die Mittagsbetreuung war ein Arrangement, von dem alle Seiten profitierten: Der Förderverein sorgte dafür, dass Kinder über Mittag in der Kita bleiben und essen konnten. Er bezahlte mit dem Elternbeitrag von zuletzt 60 Euro im Monat das Essen, die Köchin, Küchengeräte und vier geringfügig beschäftigte Mütter, die das Essen austeilten und die Kinder beaufsichtigten. Die Stadt sparte Personalkosten, da die Erzieherinnen über Mittag eine Stunde Pause hatten. Grund für das Aus der ehrenamtlichen Mittagsbetreuung sind Bestimmungen, die der Kreis als Aufsichtsbehörde „17 Jahre lang wohlwollend ignoriert“ habe, so Jürgen Menckhoff, Urgestein des Fördervereins, während einer tränenreichen Abschiedsfeier. „Jetzt versteift man sich ohne Not auf das Gesetz“, klagte er.

Als im Mai 2012 nach fünf Jahren die turnusmäßige Erneuerung der Betriebserlaubnis für die Kita anstand, habe der Kreis festgestellt, „dass wir für unsere Arbeit keine qualifizierten Mitarbeiterinnen gemäß der ‚Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder (MVO)‘ beschäftigen“, erklärte Menckhoff. Qualifiziert seien nur Fachkräfte. „Unsere Fachkräfte sind Hausfrauen. Doch die sind laut Kreis für die Betreuung während dieser einen Mittagsstunde nicht qualifiziert, obwohl ihre eigenen Kinder die Einrichtung besuchen und sie zuhause einen Haushalt führen, meist auch mehrere Kinder haben“, mag Menckhoff die Maßstäbe des Kreises nicht verstehen.

Mittagsbetreuung bis Ende voriger Woche

Nach einem Gespräch mit der Stadt hoffte der Förderverein noch, die MVO-Bestimmungen umgehen zu können, da diese von einem „durchgängigen Betrieb“ der Einrichtung ausgingen. Das war aber nicht der Fall. Die Stadt teilte dies dem Kreis so auch mit, holte sich aber eine Abfuhr: Es würden nicht nur die MVO-Bestimmungen, sondern auch die entsprechenden Paragraphen des Sozialgesetzbuches gelten. Damit war der Förderverein weg von Herd und Töpfen.

„Der Kreis hat dann verlangt, dass wir von heute auf morgen schließen, obwohl wir mit unseren Mitarbeiterinnen eine dreimonatige Kündigungsfrist vereinbart hatten, und auch die Stadt so schnell nicht in der Lage gewesen wäre, für ein Ersatzangebot zu sorgen“, sagt Menckhoff. Akzeptiert wurde dann wenigstens ein Kompromissvorschlag von Bürgermeister Roland Kern, dass der Förderverein noch bis zum Ende des Kindergartenjahres die Mittagsbetreuung Ende voriger Woche verantworten durfte.

„Das Ehrenamt wird geschwächt“

Menckhoffs bitteres Fazit: „Das Ehrenamt wird geschwächt, es werden einem Knüppel zwischen die Beine geworfen. Es gibt nun vier Arbeitslose mehr. Und die Stadt, die sich unter den Schutzschirm begeben hat, muss zusätzliche Kosten tragen.“ Der Förderverein habe der Stadt die Tür aber nicht zugeschlagen. „Wenn wir unter den bisherigen Bedingungen weitermachen könnten, dann würden wir wieder anfangen.“

Erster Stadtrat Jörg Rotter, seit seinem Amtsantritt am 1. Juli für die Kinderbetreuung zuständig, nahm die Äußerungen Menckhoffs betroffen zur Kenntnis: Er könne die Enttäuschung des Fördervereins nachvollziehen. Aber Gesetzesgrundlagen stünden dem ehrenamtlichen Engagement entgegen. Ihm tue es auch deshalb leid, weil sich die Stadt gerade im Seewald eine bessere Integration der Menschen mit Migrationshintergrund auf die Fahnen geschrieben habe. Die Mittagsbetreuung mit türkischen Müttern, die hier leben, sei ein Mosaiksteinchen dieser Arbeit gewesen. 

Quelle: op-online.de

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