Eine Tür ins Arbeitsleben öffnet sich

Neue Förderstätte der Werkstätten Hainbachtal

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Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner aus Offenbach (links) nahm sich gut eine Stunde Zeit, um die Verdienste der neuen Tagesförderstätte zu würdigen und sich beim Rundgang (hier in der Küche) einen Eindruck von dem Angebot zu verschaffen.

Ober-Roden - Die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsalltag und mithin am alltäglichen Leben hat in Rödermark eine neue Adresse: Gestern eröffneten Staatsminister Stefan Grüttner und weitere Ehrengäste die Tagesförderstätte der Werkstätten Hainbachtal gGmbH an der Paul-Ehrlich-Straße 3-5.

In einem umgebauten Bürokomplex von Rödermarks früher bedeutendem Arbeitgeber, dem Armaturenhersteller Jado, haben die Werkstätten Hainbachtal unter Trägerschaft des AWO Kreisverbands 40 Plätze für Menschen mit teils mehreren Behinderungen geschaffen. Wo früher die Büros der Jado-Chefetage waren, sind heute Gruppenräume, ein Bewegungsraum und die Küche untergebracht.

Schon seit 2008 sind die Werkstätten auf dem Gelände ansässig. 2011 zogen sie dort von einer ehemaligen Lagerhalle in ein dreigeschossiges früheres Werksgebäude um, das vom Rödermarkring aus im Vorbeifahren nicht zu übersehen ist. Jetzt kommt also noch die neue Tagesförderstätte hinzu.

Vermieter ist die STIKMA Entwicklungs- und Beteiligungs GmbH aus Limburg. Deren Gesellschafter Markus Stillger und Marcel Kremer begleiteten nach Begrüßungsworten verschiedener Gastredner Besuchergruppen zusammen mit der Hausleiterin Melanie Immenrodt und der Gesamtleiterin Tagesförderstätte, Kerstin Späth, durch die Räume. Beide Damen hatten zuvor den Teilnehmern der Eröffnungsfeier das Konzept der Einrichtung erläutert.

Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner aus Offenbach nahm sich gut eine Stunde Zeit, um nicht nur in einem Grußwort seine Wertschätzung gegenüber dem Projekt, den Tagesstättenbesuchern und den Mitarbeitern auszudrücken, sondern auch, um sich visuell beim Rundgang einen Eindruck zu verschaffen.

Immer wieder würden sich die Werkstätten der Herausforderung stellen, „eine inklusive Gesellschaft zu fördern“, lobte Grüttner. Ausdruck dieses Bemühens sei nun auch die neue Tagesförderstätte. Diese ermögliche den Besuchern die Teilhabe am Arbeitsleben. Dies wiederum stärke das Selbstwertgefühl und schaffe Identifikation. „Und vielleicht ist dieser Schritt ins allgemeine Arbeitsleben für manchen sogar ein Schritt hin zum ersten Arbeitsmarkt.“ Dies zu unterstützen – „dabei dürfen wir nicht locker lassen“, appellierte der Minister. Er sei überzeugt, dass die Mobilisierung von Potenzialen zur Sicherung der Fachkräftebasis einen inklusiven Arbeitsmarkt erfordere. „Dazu ist es wichtig, das Fachkräftepotenzial von Menschen mit Behinderungen stärker sichtbar zu machen“, betonte der hohe Gast aus der Landeshauptstadt. Das Land Hessen trage dazu bei, die Bereitschaft von Arbeitgebern zu erhöhen, Menschen mit Behinderungen einzustellen. „Unsere Programme wie zum Beispiel das Hessische Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen schaffen Anreize dafür, Menschen aus einer Werkstatt den Übergang in das Arbeitsleben zu erleichtern und sie dabei dauerhaft zu begleiten.“ Unverzichtbar sei es indessen auch, die „Barrieren in den Köpfen abzubauen“.

Gastredner Landrat Oliver Quilling betonte auch namens des Ersten Stadtrats Jörg Rotter den hohen Stellenwert der neuen Einrichtung, wenn es darum gehe, die Kommunikationsfähigkeit, die Tagesstruktur und das Selbstwertgefühl der Besucher zu stärken. „Hierbei steht nicht die Produktion im Vordergrund, sondern die Integration in den Alltag.“

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Der Landrat erwähnte weitere Inklusionsprojekte im Landkreis Offenbach, die herausragende Arbeit leisten: etwa die Betreiber des Klostercafés in Seligenstadt oder Angebote der gemeinnützigen Offenbacher Integrationsgesellschaft ESSwerk. In deren Sinne gebe es noch viel zu tun.

„Die Arbeitslosenquote unter Behinderten ist weit höher als die von Nichtbehinderten. Sobald ein Behinderter einen Arbeitsplatz verliert, hat er ungleich größere Probleme, einen neuen zu finden, wie ein Nichtbehinderter“, beschrieb Quilling die Problemlage.

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Thomas Ruff, Geschäftsführer der Werkstätten Hainbachtal, hatte die Gäste begrüßt und allen Beteiligten für ihr großes Engagement gedankt. „Es ist gelungen, den Standort schnell aufzubauen und in den Alltag zu finden, damit sich alle heimisch und wohl fühlen.“

Zum Wohlfühlen trugen während der Feier auch die Mitglieder der Band „Jane Doe“ – bestehend aus Besuchern der Ober-Röder Tagesförderstätte – mit beeindruckenden Songs bei. (bp)

Quelle: op-online.de

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