Mehr Kleinbiotope in der Stadt

NABU und Initiative Breidert ermuntern private Hausbesitzer zu Blühwiesen

+
Mit Motorsense und Rechen bringen die Quartiersmitglieder Karlheinz Weber und Harald Müller den Grünstreifen hinter der neuen kleinen Bienenwiese am Breidertring auf Vordermann. Dank der Anwohner Elke und Herbert Schrod können die Helfer in diesen heißen Zeiten auch spätabends noch ungehindert die „Rödermärker Spezial-Blumenmischung“ rund um den entstehenden „Informationsgarten“ wässern.

„Natur zurück in die Stadt“ – unter diesem Motto haben die Initiative „Wir sind Breidert“ sowie der Naturschutzbund Rödermark (NABU) eine langfristige Kampagne gegen das Insektensterben gestartet.

Ober-Roden – 88 Prozent aller Pflanzen weltweit werden von Insekten bestäubt, darunter Äpfel, Erdbeeren, Tomaten. Ohne tierische Hilfe nehmen die Erntemengen und die Qualität der Feldfrüchte drastisch ab. Das wollen die Initiatoren nicht länger hinnehmen. Vielmehr wollen sie aufzeigen, dass jeder dazu beitragen kann, insektenfreundlichere Lebensräume zu schaffen. Adressaten sind hier explizit nicht die Landwirtschaft, sondern Eigenheimbesitzer mit Gärten, Kleingartenpächter sowie auch die Stadt mit ihren öffentlichen Flächen.

Der Startschuss fiel im Wohngebiet Breidert mit dem Anlegen einer Bienenwiese an der Kita Zwickauer Straße. Dann folgte ein mehr als 80 Quadratmeter großer Blühsteifen an einem Fußweg am Breidertring, in Höhe der Straße Am Wiesengrund, in Kooperation mit der Stadt und dem psychosozialen Dienst „Die Brücke“.

Zu diesem Zweck wurde dort zuerst die Vegetationsschicht entfernt und ein nährstoffarmes Substrat hergestellt, auf das schließlich eine zertifizierte einheimische Wildblumenmischung ausgesät wurde. In Kürze sollen dort einige Infoschilder aufgestellt werden. Weitere Projektflächen am Breidertring befinden sich in Vorbereitung.

Bei allen diesen Flächen ist zu beachten: Das einfache Ausstreuen der Samen führt nicht zum gewünschten Erfolg. „Die allermeisten Böden enthalten zu viele Nährstoffe“, erklärt Doris Lerch vom NABU. „Auf diesen Böden werden sich mittelfristig immer einige wenige Arten, meist Süßgräser, durchsetzen. Daher müssen die Böden mit Sand abgemagert oder ausgetauscht werden, damit auch die vielfältigen und für die Insektenwelt besonders wichtigen Arten, die auf nährstoffarme Böden angewiesen sind, eine Chance haben. Das Wichtigste ist allerding das richtige Pflegemanagement und das Anbringen von geeigneten Nistmöglichkeiten für die unterschiedlichen Insektenarten. Nur so können wir eine möglichst große Vielfallt schaffen und erhalten. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man hier zum Erfolg kommen kann, die wir auf unterschiedlichen Referenzflächen alle einmal aufzeigen möchten“.

„Die Referenzflächen sollen in den nächsten Jahren Hauseigentümer motivieren, in ihren eigenen Gärten tätig zu werden und zumindest Teile davon so naturnah zu gestalten, dass viele Kleinstbiotope entstehen, die zusammen die Artenvielfalt in unserem Wohnviertel deutlich erhöhen“, ergänzt Karlheinz Weber von der Initiative ‚Wir sind Breidert’, der die Kampagne initiiert hatte. „Dazu wird es im Oktober einen Vortrag von Frau Lerch geben. Außerdem wollen wir ein Netzwerk von Personen aufbauen, die beratend tätig werden und die als Ansprechpartner bei Fragen zum Thema naturnahe Gartengestaltung dienen sollen.“

Mittelfristig soll das Projekt auf ganz Rödermark ausgedehnt werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf öffentliche Grünanlagen- und -flächen – etwa auf den Friedhöfen, Verkehrsinseln, Straßenbegleitgrün oder in den Kindertagesstätten und Schulen.  

chz

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare