Urberacher Ortskern verliert sein größtes Einzelhandelsgeschäft

Mode-Schwarzkopf schließt nach 92 Jahren

+
Gute Qualität zu vernünftigen Preisen - deshalb gingen nicht nur Urberacherinnen gerne in der Konrad-Adenauer-Straße einkaufen.

Urberach - Mit der E-Mail „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ schreckte Martina Schwarzkopf zunächst Stammkunden auf, wenig später folgten große Anzeigen auch in unserer Zeitung. Das alteingesessene Modehaus in der Konrad-Adenauer-Straße schließt.

Im Advent immer glanzvoll beleuchtet, beim Herbstmarkt stets mit dem Bollerwagen voller Kürbisse ein Hingucker für Passanten, eines der wenigen – vielleicht das einzige – Geschäft, das sich an allen Markttagen beteiligt hat. Das ist „Schwarzkopf - Mode und mehr“ in Kurzfassung. Martina Schwarzkopf verkaufte auf 600 Quadratmetern Kleidung für Frauen und Kinder sowie Wäsche, sie betrieb das letzte große Rödermärker Textilgeschäft. Es war dank guter Marken stets ebenso gut besucht.

Eigentlich ist es unvorstellbar, dass „Schwarzkopf - Mode und mehr“ ab Januar der Vergangenheit angehört. Doch Inhaberin Martina Schwarzkopf muss aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Seit 2009 ist sie krank, schon seit Jahren raten die Ärzte, die ganze Kraft auf ihren Körper zu konzentrieren. In diesem Sommer ist die Entscheidung gefallen, das Geschäft, das sie seit dem Tod ihres Vaters Helmut im September 2009 zeitweise gemeinsam mit ihrer Mutter geleitet hat, aufzugeben. „Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht“, fasst sie diese Jahre zusammen. Tochter Sophia hat sich mehr der Musik verschrieben und zu wenig Erfahrung, den Laden alleine weiter zu führen.

Vor zwei Jahren hatte Martina Schwarzkopf bereits versucht, einen passenden Käufer zu finden, der das Geschäft übernimmt. „Ich wollte vor allem meine vier Mitarbeiterinnen untergebracht wissen, und hier im Ort gibt’s wenig Alternativen.“ Eine ihrer Verkäuferinnen hat ab Januar eine Stelle, die anderen sind bis Ende Januar angestellt. Nach drei Totalausverkauf-Tagen ist das Modehaus im Dezember noch mit eingeschränkten Geschäftszeiten geöffnet. Vielleicht auch noch im Januar, aber das hängt von den Restbeständen ab. Gutscheine können bis Silvester eingetauscht werden.Martina Schwarzkopf lässt viele traurige Kunden zurück. Zumal ausgerechnet in diesem Jahr die Geschäfte sehr gut liefen, obwohl sie selbst nicht genug Kraft hatte, all die vielen Aktionen zu verwirklichen, die sie im Kopf hatte und früher viel öfter in die Tat umsetzte.

Rote Schuhe liegen im Trend

Martina Schwarzkopf (56) versucht, bei aller Traurigkeit sachlich zu bleiben: „Ich gehe halt etwas früher in Rente.“ In diesem Jahr hatte sie den Herbstmarkt teilweise vom Krankenhaus aus gestemmt. Sie kann sich auch vorstellen, den kommenden Herbstmarkt auch ohne eigenen Laden zu organisieren, wenn es ihre Gesundheit zulässt.

Im Modehaus Schwarzkopf läuft der Ausverkauf, spätestens im Januar schließt das 1925 gegründete Urberacher Traditionsgeschäft.  

Wie es mit dem markanten Gebäude weitergeht, ist noch ungewiss. „Im Vorfeld habe ich erst einmal keine Makler eingeschaltet und bin auch nicht an die Öffentlichkeit damit gegangen. Vielleicht ergibt sich jetzt, wo die Ladenaufgabe bekannt wird, etwas. Ich würde es mir und dem ganzen Ort wünschen! Doch ich möchte auf alle Fälle hier wohnen bleiben.“

Das 1925 gegründete Traditionsgeschäft, in dessen Modernisierung die Familie regelmäßig investiert hat, um konkurrenzfähig zu bleiben, hat rund 600 Quadratmeter Laden und 100 Quadratmeter Nebenräume; diese Fläche ist erweiterungsfähig.„Wichtig ist mir für meine Kunden, dass sie weiter vor Ort gut und ehrlich beraten werden, was alle die Jahre unser Schwerpunkt war“, hofft Martina Schwarzkopf auf eine Zukunft des Urberacher Textileinzelhandels. Sie wünscht sich, dass sich im Ort etwas tut und wieder mehr Leben einkehrt, wozu auch der Gewerbeverein beitragen könnte, dem sie bis 2010 mit maßgeblicher Stimme angehörte. (chz)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare