Heile Welt der digitalen Medien

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Kritische und zugleich auflockernde bunte Flecke in der zweitägigen Agenda des Symposiums: Die Präsentationen der Schüler des 12. Jahrgangs wiesen auf die Gefahren, aber auch auf die Chancen der rasanten medialen Entwicklung hin.

Ober-Roden (chz) - Medien, Kultur, Gesellschaft und die Medieninnovation als Chance war das brisante Thema des sechsten Nell-Breuning-Symposiums in der Kulturhalle.

Immer im Wechsel zwischen Geistes- und Naturwissenschaften richteten die Schule und die Stadt schon 20 Hochschultage und Symposien aus. Ohne die großen Sponsoren wie etwa die Sparkasse Dieburg oder die HSE-Stiftung ginge das jedoch nicht, denn die Referenten, zumeist hochgeschätzte Fachleute, kommen aus ganz Deutschland, was nicht kostenlos abläuft. Doch die 14.000 Euro für das Symposium sind nach Ansicht von Bürgermeister Roland Kern gut angelegtes Geld, denn Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit ist auch ein Standortfaktor.

Verwunderlich: je brisanter die Themen, desto weniger Zuhörer. Es war schade, dass die teilweise weit gereisten Fachleute vor sehr ausgedünnten Reihen saßen. Nur wenige Schüler (über jene hinaus, die sich in Listen eintragen mussten) und Bürger nutzten die Möglichkeiten, obwohl gerade die Medien am Freitag erschreckende Zahlen veröffentlichen: Die deutschen Geheimdienste haben über 37 Millionen E-Mails mitgelesen, wenn auch nur ein verdächtiges Schlagwort darin vorkam. Ganze 213 Mal kamen verwertbare Hinweise heraus. Auch die derzeitigen Acta-Proteste sollten die Bürger nach wissenschaftlichen Hintergründen und Langzeitvisionen lechzen lassen. Aber das Rödermärker Symposium schien ihnen das falsche Forum zu sein.

Das Medium ist nicht intelligenter als sein Erzeuger

Rückblickend war der Tenor der 14 jeweils knapp einstündigen Referate zwar kritisch, aber doch sehr positiv, was die rasante Zukunft der neuen - sprich: elektronischen - Medien betrifft. Im Hintergrund des enormen Potenzials, das in Blogs oder Netzwerken schlummert, stehen letztlich immer die Menschen, die es erfinden und beherrschen; das Medium ist nicht intelligenter als sein Erzeuger.

Die Skepsis gerade im Umgang von Kindern und Jugendlichen mit den weltweiten Möglichkeiten blieb eher im Hintergrund. Das Bild, das im Zuhörer entstand, besagte, dass die heutige Jugend mit Selbstverständlichkeit und damit auch mit einer selbstverständlichen Wachsamkeit mit den Medien umgeht, ganz im Gegensatz zu den so genannten „digital immigrants“, die mit der Digitaltechnik nicht groß gewordenen Älteren, die noch anders geprägt sind.

„Was erwarten Sie anderes“, fasste der Organisator Prof. Dr. Philipp Wolf das Symposium zusammen, „es sind Medienfachleute – sie sehen von Beruf aus die Medienwelt optimistisch.“ Wolf hatte zuvor die historischen Schritte von der ausschließlich mündlichen Kommunikation über Buchdruck und Dosentelefon bis hin zum „Hybridmedium“ Smartphone und die logische Fortentwicklung aufgezeichnet und über ihre Chancen und Auswirkungen auf die Menschen referiert.

Die Entwicklung ist unaufhaltsam

Die Vorträge reichten von „Serious Games“, die über den reinen Spieltrieb am Computer hinausgehen und dennoch die Nutzer in ihren Bann ziehen wie etwa „Urban Life 2060“ über die sozialen Beziehungen in öffentlichen Netzen bis hin zur Entwicklung der 3D-Fernseher: es gibt kein Anhalten mehr, die Entwicklung ist unaufhaltsam.

Die Fragwürdigkeit von Medien und Medienmacht machten vor allem die Schüler der 12. Jahrgänge deutlich. Sie ließen den möglichen Einfluss etwa der Politik auf ethnische Gruppen oder den medialen Rufmord der Medien lebendig werden. Ihre Präsentationen zeigten, dass Gegenwart und Zukunft nicht nur vom Fortschritt profitieren, sondern auch viel Leid mit sich bringen. Zudem waren die Präsentationen eine angenehme Unterbrechung im anspruchsvollen Nacheinander von 14 manchmal auch wenig attraktiv verpackten Referaten. Für mögliche Rückfragen aus dem Publikum blieb denn bei der Dichte des Programms wenig Zeit; die Moderatoren Prof. Dr. Philipp Wolf, Dr. Dietmar Herdt und Kevin Massoth hatten da wenig Chancen, der Kommunikation Raum zu verschaffen.

Quelle: op-online.de

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