Anrührend, aber nie sentimental

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Den verdienten Applaus genossen Dirigent Dieter Weis und das Orchester des Musikvereins Viktoria 08 nach dem Weihnachtskonzert.

Ober-Roden (chz) - Wann fängt Weihnachten an? Wenn der Vorhang in der Kulturhalle vor dem Musikverein Viktoria 08 Ober-Roden und dem gemeinsamen „O du fröhliche“ fällt – dann fängt für viele Menschen Weihnachten an.

Mit der wohlbekannten Melodie und vielen guten Wünschen im Ohr kann"s dann wirklich kommen, das Christfest.

So erscheint es alle Jahre am letzten Sonntag im Advent. Die Karten fürs Weihnachtskonzert der „08er“ sind Wochen vorher ausverkauft, die Parkplätze belegt, die Besucher lassen für zweieinhalb Stunden die Hektik um sich herum fallen.

Das 44. Weihnachtskonzert wurde seinem Ruf durchaus wieder gerecht, ohne dabei aber in festliche Einerlei abzurutschen. Anrührend sind die weihnachtlichen Medleys am Konzertende immer, aber nie ins Sentimentale abgleitend und immer mit Betonung auf dem musikalischen Erlebnis.

Dieter Weis in seinem inzwischen 30. Weihnachtskonzert

Ein besonderes Erlebnis war es auch wieder, den Dirigenten Dieter Weis in seinem inzwischen 30. Weihnachtskonzert zu erleben: Körper und Mimik gewohnt lebhaft (spätestens bei der „Petersburger Schlittenfahrt“), aber mit einer großen Gelassenheit: Er weiß, was sein Orchester - vor allem dank ihm - alles kann.

Als Solisten traten Carmen Hügemann und Laura Fischer im Stück „Celtic Flutes“ auf - ein Solo für zwei Querflöten und Blasorchester. Die jungen Musikerinnen bewiesen einmal mehr ihre jahrelange Harmonie und auch das Eingespieltsein mit dem Orchester. Moderator Norbert Rink wie auch das Publikum dankten es mit langanhaltendem Beifall.

Doch auch andere Solisten quer durch alle Instrumentengruppen kamen zur Geltung, meist in kurzen Passagen während des Programms, das vom wuchtigen englischen Militär- und Hochzeitsmarsch „Pomp and Circumstances“ über ein bekanntes irisches Volkslied in einem wunderschönen Arrangement bis zum Gospel reichte. Wie jazzig und mitreißend ein Gospel sein kann, bewies die Fassung von „Wade in der Water“ des deutschen Arrangeurs Markus Götz.

„Harry Potter und der Feuerkelch“

Und durchaus nicht sentimental ging"s auch mit „Harry Potter und der Feuerkelch“ weiter. Die mystische und verzauberte Stimmung wurde durch Xylophon, Glockenspiele und manches Schlagwerk mehr wunderbar wiedergegeben, und das unerwartete Ende machte Lust auf mehr davon. Vom großen Medley rund um „Die Schöne und das Biest“, dem Märchen mit dem romantischen Ausgang ließ es sich für die „08er“ gut ins „Christmas Festival“ übergehen.

Wo so viele Musikerinnen und Musiker zusammen auf der Bühne sind, hilft nur absolute Präzision, ein weihnachtliches Feuerwerk nicht tränenrührend zu machen – das Große Blasorchester, das diesmal allein mit drei Tuben besetzt war, schaffte es perfekt. Immer etwas fürs Auge: die sechs jungen Schlagzeuger auf erhabener Position im Orchesterhintergrund. Sie wechselten ihre Instrumente oft schneller als der Zuhörer beobachten konnte und brachten immer wieder neue glockenhelle Töne hervor, die den vielen Bläsern eine reizvolle Klangkulisse gaben.

Weihnachten kann kommen: Der musikalische Einstieg durch die „08er“ ist wieder anspruchsvoll gelungen. Minutenlanger Applaus bewies, wie gut er dem Publikum gefallen hat.

Quelle: op-online.de

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