Musiker mögen das Keller-Ambiente

+
Albert Böttner ist der Vorsitzende des Jazzclubs Rödermark.

Ober-Roden - (lö) Seit drei Jahrzehnten präsentiert der Jazzclub Rödermark/Rodgau unter der Turnerschafts-Halle Konzerte auf hohem Niveau. Seine nächste Jam Session steigt dort am Freitag, 14. August.

Musiker wie Publikum schätzen das Flair dieses Kellers gleichermaßen. Der Kreis würdigte diese Arbeit schon vor Jahren mit seinem Kulturpreis. Doch frei von Sorgen ist der Jazzclub, der zu den mitgliederstärksten in Deutschland gehört, keineswegs. Ausgerechnet im Geburtstagsjahr strich der Vorstand das traditionelle Open Air „Jazz im Wald“ aus dem Veranstaltungskalender. Aufwand und Ertrag standen schon lange in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.

Warum er dennoch keinen Grund zur Trübsal sieht und wie er Jazz auch fürs jüngere Publikum attraktiv machen will, erläutert Jazzclub-Vorsitzender Albert Böttner im Gespräch mit der Redaktion.

30 Jahre Jazzclub Rödermark - Anlass zur großen Sause?

30 Jahre ist etwas Feines. Aber das ist kein Anlass für eine große Sause, sondern eine akademische Feier: am 7. November im Jazzkeller mit anschließendem Konzert mit Torsten Plagenz (Gründungsmitglied des Clubs) and Friends. Beim „Jubiläumskonzert“ am 17. Oktober gratuliert die „Maryland Jazzband of Cologne“ (50 Jahre) dem Jazzclub zum 30 Geburtstag.

Was macht es so reizvoll, hochkarätige Musiker in eine vergleichsweise kleine Stadt wie Rödermark zu holen?

Das Ambiente, die Atmosphäre und die Besucher unseres Jazzkellers sind die wesentlichen Faktoren, hochkarätige Musiker nach Rödermark zu holen. Die Musiker lieben diesen Keller, da sie meistens in solchen Lokalitäten mit ihrer/unserer Musik einmal angefangen haben. Deshalb ist es auch nicht so schwer, sie zu engagieren.

...und was macht es so schwierig?

Wenn es „Schwierigkeiten“ gibt, dann sind sie meist finanzieller Art, aber über Sponsoring arbeiten wir daran, diese Probleme zu beseitigen.

Ist's eine Frage des Geldes?

Eine Frage des Geldes ist es nur insofern, als der Club darauf angewiesen ist, gut gefüllt zu sein.

Der Jazzfan ist mindestens 60, raucht Pfeife, hat ein Ferienhäuschen in der Provence und fährt Volvo- oder Saab-Kombi. Klischee oder Realität?

Der Jazzfan (traditioneller Jazz) ist über 50, raucht mittlerweile nicht mehr und fährt so ziemlich jede Automarke, und das Häuschen in der Toskana hat er längst verkauft. Nein, das einzig stimmende Klischee ist das Alter von über 50 Jahren.

Mal im Ernst: Wird der Jazz zum Ältere-Leute-Hobby oder können Sie auch die Generation U40 für diese Musik begeistern?

Der traditionelle Jazz wird, so befürchte ich, zum „Ältere-Leute-Hobby“, wenn es uns nicht gelingt, diese Musik den „Jüngeren“ nahe zu bringen. Über unsere Jam-Sessions gelingt uns das zumindest ansatzweise. Ich gehe davon aus, dass es uns - auch durch die Verpflichtung jüngerer Musiker - durchaus gelingen kann, zu verhindern, dass zukünftig nur noch über 60 sowohl im Publikum als auch auf der Bühne zu sehen sind. Dazu gehört auch, Randgebiete des Jazz wie Cajun, Latin, Sinti oder Pop-Jazz anzubieten. Wobei für uns als Veranstalter hier das finanzielle Risiko eher höher ist als bei hochkarätigen Traditonals.

Ihre drei Wünsche für die nächsten 30 Jahre Jazzclub?

1. Weiter ein qualitativ hochwertiges Angebot an überwiegend traditionellem Jazz zu haben.

2. Dass es uns gelingt, das Publikum (auch die Jüngeren) weiter für diese Kunst zu begeistern, auch um neue Mitglieder zu gewinnen.

3. Dass die Unterstützung durch die öffentliche Hand, die Presse mit ihrer Berichterstattung/ihren Ankündigungen und das Gewinnen von Sponsoren oder Förderern des Jazz mindestens so bestehen bleibt wie bisher, denn das sind die Grundvoraussetzungen, dass meine ersten beiden Wünsche in Erfüllung gehn.

Quelle: op-online.de

Kommentare