NBS-Mittelstufenleiter Ulrich Vogel in Ruhestand

Physik auch in zugiger Turnhalle unterrichtet

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Diese Woche hat Ulrich Vogel seine letzten Zeugnisse unterschrieben. 35.000 Mal setzte er seinen Namen unter Noten, nachdem er 18.000 Hefte korrigiert und gut 20.000 Stunden Mathe und Physik unterrichtet hatte. Heute steigt nach der sechsten Stunde eine kleine Abschiedsfeier für ihn, Kurt Göbel und Werner Damm, die ebenfalls in den Ruhestand gehen.

Ober-Roden - Heute um 13.30 Uhr verliert die Nell-Breuning-Schule 83 Jahre pädagogische Erfahrung. Nach der Zeugnisverleihung gehen Kurt Göbel, Werner Damm und Ulrich Vogel in den Ruhestand. Von Michael Löw

Wir sprachen mit Vogel, der lange Leiter der Mittelstufe war, über 26 Jahre Lehrerdasein an der NBS. Ulrich Vogel kam 1987 als Mathe- und Physiklehrer an die damalige Rodgauschule. „Im Lehrerzimmer durfte munter geraucht werden, und Arbeitsblätter wurden auf Wachsmatritzen mit Muskelkraft durchgeleiert“, berichtet er von zwei ganz banalen Dingen, die er heute als liebenswerte Anachronismen belächelt. Ganze 500 Fünft- bis Zehntklässler besuchten die Integrierte Gesamtschule, die unter Eltern nicht den besten Ruf genoss. Vogels wehmütiges Fazit: „Irgendwie war"s weniger hektisch!“

Das Renommee wandelte sich, die Schule wuchs, bekam 1994 den Namen des Sozialethikers Oswald von Nell-Breuning und eine Oberstufe. Die Lehrer mussten mit vielen Veränderungen Schritt halten. „Gesunde Ernährung, sinnvolle Freizeitgestaltung, Vermittlung von Werten, kritischer Umgang mit Medien, Umweltbewusstsein, Sexualerziehung, Konfliktbewältigung sind mehr und mehr zur Aufgabe von Schule geworden“, umreißt Ulrich Vogel ein Arbeitsfeld, das weit über Algebra und Kurvendiskussionen hinausgeht. Er und seine Kollegen fühlen sich von der hessischen Bildungsbürokratie im Stich gelassen: „Die Schule regelt das ,all inclusive", also ohne dass wir zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen.“

Runderneuerung des Südflügels

Zu den besonderen Momenten seiner 26 NBS-Jahre zählt Vogel auch die Runderneuerung des mit PCB belasteten Südflügels. Der Schadstoffgehalt in einzelnen Bauteilen überschritt den Grenzwert um das Zehnfache. Physik hat Vogel damals in der Turnhalle unterrichtet, deren löcherige Wände zur Sanierung angestanden hätten. Aber entgegen böser Gerüchte hatte die Zugluft nie einen Bunsenbrenner ausgeblasen.

„Ich bin eigentlich jeden Tag gern zur Schule gegangen“, sagt Ulrich Vogel in seinem persönlichen Rückblick und lobt das „nette, engagierte und hilfsbereite Kollegium“ sowie die konstruktive Arbeit innerhalb der Schulleitung. Er habe sich immer als Anwalt der schwächeren Schüler gefühlt und freue sich noch heute, wenn er frühere Sorgenkinder treffe, die ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben.

Jedermanns Liebling wollte Ulrich Vogel aber nie sein. Immer wieder machte er seinen Neunt- und Zehntklässlern klar, dass eine weiterführende Schule nicht ihr Ding ist und sie in praktischen Berufen besser aufgehoben sind: „Aber viele wollten einem Bewerbungsverfahren mit allem Pipapo aus dem Weg gehen.“ Trotz einem Lehrstellenmarkt, der selbst schwächeren Abgängern Perspektiven bietet, zögen aber auch solche Kandidaten den Schutzraum Schule vor.

Quelle: op-online.de

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