Zwölfjähriger darf auf Happy End hoffen

Monatelang zwischen allen Stühlen

Rödermark - Kevin M. (Name von der Redaktion geändert) hat schon monatelang keine Schule mehr von innen gesehen. Der Zwölfjährige wurde zwei Wochen vor den Sommerferien von der Nell-Breuning-Schule (NBS) verwiesen und hing wochenlang in der Luft. Von Michael Löw

„Weder seine bisherige Schule noch das Staatliche Schulamt sind in der Lage, das Kind in einer Schule unterzubringen“, klagte seine Mutter noch gestern Morgen. Am Nachmittag teilte ihr das Schulamt dann mit, dass die Heinrich-Heine-Schule in Sprendlingen ihren Sohn aufnimmt.

Hier die an eine Auseinandersetzung, für die es nie eine einfache Lösung geben konnte.

Zunächst suspendiert

Fünftklässler Kevin wurde Mitte Juni zunächst suspendiert, so heißt dieser Schritt im Amtsdeutsch. Den Verweis, den die Klassenkonferenz beantragte, sprach Rektor Jochen Zeller nach den Ferien aus: „Es gab auf vielen Ebenen massive Verstöße gegen die Schulordnung und Schulgesetze“, begründete er diese drakonische Strafe.

Dieser Vorwurf ist nach Ansicht der Eltern an den Haaren herbeigezogen. Ihr Sohn sei von Mitschülern und Lehrern „gemobbt und beleidigt worden“, Rektor Zeller habe dies beim Verweis ebenso wenig berücksichtigt wie Kevins Angsttrauma. Er leidet unter nächtlichen Schreiattacken, ist morgens erschöpft und müde. Trotzdem sei er bis zum Sommer in die Schule gegangen, obwohl er dort gehänselt wurde, erzählt seine Mutter. Einmal war"s so schlimm, dass Kevin auf den Friedhof flüchtete und sich eine Stunde weinend versteckte.

„Es ist unvorstellbar, wie damit ein Halbjahr überbrückt werden soll“

Der Unterricht fürs sechste Schuljahr findet seit Mitte August im Kinder- und nicht im Klassenzimmer statt. Je zwölf Arbeitsblätter für Mathe und Sachkunde sowie vier Deutsch-Blätter hat die NBS der Familie M. zur Verfügung gestellt. „Es ist unvorstellbar, wie damit ein Halbjahr überbrückt werden soll“, empört sich die Mutter. Vor ein paar Tagen fand sie eine Privatlehrerin, die vier Stunden in der Woche mit Kevin daheim lernt. Wie lange sich die Familie mit vier Kindern diesen Luxus leisten kann, steht in den Sternen.

Die Eltern suchen wochenlang schon eine Schule, obwohl das eigentlich Aufgabe des Staatlichen Schulamtes ist. Doch aus Rodgau, Dietzenbach und Heusenstamm kamen bislang nur Absagen.

„Wir haben alle schulinternen Maßnahmen versucht“, weist Rektor Zeller den Vorwurf zurück, die NBS habe sich zu wenig um Kevin gekümmert. Die Familie habe sich allerdings auch nicht kooperativ verhalten. Einzelheiten nannte Zeller mit „Rücksicht auf die weitere Schullaufbahn“ nicht. Die Sanktionsmöglichkeiten der NBS reichen vom Eintrag ins Klassenbuch über Elterngespräche und die Versetzung in eine andere Klasse bis hin zur Konfliktbewältigung im so genannten Trainingsraum.

Offenbar hat alles nicht gefruchtet

Offenbar hat alles nicht gefruchtet. Die Reittherapeutin, die Kevin seit Anfang des Jahres betreut, hatte schon Ende Mai keine Perspektive mehr an der NBS gesehen: Der Junge fühle sich nicht verstanden und ungerecht behandelt. Daher akzeptiere er keine Strafen mehr, was natürlich weitere Konflikte nach sich sieht.

Das Staatliche Schulamt war über Monate hinweg mit der Familie im Gespräch, sagte Justiziar Bernhard Mott gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung. Die Eltern hätten sich gegen manche Vereinbarungen gesperrt, doch habe seine Behörde jetzt mit der Sprendlinger Gesamtschule eine Vereinbarung treffen können. Sie nimmt Kevin schnellstmöglich auf. Mutter und Sohn wollen sich schon am Montag bei der Schulleitung vorstellen.

Quelle: op-online.de

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