Osteuropäische Banden sind hinter Technik aus Bayern her

Neue Serie: vier Autos innerhalb weniger Tage aufgebrochen

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Schon vier Rödermärker BMW-Fahrern bot sich 2017 dieser niederschmetternde Anblick. Professionelle Autoknacker haben die teure Sicherheits-, Navigations- und Unterhaltungstechnik ausgebaut.

Rödermark - Das Jahr ist noch keine sechs Wochen alt, und schon sind vier Rödermärker BMW-Besitzer ihre Navigationsgeräte und andere teure Elektronik los. Ein schwarzes Coupé der 4er-Reihe verschwand sogar komplett auf Nimmerwiedersehen Richtung Osteuropa. Von Michael Löw

BMW-Fahrer befürchten eine ähnliche Serie wie Anfang 2016. Damals schlachteten Profibanden innerhalb von zwei Wochen in Rödermark und Rodgau 22 Autos der bayerischen Edelmarke aus. BMW sind bei Autoknackern begehrt. Nicht wegen der vielumworbenen „Freude am Fahren“ oder dem Renommee der Marke, sondern weil sie wahre Technik-Selbstbedienungsläden sind. „Es dauert keine zehn Minuten, und da ist so ein Auto völlig ausgeräumt. Das sind geübte Hände“, sagt Ilona Kärtner. Sie ist Chefin des K 22 bei der Kripo Offenbach, der Fachabteilung für alle Kriminalität rund ums Auto. Mit völlig ausgeräumt meint die Polizistin Navis, Airbags, Armaturentafeln, Multifunktions-Lenkräder und die übrige hochwertige Informations- und Sicherheitstechnik.

BMW macht’s den Gangstern einfach. Zu einfach, findet die Kommissariatsleiterin. Die Masche ist nämlich stets gleich: Die Täter schlagen eine Seitenscheibe ein, greifen durchs Loch und öffnen die Tür von innen. Die Mechanik ist spielend leicht zu überwinden. Andere deutsche Premiumhersteller haben da besser vorgesorgt. Einen Audi Q7, so Ilona Kärtner, hätten die Gangster mit brachialer Gewalt – und entsprechend viel Zeitverlust und Lärmrisiko – knacken müssen, um an die begehrte Elektronik zu gelangen. Die Autoknacker sind professionell organisierte Banden aus Osteuropa, oft aus Litauen und seinen Nachbarländern, die für ihre Beutezüge gezielt ins Rhein-Main-Gebiet gebracht werden. Maximal zwei Wochen treiben sie nachts ihr Unwesen, dann verschwinden sie wieder Richtung Heimat. Die Polizei hat das Nachsehen, die Aufklärungsquote ist minimal.

Kein Wunder: Die Profis arbeiten, wenn die Besitzer von BMW, Audi, Mercedes & Co. tief schlafen. Dann ist’s in den sowieso ruhigen Wohnvierteln nahezu völlig still. Komplizen, die eine Ecke weiter Schmiere stehen, hören jedes näher kommende (Polizei-)Auto und warnen den Haupttäter. Haben die ihre Beute eingesackt, geben sie sie gleich an Mittelsmänner weiter und suchen das nächste Auto. Die Wege sind kurz: Die Diebstahlserie in der Nacht zum 24. Januar passierte am Karnweg, die am folgenden Wochenende in Waldacker. An die 50 Euro sind nach den Erfahrungen der Polizei der Lohn für eine Ladung BMW-Technik. Das klingt zunächst wenig. Ilona Kärtner und ihre Kollegen wissen aber, dass schnelle Täter zehn Autos pro Nacht ausräumen. Und 500 Euro sind in vielen ehemaligen Sowjet-Staaten ein Monatslohn.

Top 10 der Autodiebe

Fast zwei Wochen lang meldete die Polizei jetzt keinen Autoaufbruch in Rödermark. Doch das lässt BMW-Fahrer nicht ruhiger schlafen. „Ich befürchte, dass es weitergehen wird“, prophezeit Polizistin Kärtner. Potenziell gefährdet sind alle Ecken, die den Gangstern schnelle Fluchtmöglichkeiten bieten. Vom Breidert ist’s nicht weit auf die B 45, der Karnweg liegt nur einen Katzensprung von der B 459 und der Kreisquerverbindung entfernt, Waldackerer Beute können die Täter quasi im Vorbeifahren mitnehmen. Schwacher Trost der Kommissariatsleiterin: „Rödermark ist keine Hochburg!“ Der Schaden pro Auto geht in die Tausende. Wahrscheinlich trauriger Rekordhalter ist ein Geschäftsmann aus dem Breidert. Die Reparatur seines am 18. Februar 2016 ausgeschlachteten 5er kostete rund 19.000 Euro. Da sind die 2.000 Euro für drei Wochen Leihwagen noch nicht mitgerechnet. Zwischen Januar und November des vorigen Jahres richteten Profi-Autoknacker im Kreis Offenbach nach Auskunft von Ilona Kärtner Schaden von deutlich über einer Million Euro an.

Quelle: op-online.de

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