Scheunenkreuz hängt nach Nachbarschaftsstreit wieder

Urberach - Das kurz vor Ostern 2009 abgesägte Scheunenkreuz hängt wieder in der Bachgasse. Schreinermeister Friedrich Wandinger aus Münster zog gestern Morgen gegen 10 Uhr die letzte Schraube fest, solide Handwerksarbeit beendete einen erbitterten Nachbarschaftsstreit. Von Michael Löw

Der hatte 2008 begonnen und vier Richter beschäftigt. „Für diesen Moment habe ich vier Jahre gekämpft“, freute sich der Urberacher Fotograf Klaus Braungart, der das Kreuz aus alten Dachbalken einer Scheune gezimmert hatte. Sein Recht auf freie Religionsausübung sei endlich wieder hergestellt. Zudem sei das schlichte Kreuz eine echte Zierde für eine triste Fassade im katholischen Urberach.

Was hat die Sache so heikel gemacht? Braungart schmückte mit dem 1,40 Meter großen Ur-Symbol der Christenheit die Westwand besagter Scheune. An die kommt er aber nur über den Hof seines - inzwischen verstorbenen - Nachbarn Johann Müller. Und der fühlte sich seinerzeit getäuscht, als er plötzlich ein Kreuz hängen sah. Braungart habe, so argumentierte Müllers Anwalt Michael Gensert am 12. Februar 2010 unwidersprochen vor Amtsrichterin Kirsten Prass, lediglich für Ausbesserungsarbeiten am Dach aufs Grundstück gedurft.

Klima zwischen den Nachbarn vergiftet

Das Klima zwischen den Nachbarn war schon längst so vergiftet, dass einer dem anderen voller Misstrauen begegnete. Mit der Sägeaktion eskalierte der Streit endgültig. Von da an hatten die Juristen das Sagen. Gestern nun wachte Anwalt Gensert darüber, dass nur die Handwerker und Braungart selbst den Müller"schen Hof betraten. Dazu verpflichte das jüngste Urteil die Witwe seines Mandanten. Das Urteil deckt nach Ansicht Genserts weder Fernsehkameras noch Interviews auf dem Hof. Braungart hatte gut ein halbes Dutzend Medien über die Vollstreckung des Richterspruchs informiert.

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Angesichts dieses Rummels fühle sich seine Mandantin vorgeführt, erklärte Gensert. Er habe „mehr denn je Zweifel“, ob Klaus Braungart das Kreuz tatsächlich aus Religiosität oder nur zur Provokation an eine Mauer hängte, die er von seinem Grundstück aus gar nicht sieht.

Quelle: op-online.de

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