Neue Wohnformen fürs Alter

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Adelina Schuster aus Dietzenbach findet das Projekt gut: „Ich kann es mir gut vorstellen, im Alter mit jungen Leuten zusammen zu leben. Aber jeder hat da seine eigene Meinung und viele Jugendliche wollen bestimmt nicht mit Älteren zusammen leben.“

Rödermark (dah) ‐ In 15 Jahren werden etwa 8320 altengerechte Wohnungen im Kreis Offenbach benötigt. Eine „graue Wohnungsnot“ prognostiziert deshalb die Studie des Pestel-Instituts.

Auch für Rödermark ist dies ein Thema. Zum Beispiel haben Jugendliche der Nell-Breuning-Schule als Reaktion auf den demografischen Wandel in ihrer „Arbeitsgemeinschaft Mehrgenerationenhaus“ eine alternative Wohnform vorgestellt. Die Schüler plädieren dafür, dass in Rödermark ein Haus gebaut wird, in dem Jung und Alt zusammen leben und sich gegenseitig helfen. Jetzt diskutierte auch die Stadtverordnetenversammlung über das Wohnen ohne Altersschranken.

Der Arbeitsgruppe unter Lehrerin Jutta Schwarz gehören die Abiturienten Susanne Haller, Jannik von der Lühe und Lena Roth an. Erstmals wurden sie auf Mehrgenerationenhäuser aufmerksam, als sie sich vor drei Jahren an der Schule mit der Frage beschäftigten: „Unsere Gesellschaft verändert sich, was können wir tun?“ Die Schüler wollten Wege aufzeigen, wie man auf diese Entwicklung reagieren kann. „Außerdem hat die Arbeit viel Spaß gemacht und war abwechslungsreich“, erklärt Lena Roth.

Politiker sind begeistert

Durch Mundpropaganda und Zeitungsartikel hat sich das Projekt herumgesprochen. Eine Mutter mit zwei Kindern und ein älteres Ehepaar sind bereits auf das geplante Mehrgenerationenhaus aufmerksam geworden und können sich ein Leben dort vorstellen. Die Bewohner sollen sich an der Planung beteiligen. „Das schreckt ab, weil wir noch ganz am Anfang stehen und es sehr zeitintensiv ist“, stellt Lena Roth fest. Auf Empfehlung des Familienministeriums sind zehn Wohneinheiten geplant. So bleibt das Haus relativ klein und persönlich.

Im Parlament lobte Stefan Gerl (AL/Die Grünen) das Vorhaben. „Die Präsentation der AG hat neugierig gemacht. Die Schüler haben sich vergleichbare Projekte angeschaut - die Bewohner empfinden das Wohnen in Mehrgenerationenhäusern als Bereicherung.“ Seine Partei hat die AG für den diesjährigen Bürgerpreis des Kreises Offenbach vorgeschlagen.

In der Stadtverordnetenversammlung war man sich einig: Ja zum Projekt, Skepsis gegenüber dem vorgeschlagenen Standort in der Kapellenstraße. Dieser sei laut Sven Sulzmann (CDU) „einer der unattraktivsten Plätze, was Wohnbebauung in Rödermark angeht“. Dort gebe es zu viele Lärmquellen durch die Schule, die Indoor-Soccer-Halle und die Feuerwehr. Geeigneter, ja sogar als „Idealplatz“, erscheint Hans Gensert (FDP) ein zentraler Standort im Ortskern - ähnlich der Lage des Gallusheims in Urberach. In dieser Richtung solle man weiter suchen.

Schüler haben schon Investor und Architekten gefunden

Lena Roth und NBS-Rektor Jochen Zeller halten dagegen, dass die Nähe zur Schule ein klarer Standortvorteil der Kapellenstraße sei. „Die Möglichkeit zur Kooperation ist uns wichtig. Zum Beispiel könnte die Schulgarten-AG den Bewohnern bei der Pflege ihres Gartens helfen“, gibt Lena Roth zu bedenken. Neben weiteren Vorteilen, wie der guten Anbindung an das Verkehrsnetz und Einkaufsmöglichkeiten, sei das Grundstück außerdem „nett im Grünen gelegen“.

Auch Jutta Schwarz wünscht sich, dass das Mehrgenerationenhaus in der Kapellenstraße errichtet wird. Dort sollen auch schulische Erweiterungsgebäude Platz finden, zum Beispiel eine Großküche und eine neue Bibliothek.

Hindernisse sieht allerdings auch die AG: Die Grundstücke sind in Privatbesitz und liegen zudem im Gewerbegebiet. Die Schüler sind indessen optimistisch, schon einen Investor und einen Architekten gefunden zu haben.

Manfred Rädlein (parteilos) schloss die Diskussion um den Standort vorerst mit den Worten: „Ganz egal wo das Mehrgenerationenhaus gebaut wird, Hauptsache es wird gebaut.

Quelle: op-online.de

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