Auf die neue Spitze wartet viel Arbeit

Entspannte Gesichter nach einem anstrengenden Abend: Helmut Schrod (2. von links) und Peter Müller (3. von rechts) freuten sich über ihre Ehrungen. Im Namen des Vorstandes gratulierten Martina Schwarzkopf, Manfred Rädlein, Herta Bügler sowie Monika und Karl-Heinz Hitzel (von links). Foto: Löw

Rödermark - Spaltungs-Tendenzen, Gegenstimmen bei der Wahl des neuen Vorsitzenden, Kampfabstimmung um das Stellvertreter-Amt, hitzige Diskussionen und ungelöste Fragen um die Rollenverteilung verschiedener Branchen: Die fast vierstündige Hauptversammlung des Gewerbevereins am Mittwochabend barg jede Menge Zündstoff. Was aber nicht heißt, dass die 49 Mitglieder um Mitternacht im Streit auseinander gingen.

Einstimmig ernannten sie Helmut Schrod, der nach 16 Jahren den Vorsitz abgab, zum Ehrenvorsitzenden, ebenfalls einstimmig verliehen sie Geschäftsführer Peter Müller nach 14 Jahren die Ehrenmitgliedschaft.

Neuer Vorsitzender ist Schrods Stellvertreter Manfred Rädlein. Auf ihn entfielen in geheimer Wahl 41 Ja-, fünf Nein- und drei ungültige Stimmen. Dr. Renate Groß-Lammert hatte die laut Satzung mögliche offene Abstimmung ablehnt. Hintergrund: Gegen Rädleins Kandidatur hatten einige der 220 Mitglieder Bedenken, weil er auch Vorsitzender des FDP-Stadtverbands ist. Dass er dieses Amt abgeben will, kündigte Rädlein nach seiner Wahl an. Das garantiere die Unabhängigkeit des Gewerbevereins.

Bei der Wahl zu Rädleins Stellvertreterin setzte sich Martina Schwarzkopf, die Sprecherin des Werberings Urberach, mit 38:9 Stimmen gegen Andrea Beier durch. Ihre Kandidatur hatte Peter Montwé angeregt, der die „Opposition“ mit in die Verantwortung nehmen wollte.

Die Gruppe um Andrea und Detlev Beier, Sylvia Baumer, Mareike Grün und Renate Groß-Lannert bezweifelte, dass der Gewerbeverein das richtige Dach für den Werbering Urberach und den FHO (Fachhandel und Handwerk Ober-Roden) ist. Die Unterabteilungen führten ohnehin ein Eigenleben und kümmerten sich primär um Veranstaltungen in ihren Stadtteilen, argumentiert Detlef Beier. Sylvia Baumer ging in ihrer Kritik noch einen Schritt weiter: „Die treten oft gegeneinander an!“ Mareike Grün vermisste die Durchlässigkeit zwischen den Stadtteilen.

Contra gab‘s von vielen Seiten: „Eine Zweiteilung wäre schlimm“, entgegnete Peter Müller und erinnerte daran, dass der Gewerbeverein Urberach der erste Verein in der jungen Stadt gewesen sei, der sich den Namen „Rödermark“ gab. Die Politik sei seit Jahren bestrebt, das Rödermark-Gefühl zu stärken, wovon letztendlich auch Handel und Handwerk profitierten, sagte Stadtverordnetenvorsteherin Maria Becht, die auch Mitglied im Verein ist. Helmut Schrod betonte die übergeordneten Aktivitäten des Gesamtvereins wie die Organisation des Neujahrsempfangs und der Ausstellung „Uhiga“, Initiativen für mehr Parkplätze in den Ortskernen oder die Mitarbeit in Handwerkskammer und IHK. Sie waren sich einig: Konkurrenz der Unterabteilungen gebe es allenfalls in Form gegenseitiger Befruchtung.

Genau diese Diskussion und dieses Bekenntnis zu Rödermark habe er erreichen wollen, nahm Detlef Beier die Niederlage bei der Abstimmung seines „Trennungsantrags“ gelassen hin. Eine Reaktion, die Helmut Schrod am Rande der Versammlung den Kopf schütteln ließ: „Es kann doch nicht sein, dass drei, vier Leute hier mit einem Spaßantrag die Arbeit des Rests sabotieren.“ Sein Nachfolger Rädlein sah‘s ähnlich, ermunterte die „Opposition“ aber ausdrücklich zur weiteren Mitarbeit im Verein oder seinen Abteilungen.

Der neue Vorsitzende weiß, dass eine Menge (Integrations)-Arbeit auf ihn wartet. Bei der Versammlung wurde beispielsweise deutlich, dass einige Mitglieder den Gewerbeverein zu sehr als Sprachrohr des Einzelhandels in den Zentren sehen. Dienstleister aus dem IT-Sektor, Personaltraining oder kreativen Berufen fühlen sich längst nicht ausreichend repräsentiert.

Quelle: op-online.de

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