Seit 25 Jahren kümmern sich Rödermärker als Verein intensiv um Flüchtlinge, Spätaussiedler und Einwanderer

Netzwerk aus Rat, Tat und Mitgefühl

Blumen für fünf Gründungsmitglieder und langjährige Weggefährten, von links: Frithjof Decker, Roland Kern, Christine Mathews, Bernd Reuter und Klaus Büttner.

Urberach - In der Kelterscheune feierte das Netzwerk für Flüchtlinge in Rödermark seinen 25. Geburtstag – ein Vierteljahrhundert aktive Hilfe für Geflüchtete, Migranten, Spätaussiedler und jüdische Immigranten.

25 Jahre Flüchtlingshilfe in Rödermark - ein Grund der Bedrückung, dass dies immer noch nötig ist, aber auch ein Grund, für so viel Engagement zu danken.

Schon 1991 bot der Verein Flüchtlingshilfe Rödermark, wie er sich damals nannte, Asylsuchenden Unterstützung bei der Neuorientierung. Mit den Aufgaben änderte sich auch der Name – in Netzwerk Integration. Daraus entstand das heutige Netzwerk Flüchtlinge Rödermark (NFR): Der Verein und ein unterstützender Freundeskreis kümmern sich gemeinsam mit der Stadt um Menschen, die nach ihrer Flucht in Rödermark angekommen sind.

Die gut 30 festen Mitglieder sind zwar ein kleiner Kreis für so viel Arbeit, aber im „Freundeskreis Flüchtlinge“ hat der Verein einen großen Helferkreis. Insgesamt sind weit mehr als 100 Menschen derzeit allein von Vereinsseite aus ehrenamtlich und intensiv in der Flüchtlingsarbeit beschäftigt.

Die Vorsitzende Brigitte Speidel-Frey erinnerte bei der Geburtstagsfeier nach einem von ihr gemeinsam mit den langjährigen Sozialarbeiterinnen Christine Mathews und Brigitte Putz-Weller zusammengefassten dreigeteilten Rückblick an die vielen Menschen: Menschen stehen im Mittelpunkt der Arbeit, doch Menschen haben den Verein auch geschaffen, geprägt und ihm das heutige Gesicht gegeben. Dafür dankte sie unter lebhaftem Applaus der Geburtstagsgäste vor allem fünf Gründungsmitgliedern und langjährigen Weggenossen des Netzwerks: Frithjof Decker, Roland Kern, Christine Mathews, Bernd Reuter und Klaus Büttner.

Auch darüber hinaus prägen Frauen das Bild des Netzwerks. Zu ihnen zählen Katrin Jäger, die langjährige Vorsitzende und jetzt stellvertretende Vorsitzende des Vereins NFR, die seit vielen Jahren vom Kreis eingesetzte Sozialarbeiterin Brigitte Putz-Weller sowie die Vorsitzende Brigitte Speidel-Frey. Deutlich wurde aber auch, dass der Verein Höhen und Tiefen hatte, die oft sein Überleben gefährdeten wie etwa 2010 eine Unterschlagung aus den eigenen Reihen. „Doch dann kam eine solche Welle von Solidarität auf die Flüchtlingshilfe zu, dass es eine bereichernde Erfahrung des Zusammenhalts wurde“, erinnert sich Brigitte Putz-Weller.

Diese Solidarität würdigten auch die Gäste in ihren Grußworten. Alle Gastredner sind selbst in diesem Netzwerk eingebunden. Bürgermeister und Gründungsmitglied Roland Kern erinnerte an die vielen Ehrungen, die der Verein schon erfahren hat und die ihm auch finanziell das Überleben sichern. Er blickte auch voraus auf den 17. März, wenn Brigitte Speidel-Frey von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Feierstunde empfangen wird: „Wenn uns das jemand bei unserer Gründungsversammlung 1991 erzählt hätte, hätten wir nur ungläubig uns angeschaut. Ich bin stolz darauf, dass wir euch in unserer Stadt haben!“

Landrat Oliver Quilling beschrieb es drastisch: „Gerade in den letzten Jahren der Flüchtlingsströme: Deutschland war überfordert, der Kreis auch – aber Sie haben es uns leicht gemacht!“ und war auch stolz auf das Ergebnis: „Wir haben eine hohe interkulturelle Kompetenz hier in der Region. Ausschreitungen wie in anderen Gebieten kommen hier nicht vor.“ Pfarrer Klaus Gaebler prägte ein Bild, das gerade bei den Flüchtlingen besondere Symbolkraft hat: „Sie haben den Menschen hier Heimat gegeben. Sie sind ein Anker für diese Menschen.“

Gemeinsam wurden bei einem kleinen Imbiss und bei iranischer Setar-Musik von Pejman Jamilpanah viele Erinnerungen geweckt, ehe der Rödermärker Kabarettist Volker Heymann sein Theaterprojekt „Deutschstunde“ vorstellte. Damit möchte er spielerisch helfen Barrieren zwischen den Flüchtlingen untereinander wie auch zur Bevölkerung abzubauen und dabei Sprachkompetenz und Gemeinschaft zu entwickeln. Bislang trauen sich nur wenige zu diesem regelmäßigen Angebot. In der Kelterscheune gab er gemeinsam mit dem Iraner Rohullah eine multimediale Kostprobe. J chz

Quelle: op-online.de

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