„Musical Factory 64853“

Die Sechziger lassen keinen kalt

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Die zentralen Figuren des Musicals „Hairspray“: die junge Revoluzzerin Tracy und ihr angebeteter Showstar und Teenager-Schwarm Link Larkin.

Ober-Roden - Zwei Abende lang feierte die Groß-Umstädter „Musical Factory 64853“ mit ihrem künstlerischen Lei die Premiere ihres Projekts „Hairspray – Welcome to the Sixties!“ in der Kulturhalle.

Zwei Abende, an denen sich Familien und Freunde ebenso von diesem originellen Stück faszinieren ließen wie Abonnementsgäste oder einfach Musicalfans; eine wunderbar euphorische Gästemischung, die ihrem Gefallen sehr laut Ausdruck gab. „Ich habe noch nie in so lautem Beifall gespielt“, lachte nach dem Finale eine der Geigerinnen aus dem Orchestergraben.

„Hatte ich dir nicht verboten, zu Hottentottenmusik zu tanzen? – „Ach Mum, du bist so was von Fifties!“ Allein dieser kurze Dialog zwischen der Hauptfigur Tracy und ihrer schwergewichtigen Mutter zeigt den Charme des Stücks. Die ältere Generation erinnert sich an solch markige Sprüche, wie sie in den 60er Jahren zuhauf über einem herniederprasselten. Die Jungen erkennen sich im Slang, in der Wortwahl und in der Komik der Situation wieder - denn wer hält sich schon an solche Verbote? Die deutsche, dem Film nachempfundene Fassung des herzerfrischend komödiantischen Musicals, das am Broadway mehr als 2 500 Mal lief, ist ein wunderbares Vergnügen. Schrill, bunt, laut und mit hübschen kleinen Adaptionen an die Gegenwart sorgt es für Lacher von allen Seiten, trotz des ernsthaften Themas der Integration Außenstehender.

Rund 80 (Laien-)Mitwirkende

Die „Musical Factory“ hat rund 80 (Laien-)Mitwirkende: etwa 20 Musiker, 40 Schauspieler, Sänger und Tänzer auf der Bühne und weitere 20 Mitarbeiter vor und hinter der Bühne – die Jüngste gerade mal zehn Jahre und gemeinsam mit ihrer Familie auf der Bühne, der älteste im Team etwa 60 Jahre. Gemeinsam präsentieren sie ein Stück mit Liedern mit teilweise sehr hohen Ansprüchen, reizvollen Choreographien und nimmermüden Beleuchtern, die mit ihren Scheinwerfern den rasanten Schauspielern auf und auch mal vor der Bühne folgen. Jung gebliebene Erwachsene, Musikstudenten und Profis runden die vielfältige Gruppe unter der künstlerischen Leitung von Ralph Scheiner ab.

Weitere Infos:

www.musical-factory.org

Die Truppe entstand aus theater- und musikbegeisterten Jugendlichen des evangelischen Dekanats Groß-Umstadt / Vorderer Odenwald. Zu ihren ersten Stücken zählte „Jesus Christ Superstar“. Seit 1998 bringen sie etwa alle zwei Jahre eine Inszenierung auf die Bühnen in der Region. Ein Jahr wird entworfen und geprobt, eine Saison lang gespielt. Mangels eigener Spielstätte tritt die Truppe in Gemeindehäusern und Bürgerhäusern auf, so auch auf eigenes finanzielles Risiko in der Kulturhalle Rödermark. Die Laientruppe finanziert sich ausschließlich aus Eintrittsgeldern und Spenden, um die sich ein rühriger Förderverein kümmert. Regelmäßiger Sponsor ist die Sparkassenstiftung, die auch in Rödermark mit Mitgliedern vertreten war.

„Theater Total“ im Gewächshaus Rodgau

„Theater Total“ im Gewächshaus

Rund 40 Schauspieler, Sänger und Tänzer auf der Bühne, dazu 20 Musiker im Orchestergraben und 20 Helfer im Hintergrund - so groß ist das Team der Musical Factory 64853. (Bild vergrößern)

Für die Truppe ist nach diesen zwei Vorstellungen erst mal Pause, weil einige Ensemblemitglieder auch andere musikalische Verpflichtungen haben. Im Oktober geht’s dann in Groß-Umstadt und Dreieich weiter; weitere Auftritte sind im Gespräch. „Wir waren sehr dankbar, hier eine Woche lang vor der Premiere in dieser tollen Halle proben zu dürfen – es war für uns sehr angenehm“, betont Ralph Scheiner. Und verrät, dass das Team jetzt schon die nächste Produktion aussucht: „Es könnte vielleicht ‚Evita’ oder der ‚Star Light Express’ werden.“

chz

Quelle: op-online.de

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