Neuer Katholik aus Überzeugung

+
Thomas Dinges - vom Gelegenheitskirchgänger zum überzeugten Katholiken.

Ober-Roden ‐ Den Kirchen in Deutschland laufen die Gläubigen weg. 120.000 Katholiken und gar 160.000 Protestanten traten innerhalb eines Jahres aus der Kirche aus - zwei alarmierend hohe Zahlen. Menschen, die den umgekehrten Weg gehen, sind Balsam auf der Seele eines jeden Pfarrers. Von Michael Löw

In der Ober-Röder St. Nazarius-Gemeinde hieß Pfarrer Elmar Jung kurz vor Weihnachten fünf neue Katholiken willkommen. Jung sieht die so genannte Konversion allerdings mit etwas gemischten Gefühlen. Der Freude über den Zuwachs in seiner Gemeinde steht eine Portion Sorge um die Ökumene entgegen. Er will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die katholische Kirche mache der evangelischen Mitglieder abspenstig.

Guten Gewissens kann Jung sich über den Eintritt von Thomas Dinges freuen. Der hatte 2000 der evangelischen Kirche den Rücken gekehrt. „Vom schnöden Mammon getrieben“, sagt der 42-jährige Verkaufsleiter einer Investmentgesellschaft. Die Kirchensteuer sei aber letztlich nur das i-Tüpfelchen gewesen. Er hat sich schleichend von der Kirche entfernt. Seit seiner Konfirmation besuchte Thomas Dinges gelegentlich mal einen Gottesdienst, das war‘s dann auch zum Thema Religion.

Nach intensiven Gesprächen zum Glaubenskurs

Seine Frau Ina lebte ihren katholischen Glauben dagegen sehr intensiv. Daher stand auch für Thomas Dinges nie in Frage, den ältesten Sohn Jonas für die Erstkommunion in St. Nazarius anzumelden. „Was Pfarrer Jung da sagte, hat mich überzeugt. Ich dachte mir sogar, dass ich mit Jonas zu Kommunion gehen könnte“, erzählt er. Darauf verzichtete Thomas Dinges, weil am Weißen Sonntag die Kinder im Mittelpunkt stehen.

Nach intensiven Gesprächen mit Pfarrer Jung meldete er sich aber im Februar zu einem Glaubenskurs bei dessen Urberacher Amtsbruder Klaus Gaebler an. Nach Jonas‘ Kommunion folgte ein zweiter Kurs in Ober-Roden. Der feierliche Konversionsgottesdienst fand am ersten Advent statt, symbolträchtig zum Beginn des neuen Kirchenjahres.

Bestätigung für seinen Wiedereintritt

Thomas Dinges schwärmt regelrecht von seiner neuen Gemeinde, in der er sich über den Gottesdienstbesuch hinaus engagieren will. „Pfarrer Jung hat maßgeblichen Anteil an meiner Euphorie!“ Dessen Ausstrahlung half im sogar über eine kleine Glaubenskrise im Mai hinweg: Damals waren schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche Irlands laut geworden. In ihren Heimen wurden tausende von Kindern geprügelt oder sexuell missbraucht.

Bestätigung für seinen Wiedereintritt erfuhr Thomas Dinges auch außerhalb der Familie. „Auch von den Kollegen hat mich keiner belächelt.“ Was in einer Branche, die zu den Göttern Euro, Dollar und Profit betet, schon was heißen will.

Apropos Geld: Der Kirchensteuer-Flüchtling des Jahres 2000 sieht die Abgabe heute mit ganz anderen Augen: „Ich zahle soviel Steuern, mit denen Unsinn finanziert wird. Da ist meine Kirchensteuer noch das Sinnvollste!“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare