Ziemlich dicker Dienstwagen

+
So einen dicken Dienstwagen mit Stern hatte nicht einmal Josef Ackermann, der frühere Boss der Deutschen Bank: Bernd Senger ist mit einem Mercedes-Siebeneinhalb-Tonner für die Sparkasse Dieburg unterwegs - und hat im Gegensatz zu Ackermann keinen Chauffeur.

Rödermark - Es ist groß und rot, steht zweimal pro Woche in Messenhausen und Waldacker und ist kein Feuerwehrauto: Die Rede ist von der mobilen Zweigstelle, die seit rund zweieinhalb Jahren das Gebiet der Sparkasse Dieburg abfährt und jetzt auch Rödermarks abgelegene Stadtteile mit Geld versorgt. Von Christine Ziesecke

Auf Wunsch der Sparkasse hat die Stadt für den 7,5-Tonner zwei Parkplätze im XXL-Format ausgewiesen. Bernd Senger fährt die rollende Sparkasse: „Man könnte sagen: Ich bin Leiter von 13 Zweigstellen. Es ist fast schon ein Unikatsjob, davon gibt’s höchstens 100 in Deutschland.“ – nämlich überall da, wo Banken und Sparkassen unrentable Zweigstellen geschlossen haben.

Seine Kunden sind oft auch Menschen, die beim Überweisen oder Geldabheben lieber mit einem Angestellten aus Fleisch und Blut als mit Automaten zu tun zu haben. Sicher sind Bankkaufmann und Bargeld in jeder Beziehung. Denn das kleine, aber immerhin klimatisierte und mit einem Kühlschrank ausgestattete Büro ist durch dickes Panzerglas geschützt. „Außerdem haben wir nur sehr wenig Bargeld dabei, nachdem wir ja nirgends länger als eineinhalb Stunden halten“, macht Senger Ganoven klar, dass bei ihm wenig zu holen ist. Zwei Kollegen ersetzen den Vielfach-Filialleiter, wenn er mal Urlaub braucht.

Mobile Sparkasse als Treffpunkt

„Manchmal sind es wenige, manchmal auch mal gar keine Kunden. Dafür ist nach dem Monatsersten, wenn die Renten überwiesen sind, auch mal mehr Ansturm“, berichtet Bernd Senger, der seine Jugend in Waldacker verbracht hat und in seiner Freizeit die Finanzen der Diana-Schützen managt. Dann wird die mobile Sparkasse schon mal zum Treffpunkt, wo Rentner und Pensionäre auf der Bank gemütlich ins Plaudern kommen, auch wenn sie schon lange bedient wurden. Sätze wie „Sie sind vor mir dran!“ oder „Ach nein, ich war schon dran, ich sitz hier nur noch ein bisschen.“ bekommt Senger immer wieder zu hören

Im Geschäftsbereich der benachbarten Sparkasse Darmstadt ist ein roter Lkw schon seit 15 Jahren unterwegs bis in den hintersten Odenwald. Auch Bernd Sengers Woche fängt am Montagmorgen im Odenwald - genau gesagt: in Fischbachtal-Steinau an. Sein Arbeitsgebiet reicht bis Waldacker im Norden und Harreshausen im Osten.

Fahrersitz gefühlt wie ein Schlachtschiff

An das riesige Gefährt musste er sich schon erst gewöhnen, doch außer mit einer winzig kleinen Seitenbegrenzungsleuchte hat Bernd Senger noch keine Probleme gehabt. Auf dem Fahrersitz fühlt man sich etwa wie in einem Schlachtschiff; das Rückwärtsfahren muss Senger auf einem Bildschirm kontrollieren. Der Mercedes ist neun Meter lang und enthält allein eine Tonne Batterien – gut versteckt unter einer bequemen Sitzbank, auf der sich Wartende ausruhen können. Eine große Satellitenschüssel auf dem Dach ermöglicht die ständige Verbindung zum Rechenzentrum.

Aber auch praktisch wurde bei der Ausstattung gedacht: Garderobenhaken, falls man im Winter den Mantel ablegen möchte; ein Besen hinterm Tresen an der Wand und eine Leiter geschickt neben Kontoauszugsdrucker und Selbstbedienungsterminal fixiert sind unerlässlich - zum Beispiel wenn’s im Winter schneit: „Dann muss ich auch mal hochklettern und die Satellitenschüssel vom Schnee säubern!“ Wer behauptet da noch, ein Banker habe nur Zahlen im Kopf...

Quelle: op-online.de

Kommentare