Neues Leben im alten Gemäuer

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Als noch Dampfloks durch Ober-Roden schnauften, stand der Bahnhof noch in seiner ganzen Backstein-Herrlichkeit. Später verschwand sie unter Putz, der auch nach der Renovierung bleibt. Die Wiederherstellung der Backsteinfassade fordert nicht einmal die sonst so strenge Denkmalschutzbehörde des Kreises: Der Aufwand ist zu hoch. Zur Vollansicht.

Ober-Roden - Drei Rödermärker Investoren wollen den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof Ober-Roden wiederbeleben. Gastronomie und Wohnen haben all ihre Konzepte gemein, die Unterschiede liegen in den Geschäften und der Energieversorgung. Von Michael Löw

Die aussichtsreichsten von ursprünglich zwölf Interessenten stellten ihre Pläne am Dienstagabend in einer Sondersitzung des Bauausschusses vor. Sie alle bieten der Stadt rund 70.000 Euro für das Empfangsgebäude und 250 Quadratmeter Vorplatz. Sie wollen zwischen 800.000 und einer Million Euro investieren. Ihre Pläne sind laut Bürgermeister Roland Kern schon ganz oder teilweise mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt.

Was erwartet die Ober-Röder nach dem Umbau?

Wir stellen die Entwürfe und ihre Macher vor - in der Reihenfolge, in der sie sich den Politikern präsentierten.

Der Urberacher Quartiersentwickler Hans-Jörg Vetter baut seit 1993 in ganz Deutschland. Im neuen Frankfurter Riedberg-Viertel projektierte er 390 Wohnungen. Er will den Bahnhof zu einem „attraktiven Torhaus “ machen. Dazu soll das Erdgeschoss gedrittelt werden: Im Südflügel versorgt ein Servicestore Bahnkunden mit allem, was sie für die Reise benötigen. Außerdem will Vetter Bahndienstleistungen wie Fahrkartenverkauf und Zugauskünfte in den Bahnhof zurückholen. Richtung Norden schließt er einen Feinkost- und Frischemarkt und daran ein Restaurant an. Den ehemaligen Güterschuppen auf der Nordseite will er als zeitgemäße Konstruktion aus Glas und Stahl neu errichten und mit zwei großen Terrassen zum Teil seines Gastronomiekonzeptes machen.

Von zwölf Bewerbern blieben drei übrig

Im Ober- und im Dachgeschoss will Hans-Jörg Vetter möblierte Wohnungen für trendbewusste Singles und Appartements für neue Führungskräfte von Frankfurter Unternehmen bauen, die sich anfangs nicht um Wohnungssuche kümmern wollen. Kostenloses Highspeed-Internet ist in allen Räumen inklusive. Eine Holzpelletheizung und Solarmodule sollen den Bahnhof umweltfreundlich und wirtschaftlich mit Energie versorgen.

Die Firma Schwerber Hausbau ist ein Ober-Röder Familienunternehmen, das seit 1973 im Immobiliengeschäft ist. Auf seiner Referenzliste stehen unter anderem die Bebauung der ehemaligen Lederwarenfabrik Gotta und Rödermarks erstes Wohn- und Geschäftshaus mit Erdwärmeversorgung. Ulrich Schwerber will den größten Teil des Erdgeschosses für eine Apotheke und einen Optiker umbauen. Im Rest findet ein Bistro Platz, das ebenfalls durch den Wiederaufbau des Güterschuppens verlängert wird. Die oberen Etagen will Schwerber zwischen Büros und Hotelzimmern aufteilen. Die nämlich seien in der Nähe des Bahnhofs Mangelware und böten dem Bistrowirt zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Bei Apotheke und Optiker handele es sich um alteingesessene Geschäfte, die schon jetzt nach neuen Räumen Ausschau halten.

Schwerbers Architekt Horst-Peter Knapp orientiert sich bei der Renovierung an historischen Elementen wie den Giebelüberständen und dem Güterschuppen. Für das ganze Konzept habe er schon „ein positives Feedback des Denkschmalschutzes“ erhalten. Deshalb werde er auch keine Solarzellen auf dem Dach, sondern nur auf den Leuchten des Parkplatzes installieren. Für Wärme und Komfort sorgt in Knapps Plänen eine effektive Gasbrennwert-Heizung.

Backsteinfassade auch künftig unter Putz

Der frühere Olympiaturner und Elektromeister Daniel Winkler, Innenarchitektin Alexa Schraverus und Malermeister Claus Wunderlich sind die Dritten und Jüngsten in der Bieterrunde. Auch sie wollen im nördlichen Gebäudeteil ein Lokal unterbringen, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit jedoch auf einen Anbau verzichten. Ihr Entwurf sieht auch einen 32 Quadratmeter großen Mehrzweckraum vor, der zur Gaststätte gehört. In erster Linie soll er aber von Vereinen für kleinere Veranstaltungen gemietet werden können.

Eine sowohl zum Platz als auch zu den Gleisen hin offene Markthalle soll den südlichen Gebäudeteil beleben und dem Zentrum von Ober-Roden wieder zu einem Metzger verhelfen. Oben sind Wohnungen und Praxen vorgesehen. „Wir haben den Gastronomen schon gefunden und sind bei Metzgern auf gute Resonanz gestoßen“, sagte Winkler zum Stand der Mietersuche. Darin sieht er einen Vorteil für die Verhandlungen mit der Stadt.

Quelle: op-online.de

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