Modellbauer in Urberach

Jeden Balken selbst geschmirgelt

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Raimund Schultz zeigt im Töpfermuseum Großes im kleinen Format. In Modellen von Windmühlen oder Flugzeugen steckt mehr Arbeit als man beim schnellen Hinschauen erkennt. Eine holländische Windmühle aus dem Jahr 1766 im Maßstab 1:20 ist eines der Prachtstücke in der Ausstellung.

Urberach - Modellbauer sind eine ganz besondere Gattung von Menschen. Sie bilden die großen Faszinationen dieser Welt originalgetreu im Kleinen ab und ergründen dabei ihre Handhabung.

Sie opfern Stunden, Tage und Wochen, manchmal Jahre, um etwas nachzubauen, was es längst gibt, und diese Modelle möglichst auch noch funktionstüchtig zu machen. Und sie investieren auch noch viel Geld. Vielleicht gerade deswegen sind die Betrachter von dieser Welt im Miniaturformat begeistert, so etwa derzeit im Töpfermuseum.

Wieder einmal stellt in der Bachgasse der langjährige Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes Raimund Schultz aus. Bislang war er beim Heimat- und Geschichtsverein vor allem für seine mit Liebe und Leidenschaft gesammelten historischen meteorologischen Messinstrumenten und mit seinen zahllosen Schiffsmodellen bekannt. Diesmal steht das Skelett einer holländischen Windmühle aus dem Jahr 1766 im Mittelpunkt, im Maßstab 1:20 erbaut „und jede einzelne Holzzarge selbst geschmirgelt und geleimt“, wie ihr Erbauer betont.

Große Anziehungskräfte

Für die Besucher ist es fasziniert zu sehen, wie die winzigen Zahnräder ineinander greifen und immer andere Räder antreiben. Inzwischen verrichten sie ihre Arbeit etwas mürb, aber man kann sich gut vorstellen, wie’s im wahren Leben funktioniert. Große Anziehungskraft übt auch die „Spirit of St. Louis“ aus, das legendäre Flugzeug, mit dem Charles Lindbergh 1927 den Atlantik überquerte, einst 223 PS stark, heute im Töpfermuseum schwebend.

Nicht weniger faszinierend ist der Doppeldecker „Tiger Moth“, 1935 als zweisitzige Schulmaschine in England erbaut und später als Schleppmaschine für Segelflieger genutzt. Sie zeigt sich nun im Kleinformat von ihrer besten Seite. Immer spannend und das nicht nur für Kinder ist die Elberfelder Schwebebahn. Der gebürtige Wuppertaler Raimund Schultz wurde praktisch damit groß: „Aber als Kind hab ich mehr Hubschrauber gebaut und die dann abstürzen lassen. Richtig zum Modellbauer bin ich erst geworden, als wir 1978 nach Rödermark zogen und ich auch genügend Platz für dieses Hobby bekam.“

Die gar nicht so winzigen Miniaturen von Raimund Schultz sind noch einmal für die Öffentlichkeit im Töpfermuseum zugänglich: am Sonntag, 4. Mai, von 15 bis 18 Uhr.  

(chz)

Quelle: op-online.de

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