Firma Jacobs aus Rödermark

Der Mode ein Jahr voraus

+
Michael Jacobs (links) zeigt mit seinem Bruder Bernd verarbeitete Rindshäute. Die Rödermärker Firma Jacobs GmbH produziert Leder für die Accessoires-Industrie.

Rödermark - Viel ist von der Lederproduktion in Stadt und Kreis Offenbach nicht übrig geblieben. Deshalb hat sich die Jacobs GmbH aus Rödermark schon früh vom Händler zum Produzenten gewandelt. Mit Erfolg. Jetzt wird es zu eng. Das Unternehmen zieht nach Eppertshausen um. Von Marc Kuhn 

Angenehmer Ledergeruch durchzieht die Räumlichkeiten im Rödermarker Stadtteil Ober-Roden. Aufgerollt liegen tausende Häute im Lager. Rot, weiß, braun und gelb - in zahlreichen Farbschattierungen hängen die aktuellen Muster im Showroom. Daneben sind Taschen und eine in Leder gebundene Bibel aufgereiht - Beispiele dafür, was mit dem Leder produziert werden kann. Etwa 350 Häute werden hier ausgestellt, sagt Michael Jacobs. „Es ist die aktuelle Kollektion“, fügt der Geschäftsführer der Jacobs GmbH hinzu. Sie ist für die Saison Frühjahr/Sommer 2015. Das Unternehmen muss der Schuh- und Lederwarenbranche immer ein Jahr voraus sein. Schließlich produziert die Jacobs GmbH Leder, das in der Accessoires-Industrie verarbeitet wird. „Wir sind Lederhersteller“, erklärt Jacobs, der die Firma in der zweiten Generation mit seinem Bruder Bernd Jacobs leitet. Verkauft werden einige 100.000 Quadratmeter Leder im Jahr. Zu den Umsätzen will sich Michael Jacobs nicht äußern. Er sagt nur, es seien einige Millionen Euro jährlich.

Es gebe außer seinem Unternehmen keinen anderen modischen Lederproduzenten in Deutschland, sagt Jacobs selbstbewusst. „Das ist einzigartig.“ Nur Gerber und Lederhändler seien noch am Markt. Die Wettbewerber würden in Italien sitzen. Die Jacobs GmbH kauft Rindshäute weltweit zum Beispiel in Europa, Neuseeland und Afrika. Von Lohnbetrieben in Nord- und Mittelitalien werden sie verarbeitet. Die meisten Kunden sind in Europa beheimatet. Sie lassen ihre Waren dann in Europa, China, Indien oder Bangladesch herstellen. Auf dem Weltmarkt werden sie schließlich verkauft.

Mittlerer bis gehobener Qualitätsbereich

Im mittleren bis gehobenen Qualitätsbereich ist das Leder angesiedelt, das die Rödermärker verkaufen. Die Jacobs GmbH verbinde italienische Mode mit deutscher Gründlichkeit, erläutert ihr Geschäftsführer. Die Produktion im Ausland wird von eigenen Mitarbeitern kontrolliert. Modisches Leder in dieser Qualität könnte hierzulande nicht hergestellt werden, sagt Jacobs. Mittlerweile stamme das verkaufte Leder fast zu 100 Prozent aus der eigenen Produktion in Italien. „Wir sind modisch ganz vorne dabei“, berichtet Jacobs. Mit umfangreichen Recherchen suchen seine Kollegen nach Trends. Metallic-Effekte seien 2015 angesagt, berichtet der Geschäftsführer. Auf zahlreichen Messen wird das Leder den Kunden präsentiert, zum Beispiel auf der Lineapella in Mailand und der Le Cuir in Paris.

Zu den Kunden zählen beispielsweise die Obertshausener Firmen Picard und Kreis sowie der Uhrenarmband-Spezialist Kaufmann aus Mühlheim. Aber auch die Schuhhändler Lloyd und Paul Green verlassen sich auf die Qualität aus Rödermark. Und Mercedes-Benz, Porsche und AMG verkaufen Accessoires mit Jacobs-Leder. Schuhe, Taschen, Gürtel, Hundeleinen, Etuis für Smartphones und iPads sowie Einbände für Bücher und Sättel werden beispielsweise damit produziert.

Die Umstellung vom Handel auf Eigenproduktion 1998 hat sich aus Sicht von Jacobs ausgezahlt. 1962 hatte sein Vater Eberhard das Unternehmen als Handelsvertretung in Offenbach gegründet. 1981 zog die expandierende Firma nach Rödermark um. Doch in den 1990er-Jahren wurde die Situation zunehmend schwieriger, weil die regionalen Lederproduzenten wegen der Konkurrenz aus Asien ihre Produktion einstellten. Schließlich entschied sich die Familie, in die Eigenproduktion einzusteigen. Sie ist immer mehr ausgebaut worden. Mittlerweile stehen die Zeichen auf Expansion, sagt Jacobs. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf zwölf aufgestockt worden. Rund 20 Menschen werden in den italienischen Lohnbetrieben beschäftigt. Das Lager und die Räumlichkeiten in Italien platzen aus allen Nähten.

Jacobs GmbH zieht nach Eppertshausen

Im Januar zieht die Jacobs GmbH nach Eppertshausen. Etwa 1,5 Millionen Euro würden in einen Neubau im Gewerbepark B 45 investiert, erklärt Jacobs. Er lobt die Unterstützung der kleinen Gemeinde im Kreis Darmstadt-Dieburg. Sie sei sehr wirtschaftsfreundlich. Sein Unternehmen habe sich auch nach Möglichkeiten im Kreis Offenbach umgesehen, berichtet Jacobs. Ohne Erfolg. „Da müssen einige umdenken.“

Sorge bereiten Jacobs die Preise für Häute, eigentlich ein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Sie würden mittlerweile die Hälfte bis zwei Drittel des Verkaufspreises des Leders ausmachen. Zwischen 20 und 70 Euro pro Quadratmeter bekommt seine Firma für das verarbeitete Leder. Jacobs spricht von einer Verknappung des Angebots bei weltweit steigender Nachfrage. Die Gründe seien vielfältig. Zum einen würde in Ländern, die gute Qualität anbieten, weniger Fleisch gegessen. Zum anderen verwende die Industrie das Leder verstärkt als Lebensmittel-Ersatzstoff, zum Beispiel für Gelatine. Darüber hinaus steige das Interesse der Autoindustrie an Leder. Im neuen Porsche-Macan würden beispielsweise fünf Häute verbaut. Dennoch ist er zuversichtlich für seine Branche. Ein bisschen vom Erfolg will Jacobs an die Gesellschaft zurückgeben. Deshalb holt er Schüler in die Firma oder spricht in Schulen über den Sinn von Bildung.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare