Gedichte auf Kommando

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Was schreib’ ich bloß? Dichten ist Kopfsache - und auf Bestellung gar nicht so einfach.

Ober-Roden - „Du brauchst ein Gedicht, das kannst Du nicht? Dann lass es einfach bleiben, ich werd’ es für Dich schreiben.“ So charmant wirbt Anette Pfeiffer-Klärle für ihre Geschäftsidee. Von Bernhard Pelka.

Die 41-Jährige schreibt auf Bestellung Gedichte, Reden und mehr. Nicht nur der vergangene Valentinstag hat ihr wieder viele Aufträge beschert. „Ich bin ausgebucht“, beschreibt die gelernte Datenverarbeitungskauffrau ihre geschäftliche Situation.

Der Nebenjob war freilich nicht immer so einträglich. Vor fünf Jahren wollte die gebürtige Bad Mergentheimerin außer Mama und Hausfrau „noch etwas anders sein“. Also besann sie sich auf ein Hobby, das ihr schon immer Spaß bereitete: dichten. „Ich war in meiner Familie immer die, die Geburtstagszeitungen gemacht und Reden geschrieben hat.“ Im Internet-Auktionshaus Ebay startete sie einen ersten bescheidenen Versuch. Für einen Euro pro Gedicht bot Anette Pfeiffer-Klärle ihre schreibenden Dienste an.

Sehr persönliche Kontakte zu den Kunden

Die Resonanz war so gut, dass die eingeplackte Ober-Röderin eine eigene Internetseite entwarf. Inzwischen hat die Hobby-Schreiberin zahlreiche Stammkunden und kann vorerst keine Aufträge mehr annehmen. Von ihr formulierte Heiratsanträge sind besonders begehrt, dann folgen Gratulationen zu Jubiläen, Gedichte zu allen möglichen Festen, Ansprachen für Firmenfeiern und Trauerreden.

Das Geschäft bringt sehr persönliche Kontakte zu den Kunden mit sich. „Sie müssen mir schon einiges verraten, sonst kann ich nichts Gescheites schreiben. Das muss ja immer passen“, berichtet die frühere Erzieherin in einer Gravenbrucher Kita. „Die Recherche vorher ist eigentlich die meiste Arbeit. Gereimt ist dann schnell.“ Die Autorin ist weit davon entfernt, sich als Lyrikerin zu bezeichnen. „Der Kunde will eine Dienstleistung - und die bekommt er“, sagt sie abgeklärt. Um Überraschungen für beide Seiten zu vermeiden, schickt Anette Pfeiffer-Klärle ihren Auftraggebern Entwürfe des Textes. Und davon auch nur etwa ein Drittel der bereits fertiggestellten Zeilen. Änderungswünsche sind dann kein Problem und die Preisvorstellungen nehmen konkrete Formen an. Denn bezahlt werden muss pro Zeile.

Quelle: op-online.de

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