Kraftakt auf der Treppe ins Theater

Nedelmänner suchen Sponsoren für Rollstuhlfahrer-Lift

Urberach - Ein Theater ist eigentlich ein öffentliches Gebäude und sollte für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte problemlos zugänglich sein. Doch Barrierefreiheit ist teuer - und für ein privates Theater in einem historischen Gebäude fast unmöglich. Die Schauspieler Friederike und Oliver Nedelmann versuchen’s trotzdem. Von Michael Löw

Kein Wunder, dass Friederike Nedelmann ängstlich aus ihrem Vorführ-Rollstuhl schaut: Selbst ein paar Stufen werden für Behinderte zum Nerven-Belastungstest, wenn sie nicht wissen, wer ihnen herunter hilft. Ihr Mann Oliver hat seinen Zivildienst in der Schwerstbehindertenbetreuung absolviert. Harry Beierer (rechts) gab aber freimütig zu, im Fall des Falles nach weiteren Helfern zu suchen.

Das Wohnzimmertheater Nedelmann - nach fester Überzeugung seiner Betreiber das einzig echte in Deutschland - hat sich seit 2004 zu einem Fixpunkt in er Rödermärker Kulturlandschaft entwickelt. Friederike und Oliver Nedelmann spielen pro Jahr 120 Mal Theater, wo sie sonst lesen, fernsehen oder mit Freunden zusammensitzen. Außerdem ist ihr Wohnzimmer Bühne für andere Künstler. „Immer regelmäßiger werden wir gefragt, ob unser Theater behindertengerecht ist und müssen das leider verneinen“, bedauert Oliver Nedelmann. Er schätzt, dass sich bei jeder dritten Vorstellung Behinderte oder alte Menschen nach den Zugangsmöglichkeiten erkundigen. Aber das Theater ist in einem mehr als 100 Jahre alten Gebäude daheim. Zuerst residierten dort die Besitzer der Hutstoffwerke „Bloch & Hirsch“. Nachdem die Nationalsozialisten die jüdischen Unternehmer 1933 enteignet hatten, zog die Verwaltung der Firma „Telefonbau & Normalzeit“ ein. Ihr Nachfolger wurde Mitte der neunziger Jahre vom Bosch-Konzern dicht gemacht, 2004 eröffnete das Schauspielerpaar Nedelmann sein Wohnzimmertheater.

Sechs Treppenstufen sind für alte Menschen und Gehbehinderte ein Hindernis. Für Rollstuhlfahrer werden sie zur fast unüberwindlichen Barriere. Hausherr Oliver Nedelmann hat seinen Zivildienst mit Schwerstbehinderten absolviert und weiß, wie er einen Rollstuhl sicher die Treppe rauf und runter manövriert. „Das wirkt aber nur manchmal vertrauensbildend“, berichtet der Schauspieler, Regisseur, Autor und Mit-Intendant von der Skepsis, die ihm oft entgegenschlägt. Daher wollen die Nedelmanns und Konzertveranstalter Harry Beierer einen sogenannten Plattformlift einbauen lassen. Behinderte können bei der Fahrt nach oben im Rollstuhl sitzen bleiben und müssen nicht - wie beim einfachen Treppenlift - auf das bewegliche Sesselchen wechseln und oben wieder in den Rollstuhl steigen.

So ein Plattformlift hat seinen Preis - knapp 11.000 Euro. Viel Geld für ein kleines Theater, das seit seiner Gründung ohne einen Cent Subventionen auskommt, und einen gemeinnützigen Konzertveranstalter. Die drei Kulturmacher suchen Sponsoren: Die Sparkasse Dieburg und die Volksbank Maingau, so Oliver Nedelmann, haben Spenden angekündigt. Er hofft auf die Unterstützung der Stiftung „Miteinander Leben“, der Entega-Stiftung und der „Aktion Mensch“. Auch Rödermärker Firmen will er anbetteln. Doch das wird vermutlich nicht reichen: „Wir werden auch auf Privatspenden angewiesen sein!“

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Kleine Beträge können die Theaterbesucher in eine Spendenbox auf dem Bügelbrett werfen, größere Beträge sollten überwiesen werden. Alle Geldgeber werden auf einer Tafel im Treppenhaus verewigt. Sollte nicht genug Geld für einen Plattformlift zusammenkommen, wollen die Nedelmann und Harry Beierer einen Treppenlift installieren. Den gibt’s gebraucht schon für weniger als 2 000 Euro. Doch diese Notlösung will das Trio seinen Besuchern möglichst ersparen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Löw, Michael

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