Nadeln klappern nur noch leise

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Urberacher Frauen strickten lange für Afrika, doch im Alter gibt"s Wichtigeres als Handarbeit .

Urberach (lö) - Die Nadeln klappern bei der „ Strickparty “ nur noch ganz selten, die Hände und Augen sind ein wenig müde geworden. Kein Wunder: Die meisten der 17 Frauen haben ihren 80. Geburtstag schon längst gefeiert, viele sind verwitwet.

Sie freuen sich, einmal die Woche zum Kaffeetrinken, Erzählen, Singen und Vorlesen raus zu kommen. Das ist heute mindestens so wichtig wie vor Jahren das Stricken.

Die „Strickparty“ wurde im März 1978 gegründet. Damals war der heutige Generalvikar Dietmar Giebelmann Pfarrer in St. Gallus, und in Urberach herrschte Aufbruchstimmung. Mit ihrer Idee, einen Handarbeitskreis für Alteingesessene und Neu-Urberacher ins Leben zu rufen, rannte Rosemarie Bähr offene Türen ein.

Sie war selbst erst aus Bonn zugezogen.

Anfangs strickten die Frauen auch Pullover, die sie zu Weihnachten an Bedürftige verschenkten. Später spezialisierten sie sich auf Decken. Jede von ihnen erzeugte unzählige Woll-Quadrate, die Elli Groh und Anna Krautschneider dann zu Decken zusammenfügten. Gut 1 200 davon entstanden in Handarbeit und wurden über die Missionsschwestern von Mutter Theresa nach Afrika geschickt. Im Hochland von Tansania werden die Nächte bekanntlich auch kalt.

Rekord: 130 Decken

Den Rekord hält nach Rosemarie Bährs Zählungen Wilhelmine Weber mit 130 Decken. Die einst fleißigste Strickerin ist inzwischen 98 Jahre und kommt immer noch regelmäßig zum Kaffeekränzchen. Hat eine der Damen Geburtstag, singt Wilhelmine Weber ihr selbst gedichtetes Lied vom „Speuze Schaa“. Rosemarie Bähr hat"s auf Kassette für die Nachwelt erhalten.

Die einst „katholische“ Strickparty ist seit 2009 im evangelischen Gemeindehaus daheim. Vor zweieinhalb Jahren wurde das Gallusheim bekanntlich geschlossen. Rosemarie Bähr bedauert, dass es diese zentrale Begegnungsstätte nicht mehr gibt: „Da konnten halt alle bequem hinkommen.“

Der Umzug in die Wagnerstraße bedeutete in zweifacher Hinsicht eine Zäsur. „Früher durfte jemand mit dem Stricken aufhören, wenn er 75 wurde“, erzählte Rosemarie Bähr schmunzelnd. Im neuen Domizil war grundsätzlich Schluss mit Handarbeit.

Quelle: op-online.de

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