Ab Montag Hunde an die Leine

Rödermark ‐ Die Jagdpächter schlagen wieder einmal Alarm, weil Hunde unkontrolliert herum streunen und das Wild hetzen: Am Samstag wurde ein Reh bis in die Straße Am Buchrain hinein verfolgt, bevor es verletzt entkommen konnte, berichtete gestern Jagdpächter Karl-Heinz Gotta. Von Michael Löw

Sein Kollege Adam Winter hat am Rosenmontag drei tot gefahrene Rehe an der B 486 aufgesammelt. Er ist sicher: Hunde haben sie in den Tod getrieben. Gotta und Winter fordern schärfere Kontrollen des Ordnungsamtes. Es reicht ihrer Ansicht nach nicht, wenn die städtischen Polizisten in blau-weißen Autos durch Wald und Feld fahren. Dann könne sie jeder Hundebesitzer schon auf große Entfernung erkennen und sein Tier zurück pfeifen.

Vom 1. März bis zum 15. Juni gilt in großen Teilen der Rödermärker Gemarkung wieder der Leinenzwang für Hunde. Er soll Vögel, die am Boden brüten, und Rehe schützen. „Wir haben oft beobachtet, dass streunende Hunde Rebhuhn, Lerche, Kiebitz und Wachteln von ihren Nestern vertrieben haben. Eier und Junge wurden dann ein leichtes Opfer von Krähen und Elstern“, berichtet Günther Braun, der Hunde-Experte im Ordnungsamt. Er stellt aber auch klar, dass Rödermarks Hundebesitzer im Großen und Ganzen einsichtig sind - von „ein paar schwarzen Schafen“ abgesehen, an denen Hinweise, Appelle und Ermahnungen abprallen.

Zahl der schwarzen Schafe steigt stetig

Nach Meinung der Jagdpächter Adam Winter und Karl-Heinz Gotta steigt die Zahl der schwarzen Schafe aber von Jahr zu Jahr. Ihre Hunde würden das Wild sogar in Dickungen aufscheuchen und beim Äsen stören. Folge: Die Rehe magern ab. Adam Winter: „Man könnte fast resignieren.“ In den Wäldern rund um Rödermark mache die Jagd bald keinen Sinn mehr, klagen die Jäger.

Braun ist hingegen sicher, dass die Rödermärker Gefahrenabwehrverordnung - der Leinenzwang ist ein Teil davon - den Spagat zwischen Jagd, Naturschutz und Naherholung schafft. Auch zwischen März und Juni, der Brut- und Setzzeit, gebe es besonders rund um die Wohngebiete viele Flächen, auf denen Hunde toben dürfen. Im größeren Teil der Gemarkung aber müssten Hunde an die Leine genommen werden.

DATEN, FAKTEN

Auskunft bekommt man auch bei Günther Braun unter Telefon 06074 911-830.

‐ Am 1. Januar 2010 waren 1 341 Hunde in Rödermark angemeldet. Das sind etwas mehr als in den Jahren zuvor: 1 326 (2009) beziehungsweise 1 323 (2008).

‐ Die Zahl der Bußgelder, die das Ordnungsamt bei Verstößen gegen die Anleinpflicht verhängte, ist ebenfalls leicht gestiegen: von fünf im Jahr 2007 über sechs im Jahr 2008 und sieben im vorigen Jahr. Uneinsichtige Hundebesitzer mussten jeweils 35 Euro zahlen. Die Obergrenze für solche Verstöße liegt bei 5 000 Euro.

‐ Im Ordnungsamt werden pro Monat im Schnitt vier bis sechs so genannter Beißfälle angezeigt. In der Regel handelt es sich um Attacken von Hunden gegen Hunde. Aber auch Jogger, Radfahrer und Spaziergänger wenden sich ans Ordnungsamt, weil sie sich durch frei laufende Hunde bedroht fühlen.

‐ Der Leinenzwang zeigt Wirkung, denn zwischen März und Mitte Juni registriert das Ordnungsamt nur einen oder zwei Beißer.

‐ Wo der Leinenzwang gilt und welche Gebiete davon ausgenommen sind, zeigt ein Stadtplan der im Urberacher Rathaus (Zimmer 100) eingesehen oder von der städtischen Homepage heruntergeladen werden kann.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio

Kommentare