Problemgrundstück in den „Rennwiesen“

Nachbar kündigt Widerspruch gegen Mehrfamilienhäuser an

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Nachbarn von der anderen Straßenseite sind die Neubauten in der Carl-Benz- und Erich-Kästner-Straße zu groß. Ein Ehepaar hat Widerspruch gegen die Baugenehmigung angekündigt.

Urberach - Zwei teils barrierefreie Mehrfamilienhäuser, die 2017 in den „Rennwiesen“ gebaut werden sollen, sind nach Ansicht von Nachbarn zu groß. Die Stadt konterkariere damit ihren eigenen Bebauungsplan, kritisieren Robert und Ruth Kistermann. Bürgermeister Roland Kern weist die Vorwürfe zurück.

Die Stadtverordnetenversammlung hat voriges Jahr den Verkauf von zwei „Problemgrundstücken“ im Mischgebiet „An den Rennwiesen“ beschlossen. Wegen ihrer Größe galten die Grundstücke Carl-Benz-Straße 6 (3 000 Quadratmeter) und Erich-Kästner-Straße 55 (rund 2 000 Quadratmeter) lange als nicht vermarktbar. Seit 2009 hatten rund 20 Investoren Interesse an der Carl-Benz-Straße bekundet, sprangen am Ende aber ab. Daher bot der Magistrat das Grundstück mit rund zehn Prozent Rabatt - 100.000 Euro - erneut an. CDU, AL und FDP stimmten dem Geschäft zu, das der Magistrat mit Auflagen verband: Mindestens die Hälfte der 28 Wohnungen müssen an Menschen über 60 Jahre oder mit einer Behinderung von mindestens 30 Prozent vermietet werden. Zudem verpflichtet sich der Investor, auf einem Nachbargrundstück 30 Jahre lang einen Bewegungspark für Senioren zu unterhalten.

Die im Dezember erteilten Baugenehmigungen stoßen Nachbarn sauer auf. Nach Ansicht von Robert und Ruth Kistermann sind die Neubauten, auf die sie von der anderen Straßenseite aus schauen, zu groß dimensioniert. Größter Kritikpunkt sind Hauslängen von 36 Metern (Erich-Kästner-Straße) beziehungsweise 48 Metern (Carl-Benz-Straße). „Entgegen dem Bebauungsplan werden auf beiden Grundstücken massive Gebäude mit weit über 20 Meter Länge genehmigt“, wirft Robert Kistermann den Behörden vor, mit zweierlei Maß zu messen. Private Bauherren wie er hätten die Vorgaben exakt einhalten müssen. Auch die zurück gesetzten Treppenhäuser seien keine optische Unterbrechung.

Die Nachbarn haben ihre Bedenken auf zwei eng beschriebenen DIN A 4-Seiten zusammengefasst: Sie bezweifeln zum Beispiel, dass die Geschossflächenzahlen eingehalten werden, und befürchten, dass Parkplätze bald Mangelware sind. Robert Kistermann spricht von einer „Kannibalisierung des öffentlichen Verkehrsraums“. Er hat eine Anwältin eingeschaltet, die Widerspruch gegen die Baugenehmigungen einreicht. Sein Fazit: „Hier soll ein Problem auf dem Rücken der Nachbarn gelöst werden. Und die Beteiligten wissen, dass die Spielregeln überzogen werden.“

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Bürgermeister Roland Kern wies die Vorwürfe gegenüber unserer Zeitung zurück: So habe der Magistrat auf einen Teil der Stellplätze verzichtet, weil viele ältere oder behinderte Bewohner keine Autos hätten. Auch die Frage der Hauslänge beurteile die Stadt anders als die Nachbarn: Das zurückgesetzte Treppenhaus gliedere das Gebäude in zwei Teile, die kürzer als 20 Meter sind. (lö)

Quelle: op-online.de

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