Der neue Äppler reift früh heran

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Waschen, musen, pressen – das sind die drei wichtigsten Arbeitsgänge, mit denen Stefan Hornung und seine Freunde aus frischem Streuobst süffigen Süßen und später Äppler gewinnen.

Ober-Roden - (chz) Gut zwei Wochen früher als in den letzten Jahren surren heuer das Schnitzelwerk und die Apfelweinpresse an vielen Orten, so auch in der Frankfurter Straße 33.

Hier keltert Stefan Hornung - vielen Rödermärkern als TG-Handballer und Kerbvereinsmitglied bekannt - Hessens Nationalgetränk. Vor kurzem erst hatte er hier in seine Straußwirtschaft eingeladen, deren Erlös die Hornung und seine Jungs der Typisierungsaktion von Michelle Schneider gespendet haben.

Die Jungs - das sind Schorsch Lang aus Urberach („Der darf trotzdem!“), Michael Wahl und Ingo Teike aus Ober-Roden. Seine drei Töchter Lou (5), Fee (7) und Zoe (9) packen ebenfalls an.

Die Äpfel kommen aus Reibach, Langen, Urberach und Messenhausen, von eigenen Streuobstwiesen oder von Baumpatenschaften, wie sie etwa Stefan Hornung hinter der Trinkbornschule übernommen hat. Sie sind durchwegs ungespritzt und unbehandelt - „aber in einem gesunden Apfel ist ja eh auch ein gesunder Wurm“, frozzeln die Hobbykelterer.

Faule Stellen werden schon mal ausgeschnitten, ehe die Früchte in einer alten Zinkbadewanne gewaschen und dann in das Schnitzelwerk geschüttet werden. Dieses Mus wird in den Press-Sack aus ehemals hellem Leinen gerafft. Dann wird die mit Wasser betriebene Presse sorgfältig verschlossen, der Ballon im Inneren füllt sich und drückt die Maische nach außen, wodurch der Saft durch die filternden Stoff und dann durch die feinen Metallporen im Mantel der Presse in die Auffangrinne abfließt.

Dem Saft wird Zucht hefe beigegeben, die sauberer gärt als die natürliche Hefe. Das ganze wird mit dem Gärspund verschlossen, der das in der Kelterkammer entstehende Kohlendioxid entweichen lässt. Je nach Außentemperatur ist das neue Stöffchen in vier bis sechs Wochen trinkbar. Der Alkoholgehalt des fertigen Äpplers liegt zwischen sieben und acht Prozent - das sind rund zwei Prozent mehr als in den handelsüblichen Sorten.

Gut zehn Jahre keltern Hornung und seine Jungs nun schon; anfangs haben sie die Presse samt allem Zubehör ausgeliehen, aber nach dem vierten Mal merkten die Freunde, wie viel Freude sie haben, und kauften eigene Geräte.

Quelle: op-online.de

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