Ein Mann, der verzeihen konnte

„Jakob-Hecht-Straße“ erinnert an Ober-Röder Juden

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Jakob Hecht (2. von links) kehrte trotz des Terrors, den die Juden durchleiden mussten, immer wieder nach Ober-Roden zurück und besuchte Nachbarn, die seiner Familie geholfen hatten.

Ober-Roden - Die Stadt benennt eine Straße nach Jakob Hecht. Der Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie wurde 1938 von den Nazis aus Ober-Roden vertrieben und überlebte den braunen Terror in Palästina. Von Michael Löw

Hecht blieb seiner Heimatgemeinde verbunden und besuchte sie bis in die neunziger Jahre regelmäßig. Die einzige Straße am ehemaligen Ober-Röder Festplatz heißt künftig „Jakob-Hecht-Straße“. Die Stadt würdigt einen früheren jüdischen Bürger, der als Kind den Nazis nach Palästina entkommen war und trotz des Terrors, der auch etliche seiner Angehörigen das Leben kostete, immer wieder nach Ober-Roden zurückkehrte.

Der Ältestenrat des Parlaments und der Magistrat haben immer wieder diskutiert, wie Rödermark die Erinnerung an die ermordeten, vertriebenen und entrechteten Juden aus Ober-Roden wachhalten kann - über die Gedenkstätte in der Bahnhofstraße und die Stolpersteine in beiden Stadtteilen hinaus. Die Idee, eine Straße nach Jakob Hecht zu benennen, hatte die CDU-Stadträtin Mona Reusch, erläuterte Bürgermeister Roland Kern. Jakob Hecht, den alle nur Jaky nannten, wurde am 28. Februar 1927 in Ober-Roden geboren. Die Hechts waren die einzige jüdische Familie, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Ober-Roden geblieben war. Ein Schuhgeschäft, das auf Jakys Mutter Berta Hecht eingetragen war, ernährte die Familie einigermaßen.

Auch zur 1100-Jahr-Feier war Hecht aus Tel Aviv in seine Heimatgemeinde gekommen, die er 1938 verlassen musste.

Nach dem Erlass des „Rassegesetzes“, das jüdischen Kindern den Besuch „arischer“ Schulen verbot, musste Jaky Hecht 1936 die Ober-Röder Volksschule verlasen. Zunächst besuchte er in Dieburg den Unterricht, den die dortige jüdische Gemeinde organisierte. Ab 1937 ging er vermutlich an die Israelitische Volksschule in Frankfurt. 1939 verhalf ihm ein jüdisches Kinderrettungswerk zur Flucht nach Palästina. So entging der Vernichtungsmaschinerie der Nazis, in der auch viele Glaubensgenossen aus Ober-Roden und Urberach umkamen. Schon wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg suchte Jaky Hecht wieder Kontakt zu seiner Heimatgemeinde Ober-Roden und besuchte Bekannte, Freunde und ehemalige Schulkameraden. Denn dort hatte seine Familie nicht nur Leid, sondern auch viel versteckte Hilfe erfahren. Die Familien Adam Mieth, Adam Schrod und Tochter Elisabeth Wilhelm steckten ihren jüdischen Nachbarn auch nach der Reichpogromnacht 1938 Essen und Kleidung zu.

Palästina-Konflikt flammt wieder auf

Sie waren auch erste Anlaufstationen für Hechts Besuche, die er wahrscheinlich in den fünfziger Jahren begonnen hatte. Ob es bei diesen Treffen Gespräche über Deutschlands braune Vergangenheit, Jakys Zeit in Frankfurt, seine erzwungen Ausreise und sein Leben in Israel gegeben hatte, lässt sich nicht eindeutig beweisen. „Offenbar war die Scheu, zu fragen und zu erzählen, auf beiden zu groß“, hieß es bei der Verlegung der Ober-Röder Stolpersteine am 21. November 2013. Hängen geblieben ist den Rödermärker Freunden aber Jaky Hechts ansteckende Fröhlichkeit. Er starb am 19. April 2001 einsam in Tel Aviv.

Ein Grundstück der Familie Hecht war in den späten dreißiger Jahren der „Arisierung“ entgangen. Jakob Hecht war Eigentümer von 1 095 Quadratmetern „An der Birkenwiese“ - nicht einmal sonderlich weit von der „Jakob-Hecht-Straße“ entfernt. Elisabeth Wilhelm hatte ein Auge auf den Acker und hätte theoretisch 1,22 Euro Grundsteuer pro Jahr dafür bezahlen müssen. „Wir treiben Steuern aber grundsätzlich erst ab 2,50 Euro ein“, erläutert Bürgermeister Kern.

Quelle: op-online.de

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