Von wegen heile Welt...

Ober-Roden - Die UNO hat den 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen deklariert. Gewalt an Frauen - ist das hier im beschaulichen Rödermark überhaupt ein Thema? Von Christine Ziesecke

Die Frauenbeauftragte Monika Hainz nickt betrübt mit dem Kopf: „Die Stadt ist nicht arm und sie ist auch nicht ländlich, im Vergleich zu Frankfurt ist sie noch relativ heile Welt. Dennoch liegt sie im statistischen Mittel, häusliche Gewalt ist immer noch ein großes Thema. “ Und das Schwierigste: „Auch als Profi sehe ich jemandem an, dass er seine Frau misshandelt. “ Drohungen, Schläge und Schlimmeres passieren quer durch alle Lebensschichten und alle Nationalitäten. In Rödermark leben derzeit 14 064 Frauen.

Monika Hainz hat eine volle Stelle im Bereich Soziale Dienste, wovon 20 Prozent auf Frauenarbeit entfallen. Bei ihrem Dienstantritt 2006 waren das 80 Prozent, doch sie wurden Opfer politischer Sparmaßnahmen Opfer. Für Veranstaltungen ihres Frauenbüros steht Monika Hainz ein winziger Etat zur Verfügung. Ihr Etat steht ebenso wie ihre Stellenaufteilung vor jeder Haushaltsberatung des Parlaments neu zur Debatte. „Ich muss jedes Jahr eine Begründung schreiben, warum ich wichtig bin“, schmunzelt sie. Ihr 20-Prozent-Zeitkontingent für Frauenarbeit ist im Groben dreigeteilt: Veranstaltungen, Beratungstätigkeit und Vernetzung ihrer Arbeit über die Stadt hinaus.

Das Wichtigste ist die Beratung. Monika Hainz hat in den letzten Jahren so viel Fortbildung gemacht, dass sie jede Nuance weiblicher Notlagen kennt und ihr Wissen leider auch täglich anwenden muss. Vor Kurzem meldete sich eine junge Frau, die Informationen braucht, was sie tun kann, nachdem ihr Mann ihre Papiere weggeschlossen hat und sie nicht weiß, wie sie sich von ihm lösen kann. „Manchmal kommt es noch dicker“, erzählt Monika Hainz: keine Papiere, kein eigenes Konto. „Da fahre ich schon mal mit einer Frau ins Kreishaus und erwirke Ausweis-Ersatzpapiere, bürge notfalls auch mal für ein neues Konto und mehr.“

Offenes Ohr auch für Männer

Sie kümmert sich um Frauen, die 30 Jahre nie ohne ihren Mann das Haus verlassen konnten. „Doch, das gibt es mitten in Rödermark, und zwar gleichermaßen bei deutschstämmigen wie ausländischen Mitbewohnern!“, entgegnet Monika Hainz zweifelnden Blicken. So jemanden holt sie notfalls auch mal während des Mittagsschlafs des besitzergreifenden Gatten von zuhause ab. Im nächsten freien Frauenhaus bekommen die Betroffenen sinnvolle Begleitung. Im Notfall bewähren sich aber auch die Notwohnungen, die im Stadtgebiet verteilt sind.

Monika Hainz bietet ein ganz niederschwelliges Beratungsangebot vor Ort an - immer dienstags ist sie den Vormittag im „Schillerhaus“; ansonsten ist sie im Rathaus Ober-Roden erreichbar. Ein offenes Ohr hat sie nicht nur für Frauen - nein, es kommen durchaus auch Männer und erwarten Hilfe, ehe sie womöglich gewalttätig werden.

Kontakt: Frauenbeauftragte Monika Hainz, Dieburger Straße 13 (06074/911-354), frauen@roedermark.de oder auf der Homepage der Stadt.

Um stets die richtigen Hilfen anbieten zu können, nutzt die Frauenbeauftragte alle Möglichkeiten der Kontakte im großen und mittlerweile engen Netzwerk mit Frauenhaus sowie Berufskollegen im Kreis und im Land. „Hier vor Ort bin ich Einzelkämpferin, deshalb ist der Austausch von Erfahrungen auf diesem Gebiet besonders wichtig.“ Wenig bekannt ist das Gewaltschutzgesetz „Wer schlägt, geht!“ In solchen Fällen wird die Polizei zu einer Gefährde-Ansprache eingeschaltet. Wenn die Beamten vor der Tür stehen, wird manches Großmaul ganz klein. Neu seit diesem Jahr: das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 08000/116016. Hier stehen rund um die Uhr telefonische Ansprechpartner bereit.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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