Mutter bedrückt: "Ich wünsche mir, in Rodgau zu wohnen"

Waldacker - (chz) Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr - vor allem, wenn man in Rödermark wohnt, wieder arbeiten muss oder möchte und deshalb eine Betreuung für sein Kind unter drei Jahren benötigt.

So positiv wie Bürgermeister Roland Kern (wir berichteten) sieht Janine S., Mutter des sechsjährigen Jörg und des zehn Monate alten Henry, die Situation keineswegs - zumindest nicht in der Gegenwart. Ihr persönliches „Horrorszenario“: Ab Oktober oder November will die Beamtin mit einer auf sieben Jahre begrenzten Projektstelle wieder in ihren Beruf einsteigen. Sohn Jörg kommt im Sommer in die Schule und hat nach langem Zittern nun einen Hortplatz für 200 Euro monatlich sicher.

„Problem-Kind“ ist Klein-Henry, den Janine S. schon für die Betreuung angemeldet hat, als sie schwanger war. „Die Anmeldung ist an einem bestimmten Tag im Jahr möglich, nur ich habe mich damals nicht getraut, vor 8.30 Uhr anzurufen - und da waren alle Plätze schon belegt, und wir kamen auf Platz 9 der Warteliste!“, ärgert sie sich im Nachhinein über ihre Skrupel. Bezahlbare städtische Betreuungsplätze gibt es momentan nur in den Tagesstätten Motzenbruch und Lessingstraße, und da ist Henry inzwischen auf Warteliste Platz 15. Doch wenn ältere Kinder neu dazu kommen, haben sie Vorrang. Janine S.: „Ich brauche Betreuung von 8 bis 16 Uhr; selbst die „Rappelkiste“ in Urberach hat nur bis 15 Uhr geöffnet, und auch da ist es aussichtslos - bei unserem Gespräch herrschte Jungenüberschuss und angenommen wird nach Alter.“ Die frustrierte Mutter: „In Rödermark ist es hoffnungslos!

Hilfe erhofft sie sich nun in den Nachbargemeinden - entlang ihrer Fahrtstrecke nach Offenbach hat sie Henry inzwischen prophylaktisch in 17 (!) Einrichtungen angemeldet. In Rodgau, wo allein in diesem Jahr drei neue Betreuungsstellen entstehen und damit die Zahl der Plätze auf 212 steigt, hätte sie gute Aussichten: „Ich war in allen Kitas und habe mir schon öfters in letzter Zeit gewünscht, in Rodgau zu wohnen, dann wäre noch ein Platz für mein Kind frei gewesen.“ Zur Zeit scheint es, dass Henry voraussichtlich ab Oktober einen Platz in Dietzenbach bekommt.

Die Mütter im Babytreff des Bürgertreffs Waldacker haben fast alle Probleme: Eine arbeitet auf 400-Euro-Basis, eine weitere hat zwar eine 85-Prozent-Stelle, muss aber für eine Tagesmutter 420 Euro monatlich berappen. Die anderen würden schon aus finanziellen Gründen nur zu gerne arbeiten, wenn sie eine Chance auf eine bezahlbare Betreuung hätten. Alle diese Mütter sind sich einig: „Die Stadt Rödermark wundert sich, dass die Einwohnerzahl abnimmt - da müssen sie sich nicht wundern, solange es kein Konzept für vernünftige Kleinkinderbetreuung gibt.“Janine S. vertieft die bedrückende Situation, in der sich viele junge Eltern befinden: „Ich trete notfalls für eine Verbesserung der Lage auch bei einer Demo oder einer Nachtwache persönlich ein!“

Quelle: op-online.de

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