Rund 90.000 Kilometer gelaufen

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60 Mal lief Siegfried Kupczok vom MTV Urberach die berühmten 42,195 Kilometer. Nach dem Berlin-Marathon ist Schluss mit den ganz langen Strecken.

Urberach - Wer zweimal pro Woche die Laufschuhe schnürt und zehn Kilometer durch den Wald trabt, kann die Qualen und Freuden eines Marathon allenfalls erahnen. Siegfried Kupczok (70) vom MTV hat die klassischste aller Laufstrecken 60 Mal bewältigt. Von Michael Löw

Jetzt tritt er der Gesundheit zuliebe kürzer - nach weit über 90.000 Kilometern. Der 39. Berlin-Marathon war seine letzte „lange Kante“. So nennen die Läufer Strecken jenseits der 42,195 Kilometer. 4:19:37 Stunden waren das respektable Ergebnis von Kupczoks finalem Marathon. Damit belegte er in seiner Altersklasse M 70 einen hervorragenden 18. Platz unter 134 Startern. Was fast noch beachtlicher ist: Im Gesamtfeld aller knapp 40 000 Teilnehmer vom kenianischen Weltklassemann bis zum Ich-versuchs-halt-mal-Athleten konnte er sich mit dieser Leistung im Mittelfeld platzieren.

In Berlin ging Siegfried Kupczok vor 25 Jahren zum ersten Mal an den Start und hat seitdem 60 Marathons einschließlich einiger Ultraläufe in seiner Bilanz stehen. Er rannte bei nahezu allen weltweit bedeutenden Läufen mit: New York, Boston, Honolulu, Kapstadt und Hamilton (Neuseeland, der Millennium Marathon 2000), London, Madrid, Wien und Budapest. Die großen Veranstaltungen in Deutschland wie Berlin, Frankfurt, Hamburg, München sind da beinahe Nebensache.

Seine persönliche Bestzeit von 2:48:59 Stunden lief er erst im Alter von 56 Jahren in Essen. 23 Mal stand er in den jeweiligen Altersklassen auf dem Siegerpodest, davon 16 Mal ganz oben. 26 Mal blieb er unter der Schallmauer von drei Stunden, und noch heute hält er Altersklassen-Bestzeiten beim Koberstädter Waldmarathon, beim Rödermärker 10-Kilometer-wumboR-Lauf und beim 50-Kilometer-Ultra in Dudenhofen.

„Mein härtester Lauf war sicher der „Comrades“ Ende Mai 1992 über 89,7 Kilometer von Durban nach Pietermaritzburg durch ein sonnenüberflutetes Mittelgebirge mit vielen Wellen und vier feldbergähnlichen Erhebungen“, erzählt Kupczok eine von vielen Geschichten aus einer langen Läufer-Laufbahn.

Marathons in Südafrika und Hawaii

Er wollte in Südafrika unbedingt die Silbermedaille gewinnen und hätte dafür eine Zeit von unter siebeneinhalb Stunden laufen müssen. Aber nach 30 Kilometern bekam er Wadenkrämpfe und musste das Tempo reduzieren, um wenigstens das Ziel zu erreichen, was ihm nach 8:20 Stunden auch gelang. Kupczok: „Ich war so voll mit Endorphinen, dass ich kurz vor dem Ziel mit einer jungen Frau kurz mal Rock’n Roll getanzt habe. Mein Zielfoto zeigt mich frisch wie am Start, aber Stunden später konnte ich kaum mehr gehen. Drei Tage lang schmerzte jeder Muskel.“

Ganz locker ging der MTV-Läufer den Honolulu-Marathon 1997 an. Das hatte er seiner Frau versprochen, denn der Marathon war Teil des Urlaubs. Also trabte Kupczok ganz locker durch Hawaii und spielte auf den letzten Kilometern den Hasen für einen Japaner. Denn der war kurz vorm Aufgeben und hätte deshalb daheim sein Gesicht verloren.

Im Ziel - nach knapp über drei Stunden - überschüttete er Kupczok mit Dankeshymnen. Der wiederum hätte sich nach seiner guten Tat am liebsten in den Allerwertesten gebissen: Trotz Zotteltempo wurde er Sechster unter 1000 Teilnehmern seiner Altersklasse. Hätte er Gas gegeben, wäre er Sieger der M 55 geworden und hätte einen schönen Preis mit nach Hause nehmen können. Aber was tut man nicht alles für seine Frau...

Auch wenn es künftig nicht mehr die besagten „langen Kanten“ sein werden: Siegfried Kupczok bleibt der Lauferei noch einige Jahre verbunden. Er will seine Erfahrung in das Orgateam des wumboR-Laufes einbringen, und 2013 feiert der unter seiner Leitung vom MTV veranstaltete Volkslauftag das zehnjährige Jubiläum.

Quelle: op-online.de

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